, der auch sein Geringstes nicht vergessen will , wie so etwas zu erfahren , daß es solche Menschen gibt voll Güte und Barmherzigkeit für ein armes , unnützes Weiblein , wie ich eins bin . « » Meine gute Großmutter « , fiel hier Frau Sesemann ein , » vor unserem Herrn im Himmel sind wir alle gleich armselig , und alle haben wir es gleich nötig , daß er uns nicht vergesse . Und nun nehmen wir Abschied , aber auf Wiedersehen , denn sobald wir nächstes Jahr wieder nach der Alm kommen , suchen wir auch die Großmutter wieder auf ; die wird nie mehr vergessen ! « Damit erfaßte Frau Sesemann noch einmal die Hand der Alten und schüttelte sie . Aber sie kam nicht so schnell fort , wie sie meinte , denn die Großmutter konnte nicht aufhören zu danken , und alles Gute , das der liebe Gott in seiner Hand habe , wünschte sie auf ihre Wohltäterin und deren ganzes Haus herab . Jetzt zog Herr Sesemann mit seiner Mutter talabwärts , während der Öhi Klara noch einmal mit nachhause trug und das Heidi , ohne auszusetzen , hochauf hüpfte neben ihnen her , denn es war so froh über die Aussicht der Großmutter , daß es mit jedem Schritt einen Sprung machen mußte . Am Morgen darauf aber gab es heiße Tränen bei der scheidenden Klara , nun sie fort mußte von der schönen Alm , wo es ihr so wohl gewesen war , wie noch nie in ihrem Leben . Aber das Heidi tröstete sie und sagte : » Es ist im Augenblick wieder Sommer und dann kommst du wieder und dann ist ' s noch viel schöner . Dann kannst du von Anfang an gehen und wir können alle Tage mit den Geißen auf die Weide gehen und zu den Blumen hinauf , und alles Lustige geht von vorn an . « Herr Sesemann war nach Abrede gekommen , sein Töchterchen abzuholen . Er stand jetzt drüben beim Großvater , die Männer hatten noch allerlei zu besprechen . Klara wischte nun ihre Tränen weg , Heidis Worte hatten sie ein wenig getröstet . » Ich lasse auch den Peter noch grüßen « , sagte sie wieder , » und alle Geißen , besonders das Schwänli . O wenn ich nur dem Schwänli ein Geschenk machen könnte ; es hat so viel dazu geholfen , daß ich gesund geworden bin . « » Das kannst du schon ganz gut « , versicherte das Heidi . » Schick ihm nur ein wenig Salz , weißt , wie gern schleckt es am Abend das Salz aus des Großvaters Hand . « Der Rat gefiel der Klara wohl . » O , dann will ich ihm gewiß hundert Pfund Salz aus Frankfurt schicken « , rief sie erfreut aus , » es muß auch ein Andenken an mich haben ! « Jetzt winkte Herr Sesemann den Kindern , denn er wollte abreisen . Diesmal war das weiße Pferd der Großmama für Klara gekommen , und jetzt konnte sie herunterreiten , sie brauchte keinen Tragsessel mehr . Das Heidi stellte sich auf den äußersten Rand des Abhanges hinaus und winkte mit seiner Hand der Klara zu , bis kein Pünktchen mehr von Roß und Reiterin zu sehen war . - - Das Bett ist angekommen und die Großmutter schläft jetzt so gut jede Nacht , daß sie gewiß dadurch zu ganz neuen Kräften kommt . Den harten Winter auf der Alp hat die gute Großmama auch nicht vergessen . Sie hat einen großen Warenballen nach der Geißenpeter-Hütte gesandt ; darin war so viel warmes Zeug verpackt , daß die Großmutter sich um und um damit einhüllen kann und gewiß nie mehr zitternd vor Kälte in ihrer Ecke sitzen muß . Im Dörfli ist ein großer Bau im Gang . Der Herr Doktor ist angekommen und hat vorderhand sein altes Quartier bezogen . Auf den Rat seines Freundes hin hat der Herr Doktor das alte Gebäude angekauft , das der Öhi im Winter mit dem Heidi bewohnt hatte und das ja schon einmal ein großer Herrensitz gewesen war , was man immer noch an der hohen Stube mit dem schönen Ofen und dem kunstreichen Getäfel sehen konnte . Diesen Teil des Hauses läßt der Herr Doktor als seine eigene Wohnung aufbauen . Die andere Seite wird als Winterquartier für den Öhi und das Heidi erstellt , denn der Herr Doktor kennt den Alten als einen unabhängigen Mann , der seine eigene Behausung haben muß . Zuhinterst wird ein festgemauerter , warmer Geißenstall eingerichtet , da werden Schwänli und Bärli in sehr behaglicher Weise ihre Wintertage zubringen . Der Herr Doktor und der Alm-Öhi werden täglich bessere Freunde , und wenn sie zusammen auf dem Gemäuer herumsteigen , um den Fortgang des Baues zu besichtigen , kommen ihre Gedanken meistens auf das Heidi , denn beiden ist die Hauptfreude an dem Hause , daß sie mit ihrem fröhlichen Kinde hier einziehen werden . » Mein lieber Freund « , sagte kürzlich der Herr Doktor , mit dem Öhi oben auf der Mauer stehend , » Sie müssen die Sache ansehen wie ich . Ich teile alle Freude an dem Kinde mit Ihnen , als wäre ich der nächste nach Ihnen , zu dem das Kind gehört ; ich will aber auch alle Verpflichtungen teilen und nach bester Einsicht für das Kind sorgen . So habe ich auch meine Rechte an unserem Heidi und kann hoffen , daß es mich in meinen alten Tagen pflegt und um mich bleibt , was mein größter Wunsch ist . Das Heidi soll in alle Kindesrechte bei mir eintreten ; so können wir es ohne Sorge zurücklassen , wenn wir einmal von ihm gehen müssen , Sie und ich . « Der Öhi drückte dem Herrn Doktor lange die Hand ; er sagte kein Wort , aber sein guter Freund konnte in den Augen des Alten die Rührung und hohe Freude lesen