nicht hören , sondern fühlen ! « » Das ist ganz gleich , denn ich habe auch nichts gefühlt . Und dieses Gefühl müßte ich doch deutlicher haben als jeder andere , der nicht nach seinem , sondern nach meinem Pulse greift ! « Ich wollte da eine erklärende Bemerkung machen , doch ließ er mich nicht zum Worte kommen und fügte schnell hinzu : » Ich weiß , Sihdi , daß es deine Liebe ist , welche dich so besorgt um mich macht . Aber ich will dir beweisen , daß deine Gedanken auf einem ganz verkehrten Wege spazieren gehen . Ich frage dich : Ist das Negris46 eine Krankheit ? « » Ja . « » Wenn dieses Negris in meiner großen Zehe sitzt , fühlst du es dann etwa in der deinigen ? « » Nein . « » Ganz recht ! Du bist geschlagen ! Du bist überführt ! Du mußt erkennen , daß du unrecht hast ! Das Negris thut nur dem wehe , der es hat , keinem andern . Nur wer die Schmerzen fühlt , weiß , daß er ihr rechtmäßiger Eigentümer und Besitzer ist ! Und ganz genau so ist es auch bei allen übrigen Krankheiten . Ich fühle mich gesund , vollständig kerngesund ! Aber ich bekomme Angst um dich , Sihdi ! « » Warum ? « » Weil du es bist , der meine Krankheit fühlt und sieht . Sie ist also nicht die meinige , sondern die deinige ! Darum befürchte ich sehr , daß wir die Gastfreundschaft dieser guten Dinarun nötig haben , um dich wieder gesund pflegen zu können ! « Wer da meinte , diese Worte seien im Fieber oder aus Unverstand gesprochen worden , der hätte sich geirrt . Ich begriff den lieben , kleinen Kerl sehr wohl . Er machte den Ernst zum Scherze , um mich zu beruhigen , doch gelang es ihm freilich nicht , mich zu täuschen . » Ihr nehmt es also an , unsere Gäste zu sein ? « fiel da der Scheik schnell ein . » Ja , « antwortete Halef . » Denn wir brauchen vielleicht einige Zeit , um dem alten , zahnlosen Weibe , welches mein Sihdi von weitem kommen sieht , begreiflich zu machen , daß es sich weder schickt noch ziemt , mit Leuten zu verkehren , wie wir beide sind . Und während dieser Frist sind wir natürlich gern bereit , euch so nützlich zu sein , wie es die Pflicht eurer Gäste ist . « Das war es , was der Scheik hören wollte . Er zauderte nicht , Halef beim Worte zu nehmen : » Auch gegen die Dschamikun ? « » Jawohl . Das ist ' s ja grad , was ich meine ! « Da war das Wort hinaus , welches auszusprechen ich gezögert hatte ! Zwar hätte ich Halef in die Rede fallen können ; aber das wäre auffällig gewesen , und , wie bereits gesagt , es blieb uns keine Wahl . Die Schnellfertigkeit des Hadschi hatte in diesem Falle keinen Fehler begangen , sondern nur etwas eher zugestanden , was ich , der Bedächtigere , später doch auch nicht hätte verweigern können . Das Versprechen mußte dem Scheik wertvoll sein , denn er verbeugte sich gegen uns beide , hob die Hände bis zur Brust empor und sprach : » So ist der Bund zwischen euch und uns geschlossen . Eure Feinde sind auch unsere Feinde und unsere Freunde sind auch eure Freunde . Wir wollen das Brot darüber essen ! « Er zog ein Stückchen dünnen Brotfladen aus der Tasche seines Haïk , brach es in drei Teile , schob den seinigen in den Mund und gab uns die beiden anderen . Da war nichts anderes zu thun ; wir mußten sie nehmen und essen , worauf wir uns in jeder Beziehung als Dinarun zu betrachten hatten . Halef war nicht nur vollständig damit einverstanden , sondern er freute sich sogar darüber . Er ging um das Feuer , zu dem Scheike hin , reichte ihm die Hand und sagte : » Ich habe vorhin nicht etwa geschlafen , sondern alles vernommen , was du erzähltest . Ihr habt uns heut beigestanden , diesen Dschamikun alles , was sie uns raubten , wieder abzunehmen . Nun werden wir euch beistehen , eure Herden wieder zu bekommen und den Tod eurer Wächter zu rächen . Zwar sind wir nur zwei Personen , aber - - - « Da unterbach ihn Nafar : » Aber ihr zählt für viele . Das wissen wir wohl ! Solchen Gewehren , wie ihr sie besitzt , kann kein Feind widerstehen , und ebensowenig kann , wenn ihr eure Pferde reitet , ein Fliehender euch entkommen . Vielleicht ist die Krankheit , von welcher ihr redet , eine Täuschung . In diesem Falle könnten wir schon morgen oder doch übermorgen aufbrechen , um den Dschamikun die wohlverdiente Strafe zu erteilen ! « » Ich bin schon morgen bereit dazu , « erklärte Halef , » und mein Sihdi ganz gewiß ebenso ! Ihr werdet es nicht bereuen , uns getroffen und hierher begleitet zu haben . Doch ehe wir morgen aufbrechen , muß über diese Diebe hier das Wort des Gerichtes ausgesprochen werden . Es hat mich gewundert , dein Herz so mild gegen sie zu sehen , besonders , nachdem du uns gesagt hast , daß sie zu demselben Stamm gehören , an welchem auch ihr euch zu rächen habt . « Halef sprach diese Bemerkung gewiß ganz absichtslos aus , doch schien es mir , als ob sie dem Scheik nicht recht gelegen komme . Er antwortete nicht . Da hielt ich es denn für nicht unklug , diesen Eindruck durch die direkt an ihn gerichtete Frage zu verstärken : » Als diese zwölf Männer euch heut begegneten , habt ihr denn nicht mit ihnen gesprochen ? « » Nein , « antwortete er . » Das