Begebenheiten abschweifen müssen . Schon einmal begleiteten wir unsern Helden bis nach Spanien ; heute müssen wir ihm nach Italien folgen . Damals begleiteten wir ihn bis in das Leihhaus von Pampeluna ; heute folgen wir ihm bis zu den Füßen des Heiligen Vaters . Wir haben nämlich nichts mehr und nichts weniger zu erzählen als die Römerfahrt unsres Ritters . Alle großen Sünder verrauschter Jahrhunderte hielten es für ihre Pflicht , wenigstens einmal im Leben , wenn auch nicht nach dem Heiligen Grabe , so doch nach Rom zu wallfahrten , um dort , von allen Skrupeln erlöst , desto ruhiger in einen neuen Sündenabschnitt ihres Lebens hineinzusteuern . Jede Zeit hatte ihre Sitte ; so auch die damalige . Die Griechen brachten den Göttern Hekatomben ; das Mittelalter pilgerte nach Rom ; wir sündigen Menschen der Jetztzeit pilgern höchstens nach Paris . Nach Paris , dem welschen Babylon ! Nach der heiligen Stadt der schönen Babylonierinnen ! Auf den Boulevards zu spazieren , zu tanzen in den Champs-Élysées und zu Mittag speisen bei Véry für 48 Francs . - O welches Vergnügen ! Wie ein Araber in Mekka , wenn er , die Arme kreuzend und blumenreiche Gebete murmelnd , in die heilige Kaaba tritt , so trat ich , Mabille , in deinen Garten und neigte mich , o Babylon , vor deinen Frauen ! Die Rosen dufteten , die Seide rauschte . » Hörner , Pauken und Trompeten Tönten jubelnd die Fanfare , Und wir riefen alle : Heil ! Heil der Königin Pomare ! « Herr von Schnapphahnski hielt aber fest an den Sitten der Väter ; Se . Hochgeboren waren ein guter Katholik - niemand wird ihm dies verdenken . Die protestantische Religion ist eine Religion für Kaufleute und Fabrikanten - - Herr von Schnapphahnski war weder Kaufmann noch Fabrikant , sondern , wie gesagt , ein guter Katholik . Nichtsdestoweniger machte er aber von Zeit zu Zeit seine Bilanz , d.h. seine geistige oder Seelenbilanz , indem er sich dann jedesmal den Saldo seiner Sünden von der guten Mutter Kirche quittieren ließ . Eine materielle Bilanz brauchte der Ritter um so weniger zu machen , da ja die Herzogin von S. seine sämtlichen Schulden bezahlt hatte . Mit der geistigen oder Seelenbilanz unseres Helden sah es diesmal schlimm aus . Der edle Ritter hatte viel auf dem Herzen . Seit mehreren Jahren hatte er die Sündenconti seines Gewissens nicht abgeschlossen , und wenn er die Folioseiten seines Gedächtnisses durchblätterte , so fand er nur gar zu viele dittos in seinem Debet - höchst wenige im Kredit.b Unser Ritter ging daher eines Tages sehr ernstlich mit sich zu Rate ; er zerbrach fünf Federmesser und zerschnitt zehn Bleistifte . Nachdem er aber die fünf Federmesser zerbrochen und die zehn Bleistifte zerschnitten hatte , schnitt er mit dem sechsten Federmesser den elften Bleistift und entwarf die folgende : Geistige oder Seelen-Bilanz des berühmten Ritters Schnapphanski Unsere Leser werden gestehen , daß diese Abrechnung eben nicht sehr günstig für unsern Ritter ausfiel . Wenn nicht der Papst ebenso großmütig war wie die Herzogin von S. , so ließen sich die geistigen Angelegenheiten unseres Helden bei weitem nicht so leicht ordnen , als es eben erst mit seinen materiellen Verhältnissen geschah . Herr von Schnapphahnski wollte aber nichts unversucht lassen , und so trat er denn eines Morgens in das Zimmer der Herzogin und sprach in der Weise Ritter Tannhäusers die folgenden berühmten Worte : » Mein Leben das ist worden krank , ich mag nit lenger pleiben ; nun gebt mir urlob , frewlin zart , von eurem stolzen leibe ! « Die Herzogin erschrak natürlich im höchsten Grade und begriff nicht gleich , was die Geschichte zu bedeuten hatte . Sie war erst eben so gefällig gewesen , die Schulden ihres Freundes mit baren 200000 Talern zu bezahlen , die Ablösung vieler kleinen Hypotheken ungerechnet ; und nun wollte der Ritter schon wieder fortziehn : das war nicht recht ! Es fiel ihr im Traume nicht ein , daß der Ritter zur Buße seiner Sünden nach Rom pilgern wollte - - Ohne sich daher an der altdeutschen Sprachweise ihres Freundes zu stören , fuhr die Herzogin in der Manier der Frau Venus fort zu reden und erwiderte : » Danhäuser , nit reden also ! ir tund euch nit wol besinnen ; so gen wir in ain kemerlein und spilen der edlen minne ! « Die Herzogin lispelte diese Worte geradeso verführerisch , wie sie einst Frau Venus gesprochen haben mag . Der Ritter schien aber wenig davon erbaut zu sein ; er schüttelte mit dem schönen schwarzlockigen Kopfe , und ohne von den Tränen Notiz zu nehmen , die aus den Augen der hohen Dame in den roten Kaschmirschal rieselten , öffnete er zum zweiten Male den holdseligen Mund und antwortete , indem er die Hände in die Hosentaschen steckte , mit sehr akzentuiertem Tone : » Eur minne ist mir worden laid , ich hab in meinem Sinne : fraw Venus , edle fraw so zart ! ir seind ain teufelinne . « Hierüber entsetzte sich die Herzogin nur um so mehr , so daß sie unwillkürlich ein Kreuz schlug , was sie seit dem Einzug der Alliierten in Paris nicht mehr getan hatte . Tödlich wäre es der Herzogin gewesen , ihren Schnapphahnski zu verlieren ; hätte sie nicht ihren kahlen Kopf gefürchtet , sie würde die Perücke vor Verzweiflung unter die Decke geschleudert haben . Mit den Zähnen konnte sie ebenfalls nicht knirschen , denn , wie unsern Lesern bekannt ist , waren sie mehr ein Produkt des Zahnarztes als der Mutter Natur . Das Rollen der gewaltigen Augen durfte daher einzig und allein den Zorn ihres Innern zu erkennen geben , und dies Augengeroll war entsetzlich : zwei Roulettescheiben glaubte man in wilder Bewegung zu sehn . Vergebens waren aber alle Anstrengungen : der Ritter beharrte auf seinem Vorhaben , und die Herzogin würde sich gewiß mit einer Haarnadel den