lassen kann ; der gerechte Gott wird hoffentlich auch einst mit Ihm thun , was er nicht lassen kann . Hierzwischen aber waren wir beim Schloß ankommen und kaum vom Wagen niedergestiegen , als Dn . Consulso sich einen guten Schwitz gelauffen , auch mit dem Büttel anlangete , und diesem sogleich mein Kind übergab , so daß ich ihr kaum noch valediciren konnte . Blieb also händeringend im Tunklen auf der Dielen stehn und horchete wohin sie gingen , alldieweil ich nicht das Herz hatte nachzufolgen , als Dn . Consul so mit dem Amtshaubtmann in ein Zimmer getreten war , wieder aus der Thüren schauete und dem Büttel nachrief Ream noch einmal wieder anherzubringen . Und als er solches thät , und ich mit in das Zimmer trate , hielt Dn . Consul einen Brief in der Hand , und nachdem er dreimal ausgespucket , hube er an : » willstu noch leugnen du verstockte Hex ? horch mal zu , was der alte Ritter Hans von Nienkerken an das Gerichte schreibt ! « Und hierauf las er uns für : daß sein Sohn also verstürzt sei , über die Sage so die vermaledeiete Hexe auf ihn gethan , daß er von Stund an krank worden wäre , und ihme , dem Vater ginge es auch nicht besser . Sein Sohn Rüdiger , wäre wohl einige Mal , wenn es der Weg so gefüget , beim Pastore Schweidler eingekehret mit dem er auf einer Reise Kundschaft gemachet , schwüre aber , daß er schwarz werden wölle , wenn er jemalen mit der verfluchten Teufelshuren , seiner Tochter , irgend eine Kurzweil oder Narrentheiding betrieben , geschweige Nachts auf dem Berg gewest wäre , und sie dort umbhalset hätte . Auf solche erschröckliche Botschaft fielen wir Beide ( verstehe mein Töchterlein und ich ) zu gleicher Zeit in Unmacht , angesehen wir auf den Junker annoch unsere letzte Hoffnung gesetzet , und weiß ich nicht , was man weiters mit mir fürgenommen . Denn als ich wieder bei mir kam , stund der Krüger Conrad Seep über mir , und hielt mir einen Trichter zwüschen den Zähnen in welchen er mir eine Biersuppen einkellete , und hatte ich mich niemalen elender in meinem Leben befunden , wannenhero Meister Seep mich auch wie ein klein Kindlein ausziehen und zu Bette bringen mußte . Fußnoten 1 wahrscheinlich Mütze . 2 nachgebend . 3 Entweder wohl um seine Verachtung auszudrücken , oder aus einem abergläubischen Bewegungsgrund . 4 Unschuld , was ist Unschuld ? Wo die Begierde gebietet , da hat die Unschuld eine schwache Schutzwehr . - Worte des Cicero , wenn ich nicht irre . 5 Man stand nämlich in dem Wahn , daß , wie der Mensch dem Teufel , so der Teufel dem Menschen sich handschriftlich verpflichte . 6 Denn die Entstehung von dergleichen plötzlichen Ungewittern schrieb man auch den Hexen zu . 7 führt bis auf den heutigen Tag diesen Namen und ist eine Viertelmeile von Coserow entfernt . 8 Storch ; Pogge , plattdeutsch : Frosch . Capitel 20. Von der Bosheit des Amtshaubtmanns und der alten Lisen , item vom Zeugenverhör . Am andern Morgen waren meine Haare so bis dato grau mengliret gewest , ganz weiß wie ein Schnee , wiewohlen mich der Herre sonsten wunderlich gesegnet . Denn umb Tagesanbruch kam eine Nachtigall in den Fliederbusch vor mein Fenster und sange also lieblich , daß ich gleich gläubte sie sei ein guter Engel gewest . Denn nachdeme ich sie eine Zeitlang angehöret , kunnte ich mit einem Mal wieder beten , was ich seit dem Sonntag nit mehr können . Und da nun der Geist unsers Herrn Jesu Christi anhub in meinen Herzen zu schreien : » Abba lieber Vater ! « 1 nahm ich daraus eine gute Zuversicht : Gott wölle mich sein elendig Kind wieder zu Gnaden annehmen , und nachdem ich ihm für so viel Barmherzigkeit gedanket , gewann ich nach langer Zeit wieder eine so erquickliche Ruhe , daß die liebe Sonne schon hoch am Himmel stund , als ich aufwachte . Und dieweil mir noch also zuversichtlich umbs Herze war , richtete ich mich im Bette empor und sang mit heller Stimmen : » Verzage nicht du Häuflein klein ! « worauf Meister Seep in die Kammer trat , vermeinende ich hätte ihn gerufen . Blieb aber andächtig stehen , bis ich fertig war , und nachdem er sich anfänglich über meine schloweißen Haare verwundert , verzählete er , daß es schon bei sieben Uhren wär , item wäre meine halbe Gemein schon allhier bei ihme versammlet , um heute Zeugniß abzulegen , worunter auch mein Ackersknecht Claus Neels . Als ich solches vernommen , mußte der Krüger selbigen alsofort aufs Schloß schicken , umb zu fragen , wann das Verhör anhübe , worauf er die Botschaft brachte : daß man es nit wisse , inmassen Dn . Consul schon heute gen Mellenthin zu dem alten Nienkerken gefahren , aber noch nicht wieder zurücke wär . Diese Botschaft gab mir wieder einen guten Muth und fragete ich den Burschen : ob er auch kommen wär , umb gegen mein arm Kind zu zeugen ? Darauf sagete er : nein , ich weiß Nichtes von ihr denn Gutes , und wollte ich den Kerls wohl was brauchen , aber - Solche Rede verwunderte mich und drang ich fast heftig in ihn mir sein Herze zu offenbaren . Aber er hub an zu weinen und sagte letzlich : er wisse nichtes . Ach er wußte nur zu viel und hätte jetzunder mein arm . Kind retten können , so er gewollt . Aber aus Furcht vor der Marter schwieg er stille , wie er nachgehends bekannte . Und will ich hier gleich einrücken , was ihm diesen Morgen geariviret : Er gehet , umb allein mit seiner Braut zu sein , welche ihm das Geleit geben ( sie ist Steffen seine Tochter von Zempin , verstehe aber nicht den Bauern