nieder , nahm seinen Hut zwischen die Kniee und richtete die hellen , klaren Augen auf den Buchhändler , welcher übrigens nicht geneigt schien , diesen offenen Blick zu erwidern . » Ja , « fuhr Herr Blaffer fort , indem er mit seinem knöchernen Zeigefinger der rechten Hand über die Zeitung fuhr und etwas zu suchen schien ; » hier steht ' s. - Richtig ! Onkel Tom ' s Hütte bei Johann Christian Blaffer . - Geben Sie Achtung , ich muß es Ihnen vorlesen , obgleich es nicht gerade sehr angenehm klingt . - Von dieser unten Uebersetzung , der vierundvierzigsten in hiesiger Stadt und , wenn wir nicht , irren , der sechshundertsten im gesammten Deutschland , tritt uns als Uebersetzer ein ganz obscurer Name entgegen . - Wer ist dieser Herr Staiger , der u.s.w. u.s.w. Man muß indessen nicht zu viel auf Recensionen geben , « sagte Herr Blaffer , indem sein Blick das Zeitungsblatt verließ . » Wissen Sie , der Beurtheiler macht eigentlich mir allein den Vorwurf ; ich hätte mir sollen einen bekannten Namen erwerben , um ihn auf den Titel zu setzen , wissen Sie , einen Doktor so und so . Es hat ja deren genug , vollkommen genug , die außerordentlich zufrieden sind , wenn man ihnen Veranlassung gibt , ein anständiges Honorar zu erwerben . « Bei diesen Worten sah der alte Mann schmerzlich in die Höhe . » Dann spricht der Artikel ferner , « fuhr Herr Blaffer fort , » von mangelhaften Stellen in der Uebersetzung , und vor allen Dingen beklagt er sich über die Langsamkeit , mit der die einzelnen Lieferungen bei mir erscheinen . - Und das muß wahr sein , Herr Staiger , langsam geht die Geschichte vorwärts . An dem wievielsten Hefte sind wir eigentlich ? « » Am vierten , « entgegnete ruhig Herr Beil , » während vierundzwanzig andere Buchhandlungen hiesiger Stadt das zweite kaum ausgegeben haben . « » Die zweite Lieferung ! « rief Blaffer mit einem wahren Giftblick auf seinen Gehülfen . » Den zweiten Band wollen Sie sagen . - Doch das ist gleich viel . Sie müssen sich wahrhaftig beeilen , mein lieber Herr Staiger , sonst kommen uns die anderen weit zuvor . « » Ich arbeite Tag und Nacht , « erwiderte der alte Mann , » denn es ist mir selbst darum zu thun , etwas für mich und die Kinder zu verdienen . Hier ist Manuscript zur fünften Lieferung ; sie wäre schon ganz fertig , doch habe ich in den letzten Tagen einiges Herzeleid zu Haus gehabt , was mich am Arbeiten verhindert . Wenn man ein sterbendes Kind vor sich sieht , Herr Blaffer , so will es einmal so gar nicht recht vor sich gehen mit der Uebersetzung des Sklavenlebens eines anderen Welttheils . « » Es ist Ihnen ein Kind gestorben ? « fragte theilnehmend der Commis . » Doch nicht Mamsell Clara ? « » Nein , nein ! « entgegnete eifrig der alte Mann ; » das hat der liebe Gott denn doch nicht gewollt . Mein kleinstes Mädchen starb , ein armes Kind , das immer kränklich war . « » Nun , so danken Sie dem Schöpfer , daß er es zu sich genommen . Kinder sind ein Segen , aber auch eine Last . - Nun geben Sie ihr Manuscript her . - Aber da fehlen noch zwei Bogen , bis die Lieferung fertig ist . Ah ! ich wollte , wir hätten sie ganz ! « » Das wollte ich auch , « sprach Herr Staiger mit einem verlegenen Lächeln , indem er den Hut zwischen den Händen herum drehte und von der Kiste aufstand . - » Das wollte ich in der That auch , mein verehrter Herr Blaffer , denn sehen Sie , ich hatte darauf gerechnet , die fünfte Lieferung heute Früh noch zu beendigen , - es ist Mitte des Monats , das Bischen Einkommen meiner Tochter Clara ist längst verbraucht , die kleine Leiche hat meine Kasse in Anspruch genommen , und so wäre ich denn außerordentlich glücklich und zufrieden , wenn die fünfte Lieferung fertig wäre , um - um - das Geld dafür - - « » Auch ich wäre sehr zufrieden , wenn die fünfte Lieferung fertig wäre , « unterbrach ihn rasch der Buchhändler . Es ist sehr traurig , daß sie nicht fertig ist . Da wartet das Publikum , da wird man hinausgeschoben , da kommt man mit dem Buch in ' s neue Jahr hinein , und da muß man mit der Heimbezahlung warten , daß Einem Hören und Sehen vergeht . - Ah ! ihr Schriftsteller seid glücklich gegen uns zu nennen : hier das Manuscript , hier das Geld . Aber wissen Sie , wie lange ich warten muß , wie lange sich der Buchhändler überhaupt gedulden muß ? » Nein , ich weiß es nicht , « sagte geduldig der alte Mann . » Oft zwei Jahre , « fuhr der Buchhändler mit lauter Stimme fort und betonte die » zwei Jahre « außerordentlich stark . » Zwei volle Jahre ! Ja , das ist entsetzlich ! « » Alsdann nehmen Sie aber auch große Summen ein , « entgegnete Herr Staiger . » Aber hier handelt es sich nur um ein paar Gulden , die ich in zwei , höchstens drei Tagen wieder abgearbeitet habe , nur eine Kleinigkeit als - - - Vorschuß . « » Kommen Sie einem Buchhändler nicht mit Vorschüssen ! « rief entrüstet Herr Blaffer . » Diese Vorschüsse bringen doppelten Schaden . Erstens kosten sie uns Geld , das man noch nicht einmal schuldig ist , also verlieren wir Zins , und zweitens entfremdet es den Autor dem Verleger . Nur um Gotteswillen keine Vorschüsse ! « » Aber bei dem wirklich kleinen Honorar , welches Sie mir zahlen , « erlaubte sich der alte Mann mit