zarte , weiße Haut überrieselten ; sie blickte vor sich nieder und vermochte nicht zu antworten . » Habe ich das nicht recht gemacht ? « fragte Max mit dem Ausdruck der Verwunderung und suchte in ihren Augen zu forschen . » Ihr hab ' t nur zu befehlen , so ruft ihn ein Eilbote wieder zurück , und wenn ihm Eure Vergebung wird , soll ihm auch die meinige werden . « » Nie , nie ! « rief Elisabeth , und dann fügte sie hinzu : » Ich danke Eurer Majestät , die mich von einer großen Angst und Qual befreit hat . « Es war hier nicht der Platz zu einem weitern Gespräch , das nicht von andern Ohren gehört werden sollte , und so ward es durch andere Unterhaltungen beendet , bei denen Elisabeth lange die stumme Zuhörerin machte , denn die Nennung des Ritters von Streitberg hatte sie in eine kaum geringere Aufregung versetzt , als neulich seine Gegenwart . Um ihretwillen hatte ihn der König fortgeschickt ? Was wußte er von ihr und ihm ? hatte Eberhard unziemlich oder drohend von ihr gesprochen ? hatte er erfahren , wie sich jener auf der Hallerwiese gegen sie betragen ? durch wen denn , wenn nicht durch ihn selbst ; denn mit jenen Jünglingen oder den Steinmetzgesellen , die sie beschützten , konnte der König doch unmöglich selbst gesprochen haben ? Auch jene Aeußerung des Markgrafs , daß sie ihn so wenig wie den schwarzen Ritter habe bemerken wollen , fiel ihr jetzt schwer auf ' s Herz . Was hatte Eberhard von ihr gesprochen ? hatte er Lüge oder Wahrheit geredet - es dünkte ihr Beides gleich entsetzlich ! - Und doch war ihr , als könne sie jetzt erst freier athmen , seit sie von der Furcht befreit war , ihn wieder zu treffen , und es mischte sich ein Gefühl stolzen Triumphes bei , weil sie diese Befreiung der Gnade des Königs dankte - der Theilnahme , die sie in ihm erregt ; so war die ritterliche Höflichkeit , mit der er sie vor allen andern Frauen Nürnbergs auszeichnete , mehr als ein momentaner Sieg ihrer Schönheit , so dachte er ihrer auch , wenn er sie nicht erblickte , und handelte für sie . Inzwischen sagte an der andern Tafel Katharina Haller zu Kunz von der Rosen : » Ihr hab ' t wohl die Scheurlin schon früher gekannt , weil Ihr so vertraut mit ihr seid ? « » Ei , das ist mein Vorrecht wie bei dem König so bei den schönen Frauen , « antwortete Kunz , » sie machen die vernünftigsten Männer zu Narren , und da wüßte ich nicht , warum ihnen gegenüber ein Narr aufhören sollte einer zu sein . Uebrigens wißt Ihr ja , daß mein Herr und ich selbst zum ersten Male in Nürnberg sind . « » Deshalb hättet Ihr die Scheurlin doch schon gesehen haben können , denn sie ist einmal über ein Jahr fort gewesen , um sich in Venedig und Gott weiß wo Alles abenteuerlich umher zu treiben , « berichtete Katharina , und fügte hinzu , indem sie den Mund höhnisch spitzte : » Freilich , es ist wahr , wenn Ihr sie früher gekannt hättet , würdet Ihr sie schwerlich der erwiesenen Ehre würdigen ; in der Fremde hat sie sich , wie man hört , nicht viel besser betragen denn andere fahrende Frauen , und welch ' anstößiges Verhältniß sie mit dem hergelaufenen Poeten , dem Celtes gehabt , weiß ganz Nürnberg . « Ursula , die auf der andern Seite des Narren saß und zwar nur Aug ' und Ohr für Stephan hatte , vernahm doch diese Schmähung Elisabeth ' s , die ihr das Blut in ' s Gesicht trieb , und sagte : » Glaubt das nicht , Herr von der Rosen ! Frag ' t andere ehrsame Frauen und Männer in Nürnberg nach der edlen Frau Scheurlin , und alle werden mit Achtung und Anerkennung von ihr sprechen . « » Solche ausgenommen , « fiel ihr Stephan in ' s Wort , um ihre Rede zu vollenden , » die ihre geistigen und körperlichen Vorzüge ihr mißgönnen , weil sie sich dadurch in den Schatten gestellt fühlen . « » Ereifert Euch nicht , werthe Damen und Herren , « antwortete Kunz mit um so größerer Ruhe ; ich müßte kein Narr sein , wenn ich nicht wüßte , daß die Menschen sich überall gleich sind , was Neid und Verleumdung reden , spaziert bei mir zu dem einen Ohr herein , um zu dem andern wieder hinaus zu gehen , und sagt mir nur , wie wenig von den Leuten zu halten , die also sich bemühen Andere herabzusetzen ; vor denen aber , welche Andere vertheidigen , nehm ich meine Kappe ab ! « Damit verneigte er sich ehrerbietig vor Ursula und schüttelte Stephan die Hand . Die gedemüthigte Katharina saß sprachlos vor Wuth da und wendete sich zu ihrer stumm gebliebenen Nachbarin Beatrix Immhof , einer hübschen , stillen Jungfrau , und sagte zu ihr : » Nun sieht man doch , daß die alte Sitte gut ist , wenn wir Frauen für uns allein speisen ; die Gegenwart der Männer verbittert die Unterhaltung . « Beatrix fühlte sich gerade nicht veranlaßt dem beizustimmen , denn neben ihr saß der Ritter Apel von Weyspriach und erzählte ihr Wunderdinge von seiner Reise aus dem heiligen Lande . Dieser wandte sich jetzt zu Frau Katharina und sagte leise : » Ihr hab ' t nur einen mißlichen Platz neben dem Narren ; sobald er uns einmal von seiner Gegenwart befreit , möcht ' ich gern von Euch Näheres über Celtes und die Scheurlin hören , und wie die gefeierte Schönheit noch dazu gekommen , einen zwanzig Jahre ältern Mann zu heirathen , der ihr freilich das Leben nicht schwer zu machen scheint ? « Katharina nickte ihm hocherfreut und beifällig zu