Mutter noch lebte , immer der große Kaffeetopf , nur bei besonderen Festlichkeiten legte sie ein Tischtuch auf , sonst mußte ein Stück Wachsleinwand den Dienst versehen , und trotz dieses Schützers bekam der Tisch doch einen gelbbraunen Reifen , weil der Topf früher immer genau an derselben Stelle stand . - Seltsam , wie der Leopold jetzt auf den eingebrannten Ring starrte , sah er die knöcherne , runzlige Hand der alten Frau , die vor ihm da putzte und putzte - müde Finger mit kurzen , abgestoßenen Nägeln kratzten da , als müßte der Fleck hinwegzuscharren sein . Die armen , alten , fleißigen Hände , dachte er und griff danach ; aber jetzt erhob sich der Zeigefinger und drohte , wie er oft dem wilden Buben gedroht hatte , und der Mann hörte die klagenden Worte , die seine Mutter oft so warnend , so vorherrschend gesagt hatte : » Bub , Bub , dein Kopf führt dich auf keinen guten Weg ! « Anderes konnte sie seinem Eigenwillen nicht entgegensetzen . Hat sein Kopf ihn auf einen guten Weg geführt ? ... Ei , da stand er ja schon am Ende ... Der Finger warnte und drohte nun vergebens . Alt ' s Weib , du hast recht gehabt ; nicht alleweil hat dein dürrer Finger den guten Weg weisen können ... und warum hat denn dein Kind wirklich den eigenwilligen Kopf von seinem Vater und das weiche , liebereiche Herz von dir ? » Studier nicht alleweil so viel nach , Leopold . Die Lene ... « » Aber Mädel , bleibst denn dein Lebtag bei all deiner Gutheit voll Unverstand ? « unterbrach sie der Mann mit einem flehenden Blick . » Kurz und gut - mach dich gefaßt - ich - ich war bei der Lene ! « stieß die Hanne hervor und ließ ihn dabei nicht aus den Augen . » Du ! « schrie er auffahrend , » und hast ihr gesagt ? « ... Als er jedoch in das zaghafte Gesicht des Mädchens schaute , sagte er mitleidsvoll : » Ja , ja ! ... Hast dir eine schöne Freud dort geholt , gelt ? « » Vielleicht doch , Leopold , vielleicht ! - Ich hab sie gebeten , deine Frau , daß sie zu dir heimkommen soll ! « erzählte die Hanne fieberhaft , » und sie - sie hat ... « » Dich hinausgeworfen , die noble Frau , und nichts hören wollen von ihren Leuten ... dummes Ding , hast glaubt , was ich nicht zuwege bringe , kannst du ? ... Den Einfall ! « Er betrachtete sie kopfschüttelnd , bedauernd , dann setzte er lebhaft hinzu : » Was wird nun aus dir , wenn du allein bleibst ? ... Am Kraut fressen dich die da herunten , die G ' scheiten , die das Gras wachsen hören und alle so ganz gewiß wissen , daß du ein leichtfertiges Mädel bist ... Was wird bei deiner Verdrehtheit aus dir und dem Buben , wenn ... wenn ... « , brütete er und schaute sie noch immer teilnahmsvoll an . » Was aus mir wird , wenn du fortgehst , Leopold ? « sagte sie unterwürfig . » Ich werd dein Zeug da alles verkaufen und dir das Geld nachschicken . - Dann werd ich meine Frau Mutter bitten , daß sie mich wieder heimnimmt - tut sie es nicht , so , so schau ich mich um eine zweite Ledige um und mach , daß wir so alle zwei die Stuben b ' halten können - für zwei kommt ' s billiger ... Fleißig sein muß ich halt , und nach und nach , wenn die Nachbarn erfahrn , daß du wieder ein glücklicher Mensch bist , werden sie auch mich in Ruh lassen . - So mein ich , werd ich halt langsam alt werden und recht froh sein , daß du und der Bub am rechten Ort seid ' s und daß du zufrieden bist . « » Was heißt denn das alles ? « frug der Leopold erstaunt , soviel hatte er das Mädchen noch nie reden gehört . » Das ist ja schon helle Narrheit ! Was redst du immer nur von mir ? « » Erschreck nicht , Freud kann auch schaden , hat deine Frau Mutter allerweil g ' sagt . « » Na , ihr hat sie nicht geschadet ... sie hat nie zuviel gehabt ... und mir ! ... Mach ' s kurz , was steckt dahinter ? « drängte er unruhig . Jetzt aber wurde sie plötzlich leichenfahl , das verstörte , fremdartige Lächeln war wieder da , und ohne daß sie es wußte , ging sie ein paar Schritte rücklings von ihm hinweg , ließ den Kopf sinken , daß ihr Kinn bis auf die Brust fiel , und fingerte mit der rechten Hand in der Tasche . » Da hast - siehst - sie ist besser - viel besser , als du g ' meint hast ! « - Jetzt hielt sie ihm aus der Ferne einen Brief hin , und als er danach langte und ihn packte , da zitterte sie , daß ihre Zähne zusammenschlugen , sie schlang die Finger ineinander und rührte sich nicht von dem Flecke , an dem sie stand . Der Leopold zerfetzte den Umschlag mit seinen Zähnen , und als er das Blatt herausgeschält hatte , breitete er es unter die Lampe , legte sich zur Hälfte über den Tisch und las mit verschwimmenden Augen . » Oh ! ... oh ! ... oh ! ... « Er legte seine Wange auf den Brief , denn sein Arm konnte das raschelnde Blatt nicht mehr halten , und an den Knien bogen sich seine Beine verdächtig . So lehnte er schweratmend minutenlang , und nur zuweilen drang der wonnewimmernde Laut , dieses Aufstöhnen , als ob allgemach Last um Last von ihm genommen würde , aus seiner