zu gehen , der ihm neulich das Geld für die Hypothek gegeben hatte . Aber auch Herr Isidor Schönberger ließ bedauern , ihn nicht annehmen zu können . Unverrichteter Sache , schwerer denn je mit Sorgen belastet , fuhr der Büttnerbauer am Abend nach Halbenau zurück . X. Ein paar Tage darauf erschien derselbe Herr Schmeiß , welcher den alten Bauern im Kontor von Harrassowitz abgefertigt hatte , in Halbenau . Er kam mit Lohngeschirr . Neben ihm auf dem Rücksitz saß eine junge Dame . Während er sich in das Büttnersche Gehöft begab , schwänzelte die auffällig gekleidete Person im Dorfe umher zum Gaudium der Dorfjugend und der Frauenwelt von Halbenau , die so hohe Absätze , eine solche Taille und derartig weite Puffärmel noch nicht gesehen hatten . Edmund Schmeiß , ein mittelgroßer , junger Mann mit flottem Schnurrbärtchen und Lockenfrisur , rümpfte die Nase über den Misthaufen , den er im Büttnerschen Hofe vorfand . » Echte Bauernwirtschaft ! « sagte er zu sich selbst mit verächtlichster Miene . Sein tadellos gearbeiteter Anzug von hechtgrauer Farbe , sein ganzes Auftreten , waren » prima « um seinen eigenen Lieblingsausdruck zu gebrauchen . Kenner hätten vielleicht finden können , daß nicht einmal die äußere Etikette der Ware besonders fein sei . Seine Manieren waren irgendwo her , wahrscheinlich vom Offiziers-oder jüngeren Beamtenstande erborgt und nicht immer glücklich kopiert . Die Lebensstellung des jungen Schmeiß genauer zu umschreiben , war nicht leicht . Harrassowitz bezeichnete ihn , wenn er von ihm sprach , als einen » mir ergebenen jungen Mann « . Aber auch für Isidor Schönberger » arbeitete « er , ohne daß man genau feststellen konnte , worin seine » Arbeit « eigentlich bestand . Man pflegte ihn bei Häuser- und Güterankäufen als Strohmann zu verwenden , bei Zwangsversteigerungen trat er als Bieter auf . Wenn ein Kleinkaufmann oder Handwerker in » momentaner Verlegenheit « war , erschien er als Helfer in der Not . Er war jederzeit bereit , Wechsel zu diskontieren und Geldsuchenden Darlehen von Dritten zu verschaffen , vorausgesetzt , daß der Darlehnssuchende etwas » opferte « womit er seine Provision meinte , die niemals gering bemessen war . Er reiste für allerhand Häuser , deren Firma nicht eingetragen war , und trat als Generalbevollmächtigter von Konsortien auf , die nicht genannt werden durften , weil sie sich noch im » Entwicklungsstadium « befanden . Er hatte jederzeit mindestens ein halbes Dutzend » feiner Geschäfte « an der Hand ; kurz , er war alles in allem ein äußerst brauchbarer , praktischer , » smarter « , junger Mann , in vielen Sätteln gerecht , mit den Gesetzen und der Gerichtspraxis vertraut . Mit Vorliebe legte er sich den Titel » Kommissionär « bei . Edmund Schmeiß also trat um die Mittagsstunde in die Büttnersche Wohnstube . Er fand die Familie bei Tisch . Er meinte im Eintreten , man möge um seinetwillen keine Umstände machen . Er selbst machte allerdings auch keine , das mußte man sagen ! Ohne Umschweife auf sein Ziel losgehend , fragte er den alten Bauern in Gegenwart der Seinen , ob er gewillt sei , das heute fällig gewordene Akzept zu decken . Sie waren alle aufgestanden . Erstaunt und bestürzt blickten sie auf den fremden Eindringling , der sich so unbefangen geberdete . Der alte Mann brauchte einige Zeit , ehe er die Antwort fand : er habe in dieser Sache doch nur mit Herrn Harrassowitz zu tun . » Ach was , Harrassowitz ! « rief Edmund Schmeiß . » Ich bin jetzt derjenige , welcher ! An mich haben Sie zu zahlen . Bitte sich überzeugen zu wollen ! Hier das Indossement ! « Der junge Mann hielt dem Bauern das Papier hin und hieß ihn , die Rückseite beachten . Der Bauer sah , daß dort was geschrieben stand , ein Name , wie es schien . Aber was sollte ihm das ! Wie kam dieser junge Mensch , der ihm niemals einen Pfennig gegeben hatte , auf einmal dazu , sein Gläubiger zu sein ? Er schüttelte den Kopf und erklärte , nur an Harrassowitz zu schulden . Edmund Schmeiß wurde ungeduldig . » Herr Gott ! kapieren Sie denn nicht ! « rief er . » Sie haben akzeptiert . Hier ist Ihre Unterschrift , nicht wahr ? « Der Bauer bejahte , nicht ohne sich seine Unterschrift noch einmal sorgfältig betrachtet zu haben . » Bekennen Sie , Valuta richtig empfangen zu haben ? - Ich meine , ob Sie zugeben , das Geld , vierhundert Mark , seinerzeit von Harrassowitz per Kassa bekommen zu haben ? « » Ju , ju ! ' s Geld ha ' ch richt ' g erhalen vun Herrn Harrassowitz , dohie an diesem salbgen Tische . - Du weeßt ' s duch noch , Frau ? « Die Bäuerin nickte . » Ju , ju , lieber Herr ! « » Nun , sehen Sie also ! Harrassowitz hat Ihr Akzept diskontiert . - Man nennt das ein Dreimonatsakzept . - Dann hat Harrassowitz remittiert an mich . Folglich bin ich jetzt der Inhaber des Wechsels . Die Sache ist so klar wie etwas ! Sie müßten denn behaupten wollen , daß ich auf ungesetzliche Weise in Besitz des Akzepts gekommen wäre . Wollen Sie das behaupten ? « Der Bauer stand da mit äußerst verdutzter Miene . Er verstand kein Wort von der ganzen Sache . Da aber der andere so sicher auftrat und so beleidigt dreinblickte , ließ er schließlich ein zauderndes » Nein « hören . » Darum möchte ich allerdings gebeten haben ! « sagte Edmund Schmeiß , machte große Augen und runzelte die Stirn . » Hiermit präsentiere ich Ihnen also den Wechsel . Heute ist Verfalltag . Ich frage Sie , ob Sie annehmen ? « Der Bauer blickte noch unverständiger drein als zuvor . Auf den Gesichtern der Seinen malten sich sehr verschiedenartige Gefühle ; aber Schreck