Heugabel gespießt , reichte man ihm die metallene Spitze . Zischend glitt der Wasserstrahl über die erhitzten Ziegel . Er ritt auf dem Dachfirst , seine Kleider erhitzten sich , in sein Haar setzten sich glimmende Körner , die von der Scheune herübersprühten , auf Antlitz und Händen fanden sich kleine kohlende Wunden . Er fühlte nichts , was seinem Leibe geschah , doch sah und hörte er alles rings um sich her - seine Sinne schienen vervielfältigt . - - Er sah die Garben in feuriger Lohe hoch auf zum Himmel spritzen und in prächtiger Wölbung herniedersinken - er sah die Pferde und Kühe auf die Weide hinausjagen , wo sie zwischen den Zäunen sicher geborgen waren - er sah den Hund , halb versengt von der Glut , heulend an der Kette zerren . - » Macht den Hund los ! « schrie er hinunter . - Er sah kleine zierliche Flämmchen in bläulichem Flimmerschein von dem Giebel der Scheune zum benachbarten Schuppen hinübertänzeln . - - » Der Schuppen brennt , « schrie er hinunter . » Rettet , was darin ist . « - Ein paar Leute eilten fort , die Wagen ins Freie zu ziehen . - Und inzwischen sauste und zischte der Wasserstrahl übers Dach und bohrte sich in die Sparren und tastete unter den Ziegeln . - Kleine weiße Wölkchen stiegen vor ihm auf und verschwanden , um an anderer Stelle wieder zu erscheinen . Da plötzlich fiel ihm die » schwarze Suse « ein , die im hintersten Winkel des Schuppens zwischen altem Gerümpel vergraben stand . - Ein Stich fuhr ihm durch die Brust . - Soll nun auch sie zugrunde gehen , auf die sein Herz von jeher hoffte ? - » Rettet die Lokomobile ! « schrie er hinunter . Aber niemand verstand ihn . Die Begier , der » schwarzen Suse « Hilfe zu bringen , packte ihn so mächtig , daß ihm einen Augenblick zumute war , als müßte er selbst das Wohnhaus darangeben . » Ablösung ' rauf ! « schrie er in die Menschenmasse hinunter , die zum größeren Teile untätig gaffend dastand . Ein stämmiger Maurer aus dem Dorfe kam emporgeklettert , deckte die Dachpfannen ab und bahnte sich so einen Pfad bis zum Firste empor . Ihm reichte Paul den Schlauch und glitt hinunter - innerlich verwundert , daß er sich nicht Arm und Bein gebrochen hatte . Dann drang er in den Schuppen , aus dem schon erstickender Rauch ihm entgegenwirbelte . » Wer kommt mit ? « schrie er . Zwei Tagelöhner aus dem Dorfe meldeten sich . » Vorwärts ! « Hinein in Qualm und Flammen ging ' s. » Hier ist die Deichsel - angefaßt - rasch hinaus . « Krachend und polternd schwankte die Lokomobile auf den Hof hinaus . Hinter ihr und ihren Rettern brach das Dach des Schuppens zusammen . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Der Morgen graute . Der bläuliche Dämmerschein vermischte sich mit dem Rauch der Trümmer , aus denen die Flammen hie und da emporzuckten , um sofort müde zusammenzusinken . Die Menge hatte sich verlaufen . Unheimliche Stille lastete auf dem Hofe , nur von dem Brandplatz her kam ein leises Knirschen und Fauchen , als ob die Flammen vor dem Verlöschen noch einmal murmelnde Zwiesprache hielten . » So , « sagte Paul , » jetzt wären wir so weit ! « Wohnhaus und Stall samt allem Lebendigen waren gerettet . Scheune und Schuppen lagen in Asche . » Jetzt sind wir genauso arm , wie wir vor zwanzig Jahren waren , « meditierte er , indem er seine Wunden streichelte , » und hätt ' ich mich nicht ' rumgetrieben , es wäre vielleicht alles ungeschehen geblieben . « Als er die Laube betrat , die die Haustür umrahmte , fand er die Mutter mit gefalteten Händen in einer Ecke zusammengekauert . - Über ihre Wangen zogen sich tiefe Rinnen , und ihre Augen starrten ins Leere , als sähe sie noch immer die Flammen züngeln . » Mutter , « rief er angstvoll , denn er fürchtete , daß sie nicht fern von Wahnsinn wäre . Da nickte sie ein paarmal und meinte : » Ja , ja , so geht ' s ! « » Es wird auch wieder bessergehen , Mutter , « rief er . Sie sah ihn an und lächelte . Es schnitt ihm ins Herz , dieses Lächeln . » Der Vater hat mich eben hinausgejagt , « sagte sie , » ich bitte dich herzlich , jag du mich nicht auch hinaus . « » Mutter , um Jesu willen , red nicht so ! « » Sieh mal , Paul , ich bin wirklich nicht schuld daran , « sagte sie und sah mit flehendem Ausdruck zu ihm empor , » ich gehe nie mit Licht in die Scheune . « » Aber wer sagt denn das ? « » Der Vater sagt , ich sei an allem schuld , ich soll mich zum Teufel scheren . - - Aber tu ihm nichts , Paul , « bat sie voll Angst , als sie ihn auffahren sah , » pack ihn nicht wieder an , er hat so große Schmerzen . « » Der Doktor kommt in einer Stunde , ich hab ' schon nach ihm geschickt . « » Geh zum Vater , Paul , und tröst ihn ... ich möchte ja selber gern , aber mich hat er hinausgejagt , « und sich wieder zusammenkauernd , murmelte sie vor sich hin : » ' rausgejagt hat er mich - ' rausgejagt . « 15 Unsagbares Elend war über den Heidehof hereingebrochen . In dem Wohnzimmer lag der Vater auf seinem Schmerzenslager und wimmerte und schalt und verfluchte die Stunde seiner Geburt .