verließen . Gegen Morgen schlug ein brennender Stein , der blitzschnell zur Erde niederfiel , dem kühnen Gelehrten zwei Finger von der linken Hand ab . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Abu Hanifa , der in einem Dorfe Südarabiens weilte , kam auch mit harten Steinen in nähere Berührung . Indeß - das war freiwillig und schmerzlos . Der junge Abu Hanifa war nämlich nicht bloß Historiker , er beschäftigte sich auch mit allen andern Wissenschaften - besonders gern mochte er die verschiedenen Steinarten der Wüste untersuchen - deshalb reiste er auch in Südarabien - und kam dort mit harten Steinen in nähere , allerdings schmerzlose Berührung . - Osman ist über diese Sammelei nicht sehr froh , da in Südarabien nur wenig Menschen leben , die für den Weltbund der lauteren Brüder in Frage kommen - von Steinen versteht Osman nichts . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Der Trunkenbold Hamadany lebt in Byzanz und vertrinkt dort den Rest seines väterlichen Erbteils . Hamadany zecht in Byzanz immer allein . Das versteht der ganz vortrefflich . Er mietet sich abends eine Gondel und läßt sich hinausfahren aufs Meer - aber nicht zu weit fort - sodaß er immer noch die große Stadt mit ihren Hügeln und Tempeln sehen kann . Und wenn er dann so allein in seiner Gondel liegt , dann trinkt er und blickt in die Sterne , in den Mond , aufs Wasser , auf die herrliche Stadt und - und - arbeitet . Er arbeitet allerdings in eigentümlicher Art. Er ist ein sonderbarer Geograph . Er will aus der äußeren Form eines Landes die Schicksale dieses Landes herauslesen . Die Landschaft sagt ihm alles . Die Menschen sagen ihm nichts - denn die haßt er . Wenn die Sonne aufgeht , ist Hamadany immer berauscht , und er redet sich ein , daß er in diesem Morgenrausch das mächtige Byzanz besser kennenlerne als alle andern Geographen . Morgens flutet gewöhnlich ein weiches rötliches Licht über die alte Stadt ; ihre Tempel sind umhüllt von weichen Nebeln , die in zarten matten Farben - hellblauen , rosatönigen und gelblichen leuchten . - Dem Hamadany kommt Byzanz des Morgens wie ein verlockendes Märchenland vor , in dem Wunderlampen brennen und verwünschte Prinzen wohnen - feine Feenpaläste ringsum . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Indeß - der große Philosoph Abu Hischam wanderte zu Fuß durch ganz Persien . Als er aber nach Samarkand gekommen , blieb er in Samarkand viel länger , als ers nötig hatte . In Samarkand traf er nämlich gute alte Jugendfreunde , und die tranken sehr gern . Da nun Abu Hischam eine lustige Gesellschaft über alles liebte - so blieb er in dieser lustigen Gesellschaft . Die Stadt gehörte ja seit mehr als sechzig Jahren den Arabern , und es fehlte da an nichts . Namentlich an einer Sache war kein Mangel - an Wein fehlte es nicht . Und die Frauen von Samarkand fühlten sich sehr verlassen , da alle Männer beim Weine Weib und Kind in rücksichtsloser Weise vergaßen . So durfte man sich nicht wundern , daß Abu Hischam allabendlich seine Zecherei durch einen Gesang einleitete , der in Samarkand seit Jahr und Tag bis zur Erschöpfung gesungen wurde - in den jeder Mann mit Begeisterung einstimmte , sobald er Wein vor sich hatte . Es war » der freie Rundgesang « von Samarkand , den Abu Hischam so sehr liebte - so sehr , daß er niemals trinken konnte , wenn er diesen freien Rundgesang nicht beim ersten Becher gesungen - die Strophen gingen nämlich also : » Wohl dem , der frei von Weib und Kindern Sein Leben froh vertrinken kann - Der muß der Menschheit Leiden lindern - Der ist ein guter freier Mann - Der lebt im Sturm und Sonnenschein Gemütlich in den Tag hinein - Der hat verjubelt alle Pein Und darf auf Erden selig sein . « Der dicke Osman hörte davon glücklicherweise nichts - sonst wäre er sehr böse gewesen . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Im Mondtempel zu Hauran wird jedoch ein Brief des Thabit ibn Quorrah abgegeben . Der Brief , der in Bagdad in der Chalifenburg geschrieben ist , hat folgenden Wortlaut : Meine heißgeliebten Freunde ! Ihr denkt schlecht von mir und glaubt , ich möchte Euch schaden . Das will ich aber nicht . Ich will Euch nur warnen . Die Priester im Mondtempel zu Hauran haben nicht mehr dieselbe Macht wie einst , als unsre Vorfahren noch in Babylon lebten . Babylon zerfiel , und unsre Zeiten sind andre . Vor ein paar hundert Jahren durften sich Haurans Priester noch anders schützen als jetzt . Wie der römische Chalif Caracalla nach Hauran wollte , haben ihn Haurans Priester in der Wüste ermordet . Heute dürfen Haurans Priester nicht mehr morden - vergeßt das nicht ! In Bagdad ist man mißtrauisch . Hütet Euch drum vor neuen Freunden ! Hütet Euch vor den lauteren Brüdern ! Der Dichter Safur weilt in Ägypten . Er gehört auch zu den lauteren Brüdern . Warnt die Ägypter ! Warnt die Ägypter ! Safur ist neugierig und schwatzt gern . Mit den glühenden Küssen der Freundschaft Thabit ibn Quorrah . Die sieben Priester der Ssabier sind bestürzt - Tschirsabâl besonders . Man spricht aber nicht weiter über den Brief , sondern sendet Boten nach Ägypten , die den Safur suchen und beobachten sollen . Und dann gehen die Priester wieder an ihre Arbeit - sie bereiten ein großes Fest vor , bei dem