war immer ihr sehnlichster Wunsch , ihn verheiratet zu sehen . Aber er stellte so hohe Anforderungen an die Ehe - « » Es scheint nicht , Tantchen , da er mit mir vorlieb genommen ... « » A trap for a compliment nennen das die Engländer . - Ich wollte , mein Gottfried könnte auch einst solchen Treffer machen . Ich bin jetzt schon ungeduldig , Großmutterfreuden zu erleben . Doch da werde ich wohl noch lange warten können : mein Sohn ist erst einundzwanzig Jahre alt . « » Er mag viele Mädchenköpfe verdrehen , « sagte ich , » viele Herzen brechen - « » Das sicht ihm nicht gleich : einen braveren rechtschaffeneren Jungen giebt ' s nicht . Er wird einmal eine Frau sehr glücklich machen - « » So wie Friedrich die seine - « » Noch kannst Du das nicht wissen , liebes Herz ; darüber müssen wir nach zehn Jahren wieder reden . In den ersten Wochen sind fast alle Ehen glücklich . Damit will ich jedoch keinen Zweifel an meinem Neffen , noch an Dir ausgedrückt haben - ich glaube selber , daß Euer Glück ein dauerhaftes sein wird . « Von Berlin aus begaben wir uns nach den deutschen Bädern . Meine kurze Italienreise mit Arno - von der ich übrigens nur eine ganz traumhafte Erinnerung hatte - abgerechnet , war ich von Hause nie weggekommen . Dieses Kennenlernen neuer Orte , neuer Menschen und neuen Lebens versetzte mich in gehobenste Stimmung . Die Welt schien mir plötzlich so schön und noch einmal so interessant geworden . Wäre mein kleiner Rudolf nicht gewesen , den ich zurückgelassen hatte , ich würde Friedrich vorgeschlagen haben : » Laß uns jahrelang so herumreisen , wie jetzt . Besuchen wir ganz Europa und hernach die übrigen Weltteile ; genießen wir diese Wanderexistenz , dieses ungebundene Umherstreifen ; sammeln wir die Reichtümer neuer Eindrücke und Erfahrungen . Überall , wo wir hinkommen - und seien uns Land und Leute noch so fremd - bringen wir ja durch unser Beisammensein ein genügendes Stück Heimstätte mit . « Was hätte mir Friedrich auf solchen Vorschlag geantwortet ? Wahrscheinlich , daß man es sich nicht zum Beruf machen kann , bis an sein Lebensende » hochzeitzureisen , « daß sein Urlaub nur zwei Monate dauert und dergleichen vernünftige Sachen mehr . Wir besuchten Baden-Baden , Homburg und Wiesbaden . Überall dasselbe fröhliche , elegante Treiben - überall so viele interessante Menschen aus aller Herren Ländern . Im Umgang mit diesen Fremden wurde ich erst gewahr , daß Friedrich die französische und englische Sprache vollkommen beherrschte ; dies ließ ihn in meiner Bewunderung noch um einen Grad steigen . Immer wieder entdeckte ich neue Eigenschaften an ihm : Sanftmut , Heiterkeit , lebhafteste Empfänglichkeit für alles Schöne . Eine Rheinfahrt setzte ihn in Entzücken und im Theater oder Konzertsaal , wenn die Künstler Hervorragendes leisteten , leuchtete ihm der Genuß aus den Augen . Dadurch erschien mir der Rhein mit seinen Burgen doppelt romantisch , darum bewunderte ich die Vorträge berühmter Virtuosen doppelt . Diese zwei Monate vergingen leider viel zu schnell . Friedrich kam um Verlängerung seines Urlaubs ein , wurde aber abschlägig beschieden . Das war mir seit unserer Verheiratung der erste Moment des Ärgers , als dieses offizielle Papier anlangte , welches im trockenen Stile unsere Heimkehr befahl . » Und das nennen die Menschen Freiheit ! « rief ich , das beleidigende Dokument auf den Tisch schleudernd . Tilling lächelte . » O , ich bilde mir nicht im mindesten ein , frei zu sein , meine Herrin , « erwiderte er . » Wenn ich Deine Herrin wäre , könnte ich Dir befehlen , dem Militärdienst Valet zu sagen und nur noch meinem Dienste zu leben . « » Über diese Frage waren wir ja einig geworden - « » Freilich : ich habe mich fügen müssen , doch das beweist , daß Du nicht mein Sklave bist - und das ist mir im Grunde recht , mein lieber , stolzer Mann ! « Von unserer Reise zurückgekehrt , rückten wir nach einer kleinen mährischen Stadt - der Festung Olmütz - ein , wo Friedrichs Regiment in Garnison lag . Von geselligem Verkehr war in dem Neste keine Rede , und so lebten wir beide in völliger Zurückgezogenheit . Außer den Stunden , die wir dem Dienst widmeten - er als Oberstlieutenant bei seinen Dragonern , ich als Mutter bei meinem Rudolf - widmeten wir uns gegenseitig nur einander . Mit den Damen des Regiments waren die nötigen Ceremonienbesuche und Gegenbesuche ausgetauscht worden , aber auf näheren Umgang ließ ich mich nicht ein ; es gelüstete mich nicht im geringsten darnach , bei Nachmittag-Kaffeegesellschaften Dienstbotengeschichten und Stadtklatsch zu hören , und ebenso fern hielt sich Friedrich den Spielpartien des Obersten und den Trinkgelagen der Offiziere . Da hatten wir Besseres zu thun . Die Welt , in der wir uns bewegten - wenn wir des Abends zusammen beim brodelnden Theekessel saßen - die war von der Welt der Olmützer Geselligkeitskreise sternenweit entfernt . » Sternenweit « mitunter im buchstäblichen Sinne - denn einige unserer liebsten geistigen Ausflüge waren nach dem Firmament gerichtet . Wir lasen nämlich miteinander wissenschaftliche Werke und unterrichteten uns über die Wunder des Weltalls . Da durchstreiften wir die Tiefen des Erdballs und die Höhen der Himmelsräume ; da drangen wir in die Geheimnisse der mikroskopisch unendlichen Kleinheiten und der teleskopisch unendlichen Fernen , und je größer die Welt vor unseren Blicken sich entfaltete , in desto winzigere Dimensionen schrumpfte der Olmützer Interessenkreis ein . Unsere Lektüren beschränkten sich nicht auf Naturkunde allein , sondern umfaßten noch viele andere Zweige der Forschung und des Gedankens . So nahm ich unter anderem zum drittenmal meinen geliebten Buckle vor , um Friedrich mit diesem Autor bekannt zu machen , den er dann ebensosehr bewunderte , wie ich ; dabei vernachlässigten wir auch die Dichter und Romanschriftsteller nicht , und so gestalteten sich