, lehnte er sich an einen Stamm und rauchte geduldig eine Cigarrette . Wenn die , welche sich dort küßten , ins Haus gehörten , mußten sie den Lichtkreis durchschreiten oder doch an seiner Grenze hinhuschen . Und richtig - da floh ein weibliches Wesen in weißem Kleid vorbei und um das Haus herum , wahrscheinlich , um vorn einzutreten . Severina allein trug heute weiß ; und da kam auch Joachim , ganz gemächlich , eine Cigarrette im Munde , schritt er mitten durch den hellsten Lichtschein gerade auf die Terrasse zu . Lanzenau atmete tief auf , ein Alp fiel von seiner Brust . Daß die jungen Leutchen ihre Liebe noch geheim hielten , war ja bei Joachims Vermögenslage ganz natürlich , und daß Fanny von dieser Liebe ganz allmälich Kenntnis bekam , so vorsichtig , daß ihre Gedanken sich daran gewöhnten , ehe ihre Seele voll für Joachim aufflammte , das sollte seine , Lanzenaus , Sorge sein , auch nahm er sich vor , all seine Verbindungen bis zur äußersten auszunützen , um für Joachim eine Administratorenstellung zu suchen , die diesen in den Stand setzte , Severina zu heiraten . Vielleicht fand Fannys sichtliche Schwäche für Joachim voll Befriedigung und Freude , wenn sie mütterlich für ihn und seine Braut sorgen durfte . Bei Fanny war kein Ding unmöglich , wenn ihre Gefühle für Joachim vielleicht nur jenes Gemisch von Mütterlichkeit und weiblicher Zärtlichkeit waren , dessen Grundton wunschlose Resignation ist , dann wollte Lanzenau ihr beistehen , dies Gefühl ganz zu sättigen , und ihr helfen , ihn sehr glücklich zu machen . Mit freudigem Herzen kehrte er in die Gesellschaft zurück . Alsbald , da er dort seine Meinung über eine neue Photographie der Gräfin Taiß abgeben sollte , vermißte er sein Monocle . Jedermann half suchen , bis Lanzenau sagte , es sei unnütz , er habe es im Freien verloren . Am andern Morgen entdeckte Severina es am Rosenbusch , ein unnennbarer Schreck überwältigte sie einen Augenblick , gegen Mittag fand sie Gelegenheit , Joachim davon zu sagen , auch diesem war der Gedanke nicht sehr rosig , daß Lanzenau sie belauscht haben könne . » Wenn er es Fanny sagt , « meinte Severina zitternd . » O , Fanny - das macht nichts , die hält viel von mir , das merke ich wohl , sie geht reizend mit mir um - wenn sie mich so Achim nennt , denke ich immer , meine Mutter könnte es nicht gütiger gesagt haben , « sprach Joachim mit nachdenklichem Gesicht ; » aber es ist mir um Dich - wegen des Gezeters , das die Pastorin dann ohne Zweifel anfängt , und es ist wegen Arnold , dem Adrienne es schriebe , er hat schon so viel Opfer und Sorgen für mich gehabt im Leben und ich bin ihm deshalb Gehorsam schuldig , er aber hat mir oft aus Herz gelegt , mich nie zu binden , ehe ich nicht eine Frau ernähren kann , damit stürzte ich nur zwei Familien in Sorgen und trübte meine und eines Mädchens Jugendfreude . « » Du bist nicht gebunden , « rief sie heftig , » ich will Dir und niemand eine Last sein , habe mich nur eine Weile lieb , nachher sei frei - geh und laß mich sterben ! « » Aber , Närrchen , « flüsterte er , neu von ihrer Leidenschaftlichkeit entzückt , » wer spricht von solchen Dingen ! Uebrigens ist es ja noch gar nicht ausgemacht , daß Lanzenau gerade am Rosenbusch stand , wie wir unter der Tanne saßen . Gib mir das Augenglas , wenn ich es ihm überreiche , soll die Situation zwischen ihm und mir wenigstens klar werden . « » Herr Baron , « sagte Joachim , als man bei einander stand , des Dieners Meldung , daß servirt sei , erwartend , » Sie haben Ihr Glas gestern abend am Rosenbusch verloren , hier ist es . « Dabei sah er ihn herausfordernd an . Lanzenau zwinkerte mit den Augen sehr lustig und sehr wohlwollend . » Hat Severina suchen helfen ? « fragte er , und klopfte Joachim auf die Schulter . » Wenn sie es gethan hätte , « sagte Joachim halblaut , mit einem herzlichen Bittton in der Stimme , » dann würden Sie gewiß nicht die Indiskretion haben , es irgend jemand zu erzählen . « » Gewiß nicht , gewiß nicht , mein Lieber , ausgenommen , es wäre zu eurem Glück . Junge Leute in eurer Lebenslage können oft einen deus ex machina brauchen . « » Wenn Sie den Beruf in sich fühlen , diesen für uns zu spielen , « erwiderte Joachim heiter , » werde ich der letzte sein , es Ihnen zu verbieten ; aber selbst in diesem Falle muß ich ernstlich bitten , immer nur mir die Mitteilung einer Thatsache zu überlassen , die mein Bruder durchaus von mir und durchaus an einem geeigneten Zeitpunkt erfahren muß , soll sie ihn nicht verstimmen . « Was blieb Lanzenau übrig , als sein Wort zu geben ; aber diese Fessel ließ ihm immer noch die Freiheit , dem jungen Paar der fördernde Schutzgeist zu sein und auch Fanny unauffällig und indirekt zur Erkenntnis zu leiten . Achtes Kapitel Die Zeit der Unruhe im Schloß war auch für die Pastorenfamilie eine Unterbrechung der gewohnten stillen Thätigkeit . Die Tagesordnung ward verschoben und begann noch früher als sonst , denn jeder mußte die Nachmittagsstunden , die an der Geselligkeit verloren gingen , einholen . Der Pastor arbeitete in der Morgenfrühe an seinen Predigten , die er das ganze Jahr nicht mit so viel Eifer und Fürsorge verfaßte als jetzt , wo des Sonntags einige arge Weltkinder unter seinen Zuhörern saßen , in deren Herzen das Licht religiöser Humanität zu entzünden sein heiliges Bemühen war . In der That hatte er wenigstens den Erfolg , daß Herr und Frau von Dören , die