daß ihre Tochter in der Lage sei , eine glänzende Heirath entbehren zu können . Dadurch aber kam die arme Jenny von dem ersten Tage an in eine peinliche Lage . Während die Mutter unaufhörlich auf ein gewisses Schaustellen drang , verweigerte Reinhard dies entschieden , und die junge Braut mußte oft beschwichtigend und versöhnend auftreten , worin sie von der Pfarrerin glücklicherweise unterstützt wurde . Schon an dem Tage , an dem das Brautpaar die üblichen Besuche machen sollte , gab es kleine Mißhelligkeiten . Die Mutter hatte ein langes Register derjenigen Personen entworfen , denen die Verlobten sich vorstellen sollten , und ihrem Diener die größte Sorgfalt für die Equipage anbefohlen , als Reinhard erklärte , er begreife nicht , weshalb sie zu einer Menge gleichgültiger Leute fahren müßten , mit denen sie schwerlich in Berührung bleiben würden . Er hoffe , recht bald eine Stelle zu bekommen und die Stadt zu verlassen ; seiner Meinung nach genüge es daher vollkommen , wenn sie die nächsten Verwandten und Freunde der Familie besuchten . Zu diesen könne er mit Jenny hingehen , wolle gleich heute damit anfangen und hoffe , seine Braut ebenso wohlbehalten heimzubringen , als ob sie gefahren wäre . Davon wollte jedoch die Mutter nichts wissen . Sie versicherte , kein Mensch habe jemals Verlobungsbesuche zu Fuß gemacht , und fügte hinzu : Glauben Sie mir , lieber Reinhard , Jenny ist gar nicht im Stande , so weite Wege zu gehen . Ja , das ist freilich übel , erwiderte Reinhard lächelnd ; aber wie soll das werden , wenn wir später keine Equipage haben werden ? Da wird sie sich doch daran gewöhnen müssen ! Jenny , die Reinhard ' s Widerstreben sofort begriff , legte sich ausgleichend in das Mittel . Sie schlug vor , ein Paar der Anstands-Besuche in dem Wagen ihrer Eltern , die andern aber zu Fuß zu machen , und alle Parteien waren für den Augenblick damit zufriedengestellt . Indeß es sollte nicht das letzte Mal sein , daß Jenny ' s Vermittelung nöthig wurde . Zu des Vaters Freude , der das Brautpaar in der Stille mit sorglicher Liebe beobachtete , entwickelte Jenny bei diesen Versuchen , Reinhard ' s und der Ihrigen Wünsche zu vereinen , eine ganz neue Seite ihres Charakters . Sich selbst vergessend , war sie unaufhörlich bemüht , sich den Ansichten der Andern zu fügen , den leisesten Wünschen ihres Verlobten zuvorzukommen . Hatte ein geräuschvoll verlebter Abend ihn unbefriedigt gelassen , so erlangte sie am nächsten Morgen gewiß die Erlaubniß , den ganzen Tag bei der Pfarrerin zuzubringen , um ihm zu zeigen , daß ihr im traulichen Beisammensein mit ihm die reinste Freude erblühe . Dann war Reinhard glücklich ; dann konnte er nicht aufhören sich ihrer zu erfreuen , und es entzückte ihn , wenn sie sich seiner Mutter bereitwillig zu kleinen häuslichen Hülfsleistungen anbot , zu denen sich in ihrem elterlichen Hause , wo eine große Dienerschaft jedes Winkes harrte , die Gelegenheit nicht bot . So sehr sie früher darauf gehalten hatte , auch in Kleinigkeiten ihren Willen zu haben , so fügsam wurde sie jetzt . Einzelne unbedachte Aeußerungen ihrer Mutter ließen sie vermuthen , daß ihre Eltern die Verlobung mit Reinhard als ein großes Opfer betrachteten , welches sie dem Glücke ihres Kindes gebracht hatten . Das bewog Jenny , den Ihrigen nachzugeben so weit es irgend möglich , und machte andrerseits sie noch zärtlicher gegen Reinhard ; denn es that ihr leid um seinetwillen , daß er den Eltern nicht der erwünschteste Sohn unter allen Männern auf der Welt , wie ihr der Geliebteste war . Mit jedem Tage , den sie bei seiner Mutter verlebte , wurde er ihr theurer und verehrungswürdiger . Sein reicher Geist , seine unbestechliche Gradheit zeigten sich in all ihrem Glanze , wenn er sich ohne Rückhalt gab . Oft , wenn er sich dann in süße Schwärmereien verlor , hörte sie mit einer Andacht , mit einer Erhebung zu , von der die Pfarrerin innig gerührt war . So , sagte sie einst zu ihrem Sohne , mag Maria zu den Füßen des Herrn gesessen haben , und Jenny bemerkte lächelnd : Mehr als ich ihn liebe , liebte auch gewiß Maria den Herrn nicht . Das vollkommenste Einverständniß herrschte unter den Liebenden , und selbst der Vater gewann Vertrauen für die Zukunft seiner Tochter . Man war seit Jenny ' s Verlobung daran gewöhnt , sie mehrere Tage der Woche der Pfarrerin zu überlassen . Damit nun den Eltern dieses Entbehren ihrer Tochter nicht zu empfindlich werde , hatte man Therese eingeladen , an jenen Tagen Jenny ' s Stelle bei der Mutter zu ersetzen , und man kam schließlich überein , Therese für den Sommer , den die Familie auf ihrem Gute zuzubringen gewohnt war , als Hausgenossin mit hinaus zu nehmen . Auch die Pfarrerin wollte dann die Stadt verlassen , um einige Zeit bei einer Freundin zu verleben . Deshalb strebte man jetzt , jemehr der Winter sich zu Ende neigte , die letzte Zeit vor dieser kleinen allgemeinen Auswanderung noch recht mit Bewußtsein zu genießen . Durch Hughes und Clara war der engere Kreis der Hausfreunde im Laufe des Winters vergrößert worden , nachdem Clara , wenn auch nur schwer , die Erlaubniß erlangt hatte , Eduard ' s Familie in Begleitung ihres Vetters öfters wiederzusehen . Erfreut durch diese Erlaubniß , die ebenso sehr William ' s Liebe für Clara entsprach , als seiner Freundschaft für die Familie Meier , warf William sich zum Protector dieses neuen Verhältnisses auf . Er stellte der Commerzienräthin vor , wie es gerade ihr , einer der vornehmsten Damen der Stadt , wohl anstände , ein Beispiel zeitgemäßer Bildung zu geben , indem sie allem Gerede zum Trotz , Jenny und Clara , die einander sehr zusagten , auch ungestört mit einander umgehen lasse . Sie haben früher den Doktor Meier zu Ihrem Arzte gewählt ,