dem Bergwald zu . Stunde um Stunde rannte er umher , von dem unklaren Wirrsal seiner Gedanken und seines Zornes erfüllt , und tat mechanisch seinen Dienst . Alle Hauptwechsel des Rotwildes besuchte er , alle Salzlecken und Suhlen , zählte die Fährten der jagdbaren Hirsche und kritzelte die Zahlen in sein Taschenbuch . Als die Sonne über Mittag stand , begann er durch den Bergwald wieder emporzusteigen gegen die kahlen Wände , um mit der Schattenzeit die Gemsreviere zu erreichen . Ehe der Wald ein Ende nahm , wollte er eine Weile rasten . Neben dem Steig , der zu den Mitterkaseralmen führte , ließ er sich auf einen vom Sturm geworfenen Baumstamm nieder . Als sein müder Körper ruhte , suchte er auch das Gewirbel in seinem Kopf zur Ruhe zu bringen und begann die Ereignisse des verwichenen Abends und der Morgenstunden zu überdenken . Das Ergebnis dieser Gedanken mehrte nur seine Unruhe . Er war gewiß so unschuldig wie der lichte Tag . Aber er fühlte : eine Reihe von Zufällen sprach wider ihn , und er wußte , wie mißtrauisch Graf Egge in allen Dingen war , welche die Jagd betrafen . Daß der ungerechte Verdacht seine Stellung bedrohte , daran dachte er nicht . Er fühlte nur den brennenden Makel , der auf seine Jägerehre gefallen war . Und die selten schöne Krucke wog ja auch schweres Geld - das war wie versuchter Diebstahl ! Er griff sich mit beiden Händen an die glühende Stirn . » Herrgott im Himmel ! Was tu ich denn ? « Wieder begann er zu grübeln . Er sagte sich : Hat Graf Egge diesen Verdacht einmal empfunden , so wird er ihn auch nicht eher wieder aufgeben , ehe nicht der Täter gefunden ist . Franzl preßte das Gesicht in die Hände . Tag um Tag nun sollte er umherlaufen mit diesem drückenden Gewicht auf seiner Brust , keinen Blick mehr sollte er zu dem Gesicht seines Herrn erheben dürfen , ohne fühlen zu müssen , daß der andere im stillen denkt : Du bist ein Dieb ! Er mußte den Menschen ausfindig machen , der es getan ! Aber wie ? Es war ihm schon völlig unerklärlich , wann der Diebstahl begangen wurde , und weshalb das Gehörn in den Latschen hing . Die Erklärung , die Schipper so flink bei der Hand gehabt hatte , war leeres Geschwätz . - Schipper ? - Schipper ? - Franzl brachte seine Gedanken nicht mehr los von diesem Namen . Aber was ihm wider Willen durch die Sinne fuhr , erfüllte ihn mit Ingrimm gegen sich selbst . » Ich muß a schlechter Kerl sein , weil ich dem Kameraden zutrauen kann , was ich von mir selber abwehren will . « Schon wollte er sich erheben , als von rückwärts zwei warme Hände seine Augen umschlossen . Franzl meinte , das könnte nur die Sennerin vom Mitterkaser sein , doch er war nicht aufgelegt zum Raten . Unwillig befreite er seinen Kopf . Als er die Augen hob , versagte ihm vor freudigem Schreck beinah die Stimme . » Mali ! « Lachend ließ das Mädel sich neben dem Jäger nieder . » Gelt ! Da schaust ? « Er wußte sich kaum zu fassen . » Wie kommst denn du auf amal daher ? « » Vom Mitterkaser komm ich . « Sie zog das weiße Tuch vom Kopf , das sie zum Schutz gegen die Sonne umgebunden hatte . » Heut in der Fruh - mein Bruder is schon fort gwesen in der Holzarbeit , gar net weit da drunten hat er sein Schlag - heut in der Fruh kommt unser alte Nachbarin ummi zu mir und jammert , sie hätt ghört , daß ihr Madl im Mitterkaser droben verkrankt wär . « » D ' Sennerin ? « » Ja . Und d ' Nachbarin is ganz ausanand gwesen vor lauter Sorg . Hab ich halt gsagt : Tu mir aufpassen auf meine Kinder , so spring ich nauf und bring dir Botschaft . « Mali lachte . » ' s Madl is schon wieder kreuzfidel . A paar Tag hat ' s Magenweh ghabt . Ich glaub , sie hat am letzten Fasttag z ' viel Schmelznudeln verschluckt . « » Unser Herrgott soll ihr die nächste Schüssel gut anschlagen lassen ! Dös hat d ' Sennerin verdient um mich . Lieber hättst mir in keiner Stund in Weg laufen können als heut . Da muß sich der Herrgott rein denkt haben : Heut braucht er an Trost ! « Schon der Klang seiner Stimme hatte sie befremdet , und als sie sah , wie blaß er war , erschrak sie . » Ums Himmels willen , was is denn ? « Er atmete schwer . » So Sachen halt , weißt - ich kann net reden davon . « » Ah , da schau ! « Energisch faßte Mali seinen Arm . » Ein ' z ' erst erschrecken bis in d ' Seel und nachher den Heimlichen spielen ! Ich bin dei ' alte Kamerädin . Jetzt redst auf der Stell ! « Franzl schüttelte den Kopf . » Paß auf , Franzl ! « Mali schob ihren Arm unter den seinen . » Bsinnst dich noch auf den selbigen Tag , wo wir als Kinder miteinand gut Freund worden sind ? Weißt es nimmer , wie ich hinter der Hecken gsessen bin und gweint hab ? Und wie mir d ' Handln niederzogen hast , und ich hab ' s kaum rausbracht , daß mir der Nachbarbub mein Dockerl1 genommen und die Zöpf halb ausgrissen hat . Kein Wörtl hast gsagt und bist davon . Und bist neben meiner wieder aussigschloffen aus der Hecken , ' s Gwand zerrissen und käsweiß im Gsicht . Und mein Dockerl hast in der Hand ghalten und hast mich anglacht : Du ! Den hab ich fest verdroschen ! Freilich , ' s Dockerl hat