das ist lange her , daß ich so was gehabt habe . Nun , mein Alterchen , wie heißt du denn ? Du bist ja ein Prachtkerl . « » Rollo « , sagte Effi . » Rollo ; das ist sonderbar . Aber der Name tut nichts . Ich habe auch einen sonderbaren Namen , das heißt Vornamen . Und einen andern hat unsereins ja nicht . « » Wie heißen Sie denn ? « » Ich heiße Roswitha . « » Ja , das ist selten , das ist ja ... « » Ja , ganz recht , gnädige Frau , das ist ein katholscher Name . Und das kommt auch noch dazu , daß ich eine Katholsche bin . Aus ' m Eichsfeld . Und das Katholsche , das macht es einem immer noch schwerer und saurer . Viele wollen keine Katholsche , weil sie soviel in die Kirche rennen . Immer in die Beichte ; und die Hauptsache sagen sie doch nich - Gott , wie oft hab ich das hören müssen , erst als ich in Giebichenstein im Dienst war und dann in Berlin . Ich bin aber eine schlechte Katholikin und bin ganz davon abgekommen , und vielleicht geht es mir deshalb so schlecht ; ja , man darf nich von seinem Glauben lassen und muß alles ordentlich mitmachen . « » Roswitha « , wiederholte Effi den Namen und setzte sich zu ihr auf die Bank . » Was haben Sie nun vor ? « » Ach , gnäd ' ge Frau , was soll ich vorhaben . Ich habe gar nichts vor . Wahr und wahrhaftig , ich möchte hier sitzen bleiben und warten , bis ich tot umfalle . Das wär mir das liebste . Und dann würden die Leute noch denken , ich hätte die Alte so geliebt wie ein treuer Hund und hätte von ihrem Grabe nicht weg gewollt und wäre da gestorben . Aber das ist falsch , für solche Alte stirbt man nicht ; ich will bloß sterben , weil ich nicht leben kann . « » Ich will Sie was fragen , Roswitha . Sind Sie , was man so kinderlieb nennt ? Waren Sie schon mal bei kleinen Kindern ? « » Gewiß , war ich . Das ist ja mein Bestes und Schönstes . Solche alte Berlinsche - Gott verzeih mir die Sünde , denn sie ist nun tot und steht vor Gottes Thron und kann mich da verklagen - , solche Alte , wie die da , ja , das ist schrecklich , was man da alles tun muß , und steht einem hier vor Brust und Magen , aber solch kleines , liebes Ding , solch Dingelchen wie ' ne Puppe , das einen mit seinen Guckäugelchen ansieht , ja , das ist was , da geht einem das Herz auf . Als ich in Halle war , da war ich Amme bei der Frau Salzdirektorin , und in Giebichenstein , wo ich nachher hinkam , da hab ich Zwillinge mit der Flasche großgezogen ; ja , gnäd ' ge Frau , das versteh ich , da drin bin ich wie zu Hause . « » Nun , wissen Sie was , Roswitha , Sie sind eine gute , treue Person , das seh ich Ihnen an , ein bißchen gradezu , aber das schadet nichts , das sind mitunter die Besten , und ich habe gleich ein Zutrauen zu Ihnen gefaßt . Wollen Sie mit zu mir kommen ? Mir ist , als hätte Gott Sie mir geschickt . Ich erwarte nun bald ein Kleines , Gott gebe mir seine Hülfe dazu , und wenn das Kind da ist , dann muß es gepflegt und abgewartet werden und vielleicht auch gepäppelt . Man kann das ja nicht wissen , wiewohl ich es anders wünsche . Was meinen Sie , wollen Sie mit zu mir kommen ? Ich kann mir nicht denken , daß ich mich in Ihnen irre . « Roswitha war aufgesprungen und hatte die Hand der jungen Frau ergriffen und küßte sie mit Ungestüm . » Ach , es ist doch ein Gott im Himmel , und wenn die Not am größten ist , ist die Hülfe am nächsten . Sie sollen sehn , gnäd ' ge Frau , es geht ; ich bin eine ordentliche Person und habe gute Zeugnisse . Das können Sie sehn , wenn ich Ihnen mein Buch bringe . Gleich den ersten Tag , als ich die gnäd ' ge Frau sah , da dacht ich : Ja , wenn du mal solchen Dienst hättest . Und nun soll ich ihn haben . O du lieber Gott , o du heil ' ge Jungfrau Maria , wer mir das gesagt hätte , wie wir die Alte hier unter der Erde hatten und die Verwandten machten , daß sie wieder fortkamen , und mich hier sitzenließen . « » Ja , unverhofft kommt oft , Roswitha , und mitunter auch im guten . Und nun wollen wir gehen . Rollo wird schon ungeduldig und läuft immer auf das Tor zu . « Roswitha war gleich bereit , trat aber noch einmal an das Grab , brummelte was vor sich hin und machte ein Kreuz . Und dann gingen sie den schattigen Gang hinunter und wieder auf das Kirchhofstor zu . Drüben lag die eingegitterte Stelle , deren weißer Stein in der Nachmittagssonne blinkte und blitzte . Effi konnte jetzt ruhiger hinsehen . Eine Weile noch führte der Weg zwischen Dünen hin , bis sie , dicht vor Utpatels Mühle , den Außenrand des Wäldchens erreichte . Da bog sie links ein , und unter Benutzung einer schräglaufenden Allee , die die » Reeperbahn « hieß , ging sie mit Roswitha auf die landrätliche Wohnung zu . Vierzehntes Kapitel Keine Viertelstunde , so war die Wohnung erreicht . Als beide hier in den kühlen Flur traten , war Roswitha beim Anblick all des Sonderbaren , das