nicht genug erzählen , was ihr die Rosel anthat , und da sie es zu Hause nicht thun konnte , ließ Barfüßele hier ihre Zunge los und schalt auf die Rosel mit den heftigsten Worten . Schnell aber besann sie sich wieder und sagte : » Ach Gott , das ist nicht recht , die macht mich jetzt auch so schlecht , daß ich solche Worte in den Mund nehme . « Die Marann ' aber tröstete : » Daß du so schimpfest , das ist brav . Schau , wenn man etwas Ekelhaftes sieht , muß man ausspeien , sonst wird man krank , und wenn man etwas Schlechtes sieht und hört und erfährt , da muß man schimpfen , da muß die Seele auch ausspeien , sonst wird sie schlecht . « Barfüßele mußte lachen über die wunderlichen Tröstungen der schwarzen Marann ' . Tag um Tag verging in alter Weise und man vergaß bald Hochzeit und Tanz und Alles was dabei geschehen war . Barfüßele aber spürte ein ewiges Hinausdenken , das sie gar nicht bewältigen konnte . Es war gut , daß sie der schwarzen Marann ' Alles anvertrauen konnte . » Ich meine , ich habe mich versündigt , daß ich damals so über Alles hinaus lustig war , « klagte sie einmal . » An wem hast dich versündigt ? « » Ich meine , Gott straft mich dafür . « » O Kind , was machst du da ? Gott liebt die Menschen wie seine Kinder . Giebt es für Eltern eine größere Freude als ihre Kinder lustig zu sehen ? Ein Vater , eine Mutter , die ihre Kinder fröhlich tanzen sehen , sind doppelt glücklich , und so denk ' auch : Gott hat dir zugesehen wie du getanzt hast und hat sich recht gefreut und deine Eltern haben dich auch tanzen sehen und haben sich auch gefreut . Laß du die ungestorbenen Menschen reden was sie wollen . Wenn mein Johannes kommt , hei , der kann tanzen ! Aber ich sage nichts . Du hast an mir einen Menschen , der dir recht giebt ; was brauchst du denn mehr ? « Freilich , Wort und Beistand der schwarzen Marann ' waren tröstlich , aber Barfüßele hatte ihr doch nicht Alles gesagt ; es war ihr nicht bloß um das Gerede der Menschen zu thun , und es war nicht mehr wahr , daß sie sich daran genügen ließ : nur Einmal vollauf glücklich gewesen zu sein . Sie sehnte sich doch wieder nach dem Manne , der ihr wie eine erlösende Erscheinung gekommen war , der sie so ganz verändert hatte , und nun nichts mehr von ihr wußte . Ja , Barfüßele war sehr verändert . Sie ließ es an keiner Arbeit fehlen , man konnte ihr nichts nachreden ; aber eine tiefe Schwermuth setzte sich in ihr fest . Jetzt kam noch ein anderer Grund dazu , der sich vor der Welt offen geltend machen durfte . Dami hatte von Amerika aus noch kein Wort geschrieben und sie vergaß sich so weit , daß sie einmal zur schwarzen Marann ' sagte : » Es heißt nicht umsonst im Sprüchwort , wenn man Feuer unter einem leeren Topf hat , verbrennt eine arme Seel ' . Unter meinem Herzen brennt ein Feuer und meine arme Seele verbrennt . « » Was ist denn ? « » Daß der Dami auch nicht schreibt ! Das Warten , das ist die schrecklichst gemordete Zeit , es giebt keine , die man ärger umbringen kann als mit dem Warten ; da ist man ja in keiner Stunde , in keiner Minute mehr daheim , auf keinem Boden mehr fest , und immer mit einem Fuß in der Luft . « » O Kind ! Sag ' das nicht , « jammerte die Marann ' . » Was willst denn du vom Warten reden ? Denk ' an mich und ich warte geduldig und ich warte bis zu meiner letzten Stunde und geb ' s nicht auf . « In der Erkenntniß fremden Kummers löste sich der Schmerz Barfüßele ' s in Thränen auf und sie klagte : » Mir ist so schwer , ich denk ' jetzt immer an ' s Sterben . Wie viel tausend Kübel Wasser muß ich noch holen und wie viel Sonntage giebt ' s noch ? Man sollte sich eigentlich gar nicht so viel grämen , das Leben hat ja so bald ein Ende , und wenn die Rosel zankt , denk ' ich : ja zank ' du nur , wir sterben Beide bald , dann hat ' s ein End ' . Und dann überfällt mich wieder eine Angst , daß ich mich so arg vor dem Sterben fürchte . Wenn ich so liege und will mir denken , wie es ist , wenn ich todt bin : ich höre nichts , ich sehe nichts , dieses Auge , dieses Ohr ist todt . Alles da um mich her ist nicht mehr da , es wird Tag und ich weiß nichts mehr davon ; man mäht , man erntet , ich bin nicht mehr dabei . O warum ist denn das Sterben ! .. Was willst du machen ? Haben andere auch sterben müssen und die waren noch mehr als du . Man muß es ruhig ertragen . - Horch , der Schütz schellt aus , « so unterbrach sich Barfüßele in der seltsamen Klage , und sie , die eben sterben wollte und wieder nicht sterben wollte , hätte doch gern erfahren , was der Dorfschütz noch ausschellt . » Laß ihn schellen , er bringt dir doch nichts , « sagte die Alte wehmüthig lächelnd . » O was ist der Mensch ! Wie muß Jeder wieder die harte Nuß aufzuknacken suchen und sie doch endlich ungeöffnet bei Seite legen ! Ich will dir sagen , Amrei , was mit dir ist : du bist jetzt sterbensverliebt . Sei froh ,