fort : » Ich bin hier nicht fremd , mußt du wissen , und es wird schon noch solche geben , die sich für mich gegen einen Schneider wehren dürfen . « Nun begannen auch die ernsten Väter zu brummen , das Mädchen sei eigentlich herzhafter als alle , die sich gleichsam mit ihm von so einem Knechtlein foppen ließen . Das feuerte die Burschen , denen schon Zusels Rede durch die Glieder fuhr , nur noch mehr an , und Jos sah , wie aller Blicke sich drohend auf ihn zu richten begannen . Es ward ihm so heiß , daß er aufstehen und sich ins offene Fenster legen wollte , da er weder so gehen mochte noch ein Wort reden konnte . Der Heuer , gewohnt , immer auf Wind und Wetter zu achten , hielt nun ein entschiedenes Vorgehen nicht mehr für besonders gewagt , seit er in aller Augen gelesen zu haben meinte . Anfangs dachte er , das Bürschlein würde ohne sichere Hinterhut gewiß nicht so herzhaft auftreten dürfen . Nun aber sprang er auf den Jos und faßte ihn hinten beim Halstuch , als ob es nicht nur seine Ehre , sondern auch sein Leben gegolten hätte . So wären wir denn leider vor einer Wirtshausrauferei . Freilich ist sie , wenn auch nur Bauernknecht und Heuer die Helden sind , ebensogut Ausdruck verschiedener Ideen und Leidenschaften als eine andere , die mit Beobachtung der feinsten Formen vor sich geht . Da es aber beim besten Willen nicht möglich ist , unsere Kämpfer noch geschwind zu adeln und ihnen Schwert oder Pistole in die Hand zu geben , so wär ' s wohl am besten , wenn man die Sache so schnell als möglich abtun könnte . Die beiden scheinen auch wirklich bald fertig zu sein . Kaum fühlt Jos von hinten sich gepackt , so dreht er sich gegen den Heuer um , und zwar so schnell und mit solcher Kraft , daß er den langen Heuer beinahe niederreißt und dieser das halb zerrissene Halstuch mitsamt dem Jos erschrocken fahren läßt . Während der Heuer das volle Gleichgewicht wieder zu gewinnen sucht und noch bevor er sich von seinem Schrecken auch nur ein wenig erholt hat , steht Jos zornschnaubend mit geballter Faust vor ihm , und das Bürschchen schaut so wild , so drohend zu dem großen Manne auf , daß dieser von Herzen gern die Zuschauer , die erstaunt und wie angebannt dastanden , um Hilfe angerufen hätte . Jos schien das zu bemerken , denn er rief : » Nur mit dir hab ' ich ' s jetzt zu tun , und wenn auch ein anderer noch etwas will , so soll er doch warten , bis ich mit dir fertig bin . « Den Heuer erschreckte das schallende Gelächter , welches dieser Rede folgte . Es war klar , daß man sie beide sich einstweilen überlassen und dem Spaße zusehen wollte . Aug ' in Auge standen sie sich etwa eine halbe Minute lang gegenüber , jede Bewegung beobachtend und immer auf Angriff und Abwehr gefaßt . Im Zimmer war es so still , daß man eine Nadel hätte fallen hören . Es war fast unbegreiflich , wie so viele Zuschauer sich ohne Geräusch hereinbringen und Platz finden konnten . Erst als die Wirtin hereinstürzte und nach der Ursache des Streites fragte , wurde es wieder laut . Jeder wollte erzählen und wurde sogleich von dem Nebenansitzenden unterbrochen oder widerlegt . Der Wirtin war ' s aber auch viel weniger um den Anfang als das Ende des ihr heute doppelt unangenehmen Zwischenfalles zu tun . Ohne lange zuzuhören , begann sie beiden das Kapitel zu lesen und sie mit derben Worten zum Frieden oder zum Heimgehen zu ermahnen . » Meinetwegen « , lachte Jos bitter , » soll der Tropf ungestört gehen , wenn er nichts kann als zierlich tanzen . Ich bleibe hier und hab ' ihm nichts abzubitten . « Wie ein wildes Tier stürzte der Heuer auf Jos oder eigentlich auf den Platz , wo der gewandte Bursche noch vor einem Augenblicke stand , der ihn jetzt von der Seite anzupacken suchte . Es war wunderbar , wie das Jöslein sich wehren konnte und wie es rechts und links , hinten und vorn zugleich zu sein schien . Die kräftigsten Streiche des Heuers fuhren in die Luft und rissen ihn selbst beinahe zu Boden , so daß er , nach und nach um mehrere Schritte zurückweichend , in der Verzweiflung endlich nach einer leeren Bierflasche langte , die er als Waffe benützen zu wollen schien . » Jetzt ist ' s genug « , riefen mehrere Mädchen , die schaudernd seine Absicht errieten . » Nein , laßt ihn mir ! « schrie Jos . » Wozu noch ? « » Wir sind nicht fertig . « » Aber es ist genug « , rief man von allen Seiten und begann dem Jos einzureden , er habe sich tapfer gehalten , aber das schönste sei doch noch , wenn er nun auch noch zur rechten Zeit wieder aufzuhören wisse . » Ja « , rief Zusel schneidend , » ihr stolzen Burschen meiner Heimat , seid doch so gut und schützt den Fremden , der für mich und meine Ehre einstehen wollte . Schützt den Schwachen , wenn ihr sonst gar nichts tut . « Diese Worte hatten eine wunderbare Wirkung . Der Heuer mit seiner Flasche stand wie vernichtet da ; die anderen Burschen aber begannen mit dem Jos in einem ganz anderen Tone zu reden , und der Zusel antworteten sie : » Wir stehen schon auch für dich ein , mußt du wissen , und zwar besser noch als der Beschützer , den du heute mitgebracht hast . Der Heuer soll darum nur ruhig sein , wir wollen das kleine Bürschchen schon wegbringen . « » Hab ' noch keine Lust zu gehen « , trotzte Jos . » Es wird am