engen Familienkreise desselben , mit der sanften , schönen , aber oft leidenden Gemahlin des Grafen , mit den hoffnungsvollen Kindern , die , sobald er sich zeigte , ihn jauchzend umtanzten . Aber wie ganz anders noch war es , wenn Fürst Andreas zu Hause ihn Sohn nannte , wenn sogar Eudoxia , den Strumpfwirker ganz vergessend , zwischen ihm und ihren eignen Kindern keinen Unterschied merkbar werden ließ ! wenn beiden im lebhaften Gespräche so manche Äußerung über seine Zukunft entschlüpfte , so manche Andeutung einer nahenden , alle seine Erwartungen übertreffenden glänzenden Zeit ; dann wußte er kaum sein in kühner Hoffnung hochaufschwellendes Herz zu bemeistern . Selbst in Gegenwart ihrer Eltern gestaltete sein Umgang mit Helena sich immer zwangloser und freier , mit dem vollen Ausdrucke innern Glücks trat sie stets ihm lächelnd entgegen . Aus Furcht vor sich selbst wußte er dem Vorgefühle , das sich seiner ganz bemächtigte , und das er doch als allzu kühn verdammen mußte , keine Worte zu geben . Doch sein fragender Blick suchte Antwort in den Augen seiner brüderlichen Freunde , denn auch Alex war jetzt der Vertraute seiner Liebe geworden . Alex reichte ihm die Hand , Eugen drückte ihn an die treue Brust ; beide schwiegen . Es ist ein Traum ! ein himmlisch schöner Traum ! o Gott , laß das Erwachen mich nicht erleben , lieber den martervollsten Tod ! seufzte er oft , wenn sein Glück , wie eine schwere Bürde , auf seinem ahnungsvollen Herzen lastete . Helena , wenn sie mit Richard allein war , gab jetzt oft und geflissentlich dem Gespräche eine sehr ernste , auf die Lieblings-Ideen ihres Vaters Bezug habende Wendung , von denen auch sie ganz erfüllt war . Auch Eudoxia , ungeachtet ihrer festen Überzeugung von dem in der Natur begründeten Unterschiede zwischen hoch und niedrig Gebornen , nahm lebhaften Antheil daran ; die ihr angeborne Herzensgüte gewährte ihr eine Art Trost in dem Gedanken , das Unglück der Letztern durch Verbesserung ihrer bürgerlichen Zustände einst mildern zu können . Öfter , offener , umständlicher als je zuvor ließ ihr Gemahl im engen Kreise seiner Familie und seiner Vertrautesten , zu denen natürlicher Weise auch Richard und Stephan gehörten , über alles , was sein Gemüth seit Jahren erfüllte , sich aus ; die Gegenwart der Frauen dabei vergessend , streifte er bisweilen ganz nahe an das Geheimniß des Bundes , ohne es jedoch zu verletzen . Eudoxia suchte oft Gelegenheit , mit Richard über die nämlichen Gegenstände sich zu unterhalten , um manches , was ihr nicht recht deutlich geworden , sich erklären zu lassen . Mutter und Tochter äußerten sich zuweilen auf eine Weise , die gewissermaßen einige Kenntniß von dem geheimen Bunde verrieth . Wissen die Frauen ? fragte , durch alles dieses zweifelhaft geworden , Richard seinen Eugen . Wissen ? erwiederte Eugen lächelnd , die Frage ist schwer zu beantworten . Wissen - was man so eigentlich wissen nennen kann - das gewiß nicht , und das kannst Du auch mit Deiner Frage nicht meinen . Aber Frauen sind nun einmal ihrer Natur nach die ächten wahren Inspirirten , das ist ein von den Göttern ihnen Gegebenes . Sie haben nicht nöthig etwas zu lernen oder zu erfahren , um es zu wissen ; auch wissen sie eigentlich meistens blutwenig , aber sie ahnen alles ; die Ungebildeteren unter ihnen nennen das im gemeinen Leben : merken . Indessen sehe ich doch nichts Außerordentliches darin , daß meine Mutter und Schwestern sich lebhaft für Dinge interessiren , über welche sie meinen Vater täglich sprechen hören . Geh ' nur , Richy , geh ' , Du machst mir nichts mehr weiß ; Du hast kein Herz für mich , wie ich für Dich es habe . Du hast sehr viel Verstand , Du bist sehr klug , sehr gelehrt , der arme Iwan ist das alles nicht . Aber ich trage mein Herz auf meiner Hand ; ich bin nicht geheimnißvoll wie Du ; aber wer mich liebt , den liebe ich wieder , und der kann sich auf mich verlassen , in jeder Gefahr . Gieb Dir keine Mühe , rede mir nichts ein , es hilft Dir nichts ; fuhr Iwan fort , als Richard versuchen wollte , seinen schmollenden Freund zu versöhnen , den seit geraumer Zeit etwas vernachlässiget zu haben , er sich bewußt war . Ich weiß Du traust mir nicht , aber Du sollst erfahren , daß auch Iwan schweigen kann . Hinterm Berge wohnen auch Leute , und es ist noch nicht aller Tage Abend . Ich weiß mehr als Du glaubst , aber fürchte Du nur nichts von mir , geh ' Du nur ruhig zu Deinen Kneesen und Grafen . Warum sieht man Dich nicht mehr bei unserm Kapellmeister ? schalt Iwan weiter , ohne auf Richards Entschuldigungen hören zu wollen ; ist es recht , ist es billig , brave Leute , die Dich herzlich lieb haben , einen Abend nach dem andern vergeblich auf sich warten zu lassen ? Julie ist sehr schlecht auf Dich zu sprechen , Frau Karoline auch . Lange , die ehrliche Seele , nimmt allein noch Deiner sich an , und weiß immer noch etwas aufzufinden , das Dich entschuldigen soll . Nun wie steht es , kommst Du heute Abend ? Heute , gerade heute Abend ? stotterte Richard verlegen . Du kommst nicht , das habe ich mir schon gedacht , lachte Iwan spottend . Nun gleichviel , heute Abend sehen wir uns doch . Das wird kaum möglich sein , erwiederte Richard etwas kleinlaut ; dringende Geschäfte - aber nächstens , morgen Abend gewiß . Ich fühle ordentlich eine Sehnsucht , mich von Frau Karolinen ausschelten zu lassen ; wie die liebe Sonne nach einem derben Gewitterregen , zeigt auch sie sich hernach nur um so wärmer und freundlicher . Also morgen , lieber Iwan , morgen Abend . Morgen halte es