mit den schmackhaften Weißfischen des See ' s briet , während die zu der Gruppe gehörende Frau das Castradina , das Lieblingsgericht der Czernagorzen aus geräuchertem Fleisch auf serbische Art bereitete . Hoch oben auf dem Felsen , nach der gewöhnlichen Sitte seines Volkes auf Wachtposten , lag eine sechste Gestalt in den zottigen braunen Mantel des Hochlands gehüllt , Auge und Flinte gegen die Seite von Skadar gekehrt und auf der weiten Fläche des See ' s jedes kreuzende Boot , ja selbst die dahin streifende die Wellen berührende Möwe bespähend . Das Haupt der Gruppe am Felsen war ein Greis von wahrhaft furchtbarem Aussehen . Das weißwollene Hemd , Hals und Brust offen lassend und in der Mitte von einem Gürtel zusammengehalten , in dem eine lange Pistole hing und der säbelgleiche Handjar mit schwer von Silber beschlagenem wohl einen Fuß langen Griff steckte , umschloß einen Körper von wahrhaft riesigen Formen . Um die Schultern von kolossaler Breite hing die Struka , der braune zottige bis über die Hüften reichende Mantel der Czernagora . Das Bein war zur Hälfte von einem kurzen türkischen Beinkleide bedeckt , während an den Füßen die Opanka befestigt war , jene leichte elastische Sandale , die sich vorzüglich eignet , um Berge hinan zu klimmen und von Fels zu Fels wie der Gemsenjäger zu springen . Das Charakteristische an der Figur des Alten zeigte der mächtige Kopf , der auf diesem Riesenleibe saß . Der Scheitel war halb kahl bis auf die Mitte des Schädels , nicht durch den Mangel an Haaren , sondern nach der Sitte des Volks rasirt , denn rechts und links und von der hinteren Hälfte fiel mähnenartig ein starks graues Haar in langen Strängen und Flechten auf den Stiernacken herunter und vereinigte sich um Mund und Kinn mit einem gleichen rauhen Bart , den der Alte von Zeit zu Zeit wohlgefällig strich . Stirn und Gesicht bildeten dazu ein förmliches Gewebe von Runzeln , Falten und Narben , aus dem über der langen schnabelartig gebogenen Nase ein dunkles rastloses Auge mit einem Glanz und einem unstäten Ausdruck funkelte , der häufig etwas Wahnwitziges an sich trug . Das andere Auge war erblindet , von einem Schlag ausgelaufen , und die leere Höhlung erhöhte das Unheimliche des Gesichts , das durch einen breiten Mund mit glänzenden wolfsartigen Zähnen gleichfalls nicht gewann . Dies Haupt war von der beim Volke eingebürgerten Kopfbedeckung beschattet , dem tücherumwundenen Fez , der dadurch die Form eines Turbans gewinnt . Die furchtbarste Beigabe des Gesichts aber war ein im Rauch gleich den Köpfen der Neuseeländer getrocknetes Menschenhaupt , das in seiner ganzen Scheußlichkeit an einer starken durch den Schädel gezogenen Schnur gleich einem Amulet oder einer Zierrath um den Hals und auf der Brust des Alten hing . Hinter dem Greise am Felsen lehnte seine lange am Schaft reich mit Silber beschlagene Flinte von alterthümlicher Form . Der übrige Theil der Gesellschaft bestand aus einem neben ihm sitzenden jungen Mann von 20 bis 21 Jahren , von edler klassischer Gesichtsbildung in einfacher griechischer Tracht ; einem türkischen Arnauten im malerischen , nur bei dem Individuum stark mitgenommenen , ja zerlumpten rothen Costüm des Volksstammes der Gueguen ; und in einem jungen Burschen von etwa 14 bis 15 Jahren , der gleichfalls die Kleidung der Czernagorzen trug und dessen Züge eine unverkennbare Aehnlichkeit mit denen des Alten hatten . Dasselbe , nur gemildert zu den Formen wirklichen Reizes , war bei der jungen Frau der Fall , die sich mit der Zubereitung des Mahles beschäftigte . Ueber den lang herabfallenden mit Bändern durchflochtenen Zöpfen lag zierlich das weiße italienische Kopftuch mit dem herunterhängenden Schleier , dem Zeichen der Zeichen der verheiratheten Frau . Ein eng und faltenreich um den Hals schließendes Hemd mit weiten bunt gestickten Aermeln , die Schürze von rother Wolle , darüber das Ueberkleid ohne Aermel von weißem Tuch mit blauen Schnüren geziert , vorn offen , Brust und Schürze mit dem am Gürtel hängenden Einschlagmesser frei lassend , Socken und Sandalen an den Füßen , bildeten ihren charakteristischen nicht unzierlichen Anzug . » So sagst Du also , Beg , « setzte der Arnaut das Gespräch fort , » daß der Christensultan in Moskwa das schwarze Hochland frei machen wird von den Gläubigen ? « » Du redest , wie es ein Moslem versteht , Khan Hassan Lekitsch , « entgegnete der Greis . » Die Kinder der Czernitza sind nie die Sclaven des weißen Czaren3 in Stambul gewesen , seit Iwo ' s meines Ahnherrn , Zeiten , der unter Obod ' s4 Trümmern am Busen der schwarzäugigen Wila ' s5 schläft , die über ihn wachen und ihn dereinst auferwecken werden , sobald es Gottes Wille ist , seinen geliebten Czernagorzen Cattaro und das blaue Meer wiederzugeben . Dann wird der unsterbliche Held wiederum an die Spitze seines Volkes treten und die Schwabi6 vertreiben , gleich wie er die Bekenner des Halbmondes von unseren Bergen vertrieben hat . « » Aber Beg , Du weißt , daß ich selbst zu den Gläubigen gehöre . « » Was kümmert das Iwo , den Einäugigen ? « sagte der Greis in heiliger Einfalt . » Bist Du nicht unser Gastfreund und hast von unserm Brote gegessen ? Was kümmert mich Dein Glaube , Khan , wenn Du Treue hältst dem Volke der Czernagora . « » Du sprichst es , Beg , und es muß wahr sein . Aber sage mir , wie ist es mit dem Volk der Moskowiten ? « » Höre mich , Khan Hassan , und merke auf meine Worte , denn solche hat mit der Pope Petrowitsch gesagt . In Stambul , das Deinem weißen Czaren gehört , steht eine mächtige Kirche , von den Heiligen des Himmels gebaut und darin viele heilige Dinge , die gehörte den Christen , unsern Brüdern . Aber der weiße Czar hat sie ihnen geraubt und läßt jene den Haradsch zahlen und viele schwere Steuern . Er schlägt die