und klug ! sollten Sie sich examiniren lassen , würden Sie auch vielleicht nicht bestehen . « » Das käme noch darauf an « - entgegnete sie unverzagt . » Und « - sagte Mario - » sich nicht verblüffen zu lassen ist gewiß eine eben so wichtige als richtige Regel darüber . Wenigstens einmal hab ' ich mich bei deren Befolgung mit Ruhm bedeckt . Ich wurde mit drei Gefährten examinirt . Alles ging charmant , bis der Examinator nach der Tages- und Jahreszahl irgend eines obscuren Edicts fragte . Nur zufällig hätte man dies behalten und beantworten können . Meine Gefährten schwiegen . Es ist aber doch allzu verdrießlich , wenn ein Mensch viermal fragt ohne eine Antwort zu bekommen : also nannte ich tapfer ein Datum , als ich gefragt wurde . Da sagte der Examinator sehr bedächtig : Es ist zwar nicht dieser Monatstag , sondern jener , und auch nicht diese Jahreszahl , sondern jene , welche das Edict bezeichnen ; aber man sieht doch ! « » Aber man sieht doch , « rief Faustine und klatschte fröhlich in die Hände , » wie leicht es ist , mit einiger Geistesgegenwart gut zu bestehen . « » Aber man sieht doch , « sagte Clemens , » wie leicht es ist , den Leuten Sand in die Augen zu streuen . « » Ja , « antwortete sie , » auf die Manier und die Manieren kommt freilich sehr viel an . « » Das sollten oberflächliche Menschen sagen dürfen , aber Sie nicht ! Sie müssen auf das Wesen sehen . « » Sehr gern ! sobald das Wesen ein goldener Apfel in silbernen Schaalen ist - wie es in der Bibel heißt . Ist aber der goldene Apfel in ein Igelfell gewickelt , so bin ich verwundet und abgeschreckt beim Anfassen , und tröste mich nur allmälig durch den Gedanken an den köstlichen Inhalt . Was soll mich aber trösten , wenn ein gemeiner , rothbäckiger , saurer Apfel im Igelfell liegt ? nehme er ein Silberflor-Mäntelchen von guten Manieren um , so wird er zwar nicht sonderlich genießbar , allein doch recht gut anzuschauen sein . Gute Manieren sind meine gebornen Freunde ; wo ich sie finde , werd ' ich mich - nicht immer heimisch , das liegt in einer andern Sphäre - jedoch nie unheimlich fühlen . Schlechte Manieren sind meine gebornen Tyrannen , machen mich zaghaft , machen mich bald übertrieben höflich , um auf meiner Seite doppelte Schranken zu haben , und bald so ungeduldig , daß ich rufen möchte : Geht zu Gevatter Schneider und Handschuhmacher , mit denen ihr zu verwechseln seid . « » Und was nennen Sie schlechte Manieren haben ? « » Eben verwechselbar mit Gevatter Schneider und Handschuhmacher sein « - sagte Faustine gelangweilt , und Clemens beruhigte sich ; denn das paßte nicht auf ihn . Feldern wollte sein Cunigunden gegebenes Wort erfüllen . Er bat Faustine um die Gnade , seiner Braut zuweilen ihre Gesellschaft zu gönnen . Er sagte : » Ich bin des günstigsten Einflusses Ihres lichten Wesens auf das krankhaft sentimentale meiner Braut gewiß . « Faustine sah ihn scharf an und erwiderte : » Sie scheinen mir bestimmte Grenzen setzen zu wollen ; aber Sie sollten wissen , daß ich mich denen nicht füge , ohne sie wenigstens im vollen Umfang zu kennen . Erwarten Sie etwas Bestimmtes von mir , wie z.B. daß ich Fräulein Stein einige Anleitung in der Malerei gebe , oder dergl. , so sagen Sie es nur gerade heraus ; ich werde es gern thun . « » Cunigunde malt nicht , « entgegnete Feldern , » und überhaupt ist es nicht ein Lehrmeister , den sie in Ihnen finden möchte , sondern eine Freundin . « » Wer das in mir sucht , dem komme ich entgegen mit vollem , offnem Herzen , und ich bin Fräulein Stein im Voraus dankbar für ihr Zutrauen . Aber , mein bester Feldern , vergessen Sie nicht , daß ich nicht die Person bin , welche je ihre Meinung zurückhält , und daß , wenn man mich um Rath fragt , keine Rücksichten mich hindern , ihn nach meiner Ueberzeugung zu ertheilen . « Hätte Feldern den Muth gehabt , Faustinen sein gespanntes Verhältniß zu Cunigunden offen darzulegen , so hätte sie ihn beschworen , die widerstrebende Braut fahren zu lassen , und auf keinen Fall sie selbst mit einer Person in Verbindung zu setzen , deren Ansichten sie theilte . Aber Feldern beharrte in seinem Eigensinn , Cunigundens Benehmen als eine nervöse Sentimentalität zu betrachten , welche der Zerstreuung , der freundlichen Theilnahme , der rückkehrenden Jugendkraft weichen würde . Wich sie - warum sollte er vorschnell Fremde von der obwaltenden Spannung unterrichten ? Wich sie nicht - und diesen Fall mochte er kaum sich selbst heimlich gestehen - so erfuhr das Publikum ja immer früh genug den eclatirenden Bruch . - Jetzt setzte er ihr aber nur auseinander , wie anmuthig und belebend ihr Umgang für ein junges kränkelndes Mädchen sein müsse , dem in einer beschränkten Häuslichkeit , bei einer strengherrschenden Mutter und einem schwachen , geistlosen Vater , solcher Verkehr durchaus entzogen sei . Faustinens Sympathie ward rege . Cunigunde kam ihr wie ein Echo ihres eignen Wesens vor . Ungeduldig , wie sie war , rief sie endlich : » Nun , ich sehe ihr mit derselben Theilnahme entgegen , die sie für mich geäußert hat ! bringen Sie nur recht bald sie zu mir . « Cunigunde war entzückt durch diese Botschaft , welche Feldern am Nachmittag ihr hinaustrug , Frau von Stein zufrieden , daß doch irgend etwas im Stande sei , die Tochter aus der unnatürlichen Gleichgültigkeit aufzurütteln , und Herr von Stein sehr gern bereit , mit ihr nach Dresden zu fahren und ihr ein kleines Amüsement zu verschaffen . Faustine dankte in ihrer Seele dem Himmel , der ihr so gnädig von