Zettel bei . Wenn die Sonne in unser Höfchen schien , so schleppte ich den ganzen Schatz herunter , wusch Stück für Stück in dem kleinen Brünnlein und breitete sie nachher an der Sonne aus , um sie zu trocknen , mich an ihrem Glanze erfreuend . Dann ordnete ich sie wieder in die Schachteln und hüllte die glänzendsten Dinge sorglich in Baumwolle , welche ich aus den großen Ballen am Hafenplatze gezupft hatte . So trieb ich es lange Zeit ; allein es war nur der äußere Schein , der mich erbaute , und als ich sah , daß jene Knaben für jeden Stein einen bestimmten Namen besaßen und zugleich viel Merkwürdiges , was mir unzugänglich war , wie Kristalle und Erze , auch ein Verständnis dafür gewannen , welches mir durchaus fremd war , so starb mir das ganze Spiel ab und betrübte mich . Dazumal konnte ich nichts Totes und Weggeworfenes um mich liegen sehen ; was ich nicht brauchen konnte , verbrannte ich hastig oder entfernte es weit von mir ; so trug ich eines Tages die sämtliche Last meiner Steine mit vieler Mühe an den Strom hinaus , versenkte sie in die Wellen und ging ganz traurig und niedergeschlagen nach Hause . Nun versuchte ich es mit den Schmetterlingen und Käfern . Meine Mutter verfertigte mir ein Garn und ging oft selbst mit mir auf die Wiesen hinaus ; denn die Einfachheit und Billigkeit dieser Spiele leuchteten ihr ein . Ich fing zusammen , wessen ich habhaft werden konnte , und setzte eine Unzahl Raupen in Gefangenschaft . Allein ich kannte die Speise dieser letzteren nicht und wußte sie sonst nicht zu behandeln , so daß kein Schmetterling aus meiner Zucht hervorging . Die lebendigen Schmetterlinge aber , welche ich fing , wie die glänzenden Käfer machten mir saure Mühe mit dem Töten und dem unversehrten Erhalten ; denn die zarten Tiere behaupteten eine zähe Lebenskraft in meinen mörderischen Händen , und bis sie endlich leblos waren , fand sich Duft und Farbe zerstört und verloren , und es ragte auf meinen Nadeln eine zerfetzte Gesellschaft erbarmungswürdiger Märtyrer . Schon das Töten an sich selbst ermüdete mich und regte mich zu sehr auf , indem ich die zierlichen Geschöpfe nicht leiden sehen konnte . Dieses war keine unkindliche Empfindsamkeit ; mir widerwärtige oder gleichgültige Tiere konnte ich so gut mißhandeln wie alle Kinder ; es war vielmehr ein aristokratisches Mitgefühl für diese edleren Kreaturen , denen ich wohlgewogen war . Jeder der unseligen Reste machte mich um so melancholischer ! als er das Denkmal eines im Freien zugebrachten Tages und eines Abenteuers war . Die Zeit von seiner Gefangennehmung bis zu seinem qualvollen Tode war ein Schicksal , welches mich interessierte , und die stummen Überbleissel redeten eine vorwurfsvolle Sprache zu mir . Auch diese Untemehmung scheiterte endlich , als ich zum ersten Male eine große Menagerie sah . Sogleich faßte ich den Entschluß , eine solche anzulegen , und baute eine Menge Käfige und Zellen . Mit vielem Fleiße wandelte ich dazu kleine Kästchen um , verfertigte deren aus Pappe und Holz und spannte Gitter von Draht oder Faden davor , je nach der Stärke des Tieres , welches dafür bestimmt war . Der erste Insasse war eine Maus , welche mit eben der Umständlichkeit , mit welcher ein Bär installiert wird , aus der Mausefalle in ihren Kerker hinübergeleitet wurde . Dann folgte ein junges Kaninchen ; einige Sperlinge , eine Blindschleiche , eine größere Schlange , mehrere Eidechsen verschiedener Farbe und Größe , ein mächtiger Hirschkäfer mit vielen andern Käfern schmachteten bald in den Behältern , welche ordentlich aufeinandergetürmt waren . Mehrere große Spinnen versahen in Wahrheit die Stelle der wilden Tiger für mich , da ich sie entsetzlich fürchtete und nur mit großem Umschweife gefangen hatte . Mit schauerlichem Behagen betrachtete ich die Wehrlosen , bis eines Tages eine Kreuzspinne aus ihrem Käfige brach und mir rasend über Hand und Kleid lief . Der Schrecken vermehrte jedoch mein Interesse an der kleinen Menagerie , und ich fütterte sie sehr regelmäßig , führte auch andere Kinder herbei und erklärte ihnen die Bestien mit großem Pathos . Ein junger Weih , welchen ich erwarb , war der große Königsadler , die Eidechsen Krokodile , und die Schlangen wurden sorgsam aus ihren Tüchern hervorgehoben und einer Puppe um die Glieder gelegt . Dann saß ich wieder stundenlang allein vor den trauernden Tieren und betrachtete ihre Bewegungen . Die Maus hatte sich längst durchgebissen und war verschwunden , die Blindschleiche war längst zerbrochen , so wie die Schwänze sämtlicher Krokodile , das Kaninchen war mager wie ein Gerippe und hatte doch keinen Platz mehr in seinem Käfig , alle übrigen Tiere starben ab und machten mich melancholisch , so daß ich beschloß , sie sämtlich zu töten und zu begraben . Ich nahm ein dünnes langes Eisen , machte es glühend und drang mit zitternder Hand damit durch die Gitter und begann ein greuliches Blutbad anzurichten . Aber die Geschöpfe waren mir alle lieb geworden , auch erschreckte mich das Zucken des zerstörten Organismus , und ich mußte innehalten . Ich eilte in den Hof hinunter , machte eine Grube unter den Vogelbeerbäumchen , worin ich die ganze Sammlung , tote , halbtote und lebende , in ihren Kasten kopfüber warf und eilig verscharrte . Meine Mutter sagte , als sie es sah , ich hätte die Tiere nur wieder ins Freie tragen sollen , wo ich sie geholt hätte , vielleicht wären sie dort wieder gesund geworden . Ich sah dies ein und bereute meine Tat ; der Rasenplatz war aber lange eine schauerliche Stätte für mich , und ich wagte nie jener kindlichen Neugierde zu gehorchen , welche es immer antreibt , etwas Vergrabenes wieder auszugraben und anzusehen . Bei Frau Margret tat sich mir die nächste Spielerei auf . In einer verrückten , marktschreierischen Theosophie , welche ich unter ihren Büchern fand , war eine Anweisung enthalten , die vier Elemente zu