Beete bei in seinem Keimen ; wie schützen wir es in seinem Grünen und Blüten , und mit welch ' stolzer Freude bewundern wir sein hochzeitliches Prangen ! - Nun aber beginnt unsere Liebe für den Garten mählich zu erkühlen , wir reichen ihm nicht mehr unsere Hände . Allein prangt er weiter und wird eine wuchernde Wildnis von unsäglicher Schönheit . Aber umsonst - des Menschen Gemüt ist satt geworden und der Garten wuchert und verwuchert und verblaßt - unverstanden und unbeklagt . In meinem Gärtlein wachsen brennende Nesseln und Hummeln summen darin . Ich sollt ' wohl irgendwen haben , der es bestellt ! .... Geht hinweg , ihr bösen Geschichten ! Ein Narr könnt ' einer werden , wollt ' man dran denken .... Ich habe mich auf den Kopf des Wassertroges gesetzt und mein Frühstück verzehrt . Das ist ein Stück Brotes aus Roggen- und Hafermehl gewesen , wie es hier allerwärts genossen wird . Das ist ein Essen , wie es - buchstäblich - den Gaumen kitzelt , recht grobkörnig und voll Kleiensplitter . Draußen im Land , wo Weizen wächst , tät ' so ein Backwerk nicht schmecken ; hier ist es ganz der Gegenstand der Bitte : gib uns heut ' unser täglich Brot ! - Gibt aber auch Zeiten in dieser Gegend , in welcher der Herrgott selbst mit dem Haferbrote kargt ; da kommt gedörrtes Stroh und Moos unter den Mühlstein . - Mir gesegne Gott das Stück Brot und den Schluck Wasser dazu ! Mit dieser Zubereitung ihr Herrenköche , schmeckt alles gut . Nachher heb ' ich an , weiter zu steigen . Zuerst bin ich über das Kar hingegangen , aus dessen Mulden überall verwaschene Steine hervorquellen . Dazwischen stehen falbe Federgrasschöpfe und Flechtengefilze . Einige zarte , schneeweiße Blümlein wiegen sich auch und blicken ängstlich um sich , als hätten sie sich gar sehr verirrt in die Felsenöde herauf und möchten gerne wieder zurück . Von dem einst so schönen roten Meere der Alpenrosen stehen die spießigen Struppen des Strauches . Ich steige weiter , umgehe einige Felswände und die Kuppe des Kleinzahn , dann schreite ich einer Kante entlang , die sich gegen den Hauptgebirgsstock hinzieht . Da habe ich die augenblendenden Felder der Gletscher vor mir , glatt , leuchtend wie Elfenbein , sich hinlegend in weiten , sanften Lehnen und Mulden oder in schründigen , vielgestaltigen Eishängen von Höhe zu Höhe . Dazwischen ragen starre Felstürme auf , und dort in luftiger Ferne über die lichten Gletscher erhebt sich ein dunkelgrauer , scharfzackiger Kegel , weit emporragend über die höchsten Gipfel des Gebirges . Das ist mein Ziel , der graue Zahn . Ein scharfkalter Luftstrom hat gerieselt von den Gletschern her und das ganze unmeßbare Himmelsrund ist fast finsterblau gewesen , daß ich über den grauen Zahn herüber jenen Stern hab ' erblickt , den wir zur ersten Morgen- oder Nachtstunde so wundersam leuchten sehen und den sie die Venus heißen . Es ist aber doch die Sonne gestanden hoch in dem Gezelt . Die fernen Schneeberge und Felshäupter sind so klar und niedlich gewesen , daß ich schier vermeint , sie lägen wenige Büchsenschußweiten vor mir und wären aus gleißendem Zucker geformt . Gegen Morgen hin fällt die Gegend ab in den welligen Grund des Waldes . Und die sonst so hochragenden Almweiden liegen tief wie in einem Abgrunde , und dort und da liegt das graue Würfelchen einer Almhütte . Von der Mitternachtsseite heran gähnen die schauerlichen Tiefen des Gesenkes , in deren Schatten das glanzlose Auge des Sees starrt . Nun bin ich ein paar Stunden den beschwerlichen und gefährlichen Weg der Kante entlang gegangen bis zu den Gletschern . Hier habe ich meine Steigeisen an die Füße gebunden , das Ränzlein enger geschnallt und den Bergstock fester in die Hand genommen . Der Bergstock ist ein Erbstück von dem schwarzen Mathes . Es ist in diesem Stock eine Unzahl kleiner Einschnitte , die aber nicht andeuten , wie oft etwan sein früherer Eigner den Zahn oder einen anderen Berg bestiegen , sondern wie viele Leute er im Raufen mit diesem Knittel zu Boden geschlagen hat . Ein unheimlicher Geselle ! - und mir hat er emporhelfen müssen über die weite , glatte Schneelehne , hinweg über die wilden Eisschründe und letztlich hinan den letzten steilen Hang auf die Spitze des Zahn . Hat ' s getreulich getan . Und wie gerne hätte ich von diesem hohen Berge aus dem nachgerufen in die Ewigkeit : Freund , das ist ein guter Stock , wärst hoch mit ihm gekommen , hättest ihn verstanden ! - Stehe ich jetzt oben ? Geht ' s nicht mehr weiter ? Wenn ich so ein Wesen tät ' sein , das sich an den Sonnenfäden könnt ' emporspinnen in das Reich Gottes .... Unter einem Steinvorsprung auf verwitterten Boden hab ' ich mich hingesetzt , hab ' die Dinge betrachtet . Hart um mich sind die feinen zerbröckelten Zacken der senkrecht liegenden Schiefertafeln gewesen . Über mir wogt vielleicht ein scharfer Luftstrom hin ; ich höre und fühle ihn nicht ; mich schützt der Felsvorsprung , die höchste Spitze des Zahn . Auf meine Glieder legt sich die freundliche Wärme des Sonnensternes . Die Ruhe und die Himmelsnähe tut wohl . Ich sinne , wie das wäre in der ewigen Ruh .... Und selig sein ! - ewig zufrieden und schmerzlos leben ; nichts wünschen , nichts verlangen , nichts fürchten und hoffen durch alle Zeiten hin ... Ob das nicht doch ein wenig langweilig wird ? Ob ich mir nicht etwan doch einmal Urlaub nehmen möcht ' , daß ich hier unten wieder könnt ' die Welt anschauen . Mein Gutsein dahier geht leichtlich in eine Nußschale hinein . Aber ich meine , wenn ich einmal oben wär ' : herunten wollt ' ich wieder sein . ' s ist ein Eigenes um irdisch Freud ' und Schmerz ! Nur eines wollt ' ich