der sich des bürgerlichen Anstands wegen sein Teil davon hat in die Feder diktieren lassen . Und vom Lehrstuhl des Professors der Weltweisheit bis zum Schneidertisch des Hauses der des Beaux ist auch wieder einmal nur ein Schritt . Hab ich mir meinen Freund Leon auf den Buckel geladen , so soll ich ihn natürlich auch darauf behalten . Vater des Beaux schreibt mir , der Junge werde ihm , ohne meine Beaufsichtigung , von Tag zu Tage unter den Händen mehr zu einem Narren und es bleibe ihm nichts übrig , als den Knaben mir nachzuschicken ; eine Reise um die Erde unter meiner Führung erscheine ihm als das letzte Mittel , den Phantasten für den künftigen Kommissions- oder Kommerzienrat zu ernüchtern . Ich werde also nicht umhinkönnen , das , wenigstens für die ersten Stationen meiner eigenen Weltwanderung , noch einmal zu meinem Gepäck zu legen ; habe also zurückgeschrieben : das Kind möge kommen , ich würde das Zutrauen zu verdienen suchen . Jawohl , das Zutrauen unter den Leuten ! Erhalte mir das Deinige , alte Frau ! Dein Sohn und Erbe Velten Andres . « Es ist eine kalte Nacht , in der ich dies zu den Akten hefte ; aber ich habe das fröstelnde Zusammenziehen der Schulterblätter doch mehr dem klareisigen Hauch , der von der letzten Seite dieses Briefes ausgeht , zuzuschreiben als der Winterwitterung draußen vor dem Fenster . Und wenn man - damals - dieses Schreiben in der Stadt unter den Bekannten , den Leuten , herumgezeigt hätte , würden sie alle gesagt haben : » Der alte , ewig überhitzte Wirrkopf ! Es bleibt dabei , er kann auf nichts zu seinem Fortkommen rechnen als auf das Glück der Betrunkenen und die Vorsehung , die über die Unmündigen wacht . « - Ich habe weiter zu berichten , was sich in der nächsten Nähe um mich her zutrug . Der erste , der nach Velten den Vogelsang verließ und auch nie wieder , was der Freund doch tat , darin vorsprach , war Nachbar Hartleben . Er sagte , als er zum letztenmal in seinem Rollstuhl vor unserer Gartentür hielt : » Weißt du , Junge , Herr Assessor Krumhardt sollte ich sagen , weißt du , ein Vergnügen ist es nicht , so als ein Sack voll Elend , schlechtem Appetit und nächtlicher Wehklage und Schlaflosigkeit sich um sein zerstückelt Anwesen rumrollen zu lassen ; aber so ist der Mensch : solange er Luft schnappen kann , gibt er den Atem nicht gern auf . Also da bin ich noch und mache so lange Gebrauch von dem alten Freundschaftsverkehr über die Straße , als es angeht . Noch pläsierlicher hielte ich den Jammer natürlich aus , wenn mir mein Wald da oben hinterm Osterberge nicht immer im Kopfe herumginge . Das ist der leidige Satan ! Und vorzüglich jetzo so im angenehmsten Sommer , wenn das so grün da herunterwinket und einer mit seinem Holzverkehr und Handel , von seinen Sägemühlenabnehmern gar nicht zu reden , nur eine lahme Faust zurück und aufwärts machen kann . Da gucken Sie nur , Herr Obergerichtssekretarius , wie das da oben auf meinem Schluderkopf im Sonnenschein liegt und einem unter Gottes blauem Himmel den Esel bohrt und sackermentsch einen jetzt nur noch dazu verlockt , eben unserm lieben Herrgott einen bösen Leumund bei den Erbberechtigten zu machen . Es ist ein Elend - ein Elend - ein Elend , Frau Obergerichtssekretärin , und Sie haben ganz recht gehabt , daß Sie die Sache über Ihr Anwesen mit Arnemann in Richtigkeit gebracht haben . Sie ziehen nun demnächst , und ich habe auch Ihnen wie der anderen guten alten Zeit nachzusehen . Nun bleibt mir nur für meine noch übrigen paar Jahre die Frau Doktorn . Jaja , so wird der Mensche allgemach von allem Guten und Angenehmen entwöhnet ! Manchmal kommt ' s mir wirklich so vor , als sei auch das nur zu unserm Besten von da oben so eingerichtet , um uns den Abschied von hier unten nicht zu schwer zu machen . Und wenn man denn wieder von den Jüngeren und Jüngsten hört ! Da hat ja wohl unser Herr Velten - da kann ich wohl eher als hier bei unserm Assessor sagen : unser Junge - von den Japanern her geschrieben , daß er sich jetzt mit seinem vornehmen Berliner Freunde , den wir seinerzeit hier auch im Vogelsang hatten , dort aufhalte und vergnügt grüßen lasse . Passen Sie auf , Herr Nachbar , der bringt es gradesogut wie unser Karlchen Trotzendorff , unser Zeitgenosse , zu was Ordentlichem da draußen ; - wenn ' s nur nicht immer auf ein und dasselbe hinausliefe am letzten Ende ! Was dieses anbetrifft , so muß man sich erst so , wie ich mich jetzt in diesem Einspänner von hinten , rumkutschieren lassen müssen , um zu dem richtigen Taxat von allem Pläsiervergnügen im Leben zu kommen . Die Erinnerung an das Gute , was man seinerzeit genossen hat , ist immer noch das Beste , wenn auch leider Gottes Verdrießlichste . Auch mit dem kleinen Mädchen , das hier bei mir und zwischen uns im Vogelsang aufwuchs und unserm Velten scheint das nichts geworden zu sein . Schade drum ! Die Madam oder Mistress war zwar die richtige Gans : aber das Wurm , das jetzt da drüben überm großen Wasser sechsspännig fährt , gehört immer auch noch zu meinen angenehmen Erinnerungen . Karlch- Assessor , Kinder , Kinder , in welche vergnügte Wütenhaftigkeit habt ihr öfters den Nachbar Hartleben gebracht , und was gäbe er heute drum , wenn er euch nur noch einmal mit dem Peitschenstiel durch seinen Garten nachsetzen und aufs Nachbargrundstück oder in den Wald hinaufjagen könnte ! Aber ich sehe , Sie haben Ihre Akten unterm Arm , Herr Assessor , und müssen in Ihr Geschäft . Nehmen Sie es nicht für ungut , wenn ich Sie mit meinem Geschwätz aufgehalten habe .