kannst . Das ist Alles , was ich wissen wollte , und nun , nachdem der Zweck meiner Reise erfüllt und ich noch , als eine Zugabe gütiger Götter , Dich begrüßt und Deine liebe Hand in der meinen gehabt habe - Gott befohlen , Melitta ! und möge uns das Unglück - denn das Glück hat mit uns nichts zu schaffen - sobald nicht wieder zusammenführen ! Der Baron sprach diese letzten Worte mit lächelnder Miene , aber durch den Ton , in welchem er sie sprach , klang ein schmerzliches Weh - das Weh eines großmüthigen , liebreichen Herzens , für das die weite , reiche Welt keine Heimath hat . Er hatte zum Abschied Melitta ' s Hand genommen und wollte sich erheben ; aber er vermochte es nicht , denn die liebe Hand erwiederte nicht nur warm den Druck der seinen - er fühlte , er glaubte zu fühlen , daß Melitta ihn noch nicht von sich lassen wolle ; daß sie es gern sähe , wenn er noch bliebe . Es war ihm das so neu ; er blickte sie verwundert fragend an , ob es denn wirklich möglich ? ob denn wirklich seine Gegenwart für sie nicht peinlich sei ? Sie dürfen noch nicht fort , fragte Melitta mit einer gewissen Hastigkeit , während eine fliegende Röthe für einen Augenblick ihre bleichen Wangen färbte ; ich kann es nicht ertragen , daß , während alle Welt meine Freundlichkeit rühmt und jeder Bettler zufrieden von mir geht , ich in Ihren Augen stets als eine Bildsäule erscheine , die niemals giebt und immer nur nimmt , ohne auch nur ein Danke ! zu sprechen . Sie haben mir noch kein Wort von sich selbst gesagt ; kein Wort darüber , wie es Ihnen in aller dieser Zeit ergangen ist . Sie kommen hundert Meilen weit her , um sich nach meinem Julius umzusehen und wollen fort , ohne daß ich nur hätte fragen können , ob Sie von Ihrer Czika eine Kunde erhalten haben . Ist das großmüthig ? ja , ist das auch nur recht von Ihnen ? Der Baron sah Melitta , während sie dies sprach , fast erschrocken an . Melitta , antwortete er mit einem Ernst , der etwas Feierliches hatte , man darf in einem Todtkranken die Sehnsucht nach dem Leben nicht entfachen . Verwöhnen Sie mich nicht aus purem Mitleid durch eine Freundlichkeit , die Ihnen nicht von Herzen kommt ! Nicht von Herzen ? erwiderte Melitta mit leiser Stimme , freilich , ich habe diesen Vorwurf verdient ; ich darf mich nicht beklagen . Ich habe Ihnen keinen Vorwurf machen wollen , Melitta ! Und doch trifft er mich . Ja , Oldenburg , es muß heraus ; es drückt mir sonst das Herz ab . Ich fühle mich Ihnen gegenüber tief beschämt . Die Last der Dankbarkeit , die Sie auf mich laden , drückt mich zu Boden . Eine Last , Melitta ? Eine Last ! ich habe Sie bei Gott durch das Wenige , was ich im Leben für Sie thun konnte , nicht belästigen wollen . Sie wollen mir nicht glauben ! Ich kann die Worte nicht messen und wägen , wie Sie ! Wenn in Ihrem Herzen nichts für mich spricht , wenn Sie nicht mit dem Herzen hören wollen , dann - Thränen erstickten ihre Stimme . Was ist das , sagte Oldenburg , sich mit beiden Händen an den Kopf greifend . Träume ich denn ? Ist dies mein Kopf ? dies meine Hand ? Bin ich Oldenburg ? Sind Sie Melitta ? Sie , die Sie weinen , weil ich , Adalbert Oldenburg , Sie nicht verstehe ? oder nicht verstehen will ? Sie sollen mich verstehen , sagte Melitta , ihre Thränen trocknend , mit einer bei ihr ganz ungewöhnlichen Heftigkeit . Sie haben mich im Leben so oft schwach und haltlos gesehen , daß Sie mir die Kraft zu einer Entschließung gar nicht mehr zutrauen . Und doch habe ich diese Kraft ; und wenn ich sie habe , verdanke ich sie Ihnen , Adalbert . Sie haben in der Krankheit meines Kindes zu mir gesprochen und ich habe mein Herz gegen Ihre Stimme nicht verschlossen . Ich habe sie deutlich gehört in dem langen bangen Stunden der Nächte , die ich an dem Lager meines Kindes wachend und weinend verbrachte . Da habe ich mein Kind mit stillen heißen Thränen um Verzeihung gebeten , wenn ich jemals vergessen konnte , daß ich Mutter war ; da habe ich mir gelobt , daß ich es nun und nimmer wieder vergessen wollte , da habe ich - Sie stockte , brennende Scham übergoß ihre Wangen mit Purpurgluth ; aber sie raffte sich gewaltsam empor - Da habe ich eine Leidenschaft abgeschworen , die mich vor mir selbst , vor meinem Kinde - und Adalbert , vor Ihnen erniedrigt . Halte ein , Melitta ! halte ein ! rief Oldenburg aufspringend . Du bist außer Dir ! Du bist nicht allein mit Dir ! Du bist in der Gegenwart eines Dritten , eines Mannes , der Dich liebt , Melitta ! Er will nicht hören , was Du nur Dir selbst vertrauen darfst ? Laß mich ausreden , Adalbert ! Ich vertraue Deiner Güte , wie ich Deiner Kraft vertraue . Ich habe Dir noch nicht Alles gesagt , was ich mir zugeschworen an meines Kindes Krankenlager . Ich habe da oft an Dein Kind gedacht und daß Du durch ein entsetzliches Schicksal um Deines Kindes Liebe betrogen bist , wie um das Herz des Weibes , das Du liebst . Und da habe ich mir gelobt , daß , wenn ich Dich auch nicht beglücken kann , wie Du es verdienst ; wenn auch zu viel , zu viel geschehen ist , was Dich und mich auf immer trennt - ich doch Dir Dein Loos will tragen helfen , so weit ich kann ; ich Dich wieder mit dem