wenn er nur in den nächsten vierzehn Tagen keinen tätlichen Anteil an dem Kampfe gegen den Bund nahm ; aber er fühlte , welch nachteiliges Licht es dennoch auf ihn werfen müßte , in dieser Gegend , so weit von dem Weg nach seiner Heimat aufgegriffen zu werden , und dazu noch in Gesellschaft eines Mannes , der den Bundesobersten sehr verdächtig , sogar gefährlich geschienen hatte . Umzukehren war keine Möglichkeit , denn es ließ sich beinahe mit Gewißheit annehmen , daß die Bundestruppen bereits die ganze Breite der Alb eingenommen haben ; das sicherste schien , sich zu beeilen , über die äußersten Posten des Heeres hinauszukommen ; man hatte dann die Gefahr im Rücken , vor und neben sich aber freie Bahn . Das sonst so muntere Tier , das seinen Herrn über diese Gefahren hinaustragen sollte , hing die Ohren ; die große Eile und die ermüdenden , steinigen Fußpfade hatten seine Kraft geschwächt ; zu seinem großen Verdruß bemerkte Georg sogar , daß es auf dem linken Vorderfuß nicht gerne auftrete , was nach einem achtstündigen Weg über scharfe , eckigte Felsen nicht zu verwundern war . Der Bauer bemerkte die Verlegenheit des Junkers ; er untersuchte das Tier , und riet , es noch einige Stunden stehen zu lassen , gab aber zugleich den Trost , er seie der Gegend so kundig , daß sie eine große Strecke in der Nacht zurücklegen können . XIV Es ziehen vom Schwabenbunde Die Jäger durchs Gefild , Die spüren in die Runde Nach einem Fürstenwild . G. Schwab Der junge Mann ergab sich in sein Schicksal , und suchte Zerstreuung in der lieblichen Aussicht , die sich noch bei weitem herrlicher seinen Augen öffnete , als ihn der Bauer etwa fünfzig Schritte höher geführt hatte . Sie standen auf einer Felsenecke , die einen schönen Ausläufer der Schwäbischen Alb begrenzte . Ein ungeheures Panorama breitete sich vor den erstaunten Blicken Georgs aus , so überraschend , von so lieblichem Schmelz der Farben , von so erhabener Schönheit , daß seine Blicke eine geraume Zeit wie entzückt an ihnen hingen . Und wirklich , wer je mit reinem Sinn für Schönheiten der Natur , ohne himmelhohe Alpen , ohne Täler wie das Rheingau zu suchen , die Schwäbische Alb bestiegen hat , dem wird die Erinnerung eines solchen Anblickes unter die lieblichsten der Erde gehören . Man denke sich eine Kette von Gebirgen , die von der weitesten Entfernung , dem Auge kaum erreichbar , durch alle Farben einer herrlichen Beleuchtung von sanftem Grau , durch alle Nüancen von Blau , am Horizont sich herzieht , bis das dunkle Grün der näher liegenden Berge mit seinem sanften Schmelz die Kette schließt . Auf diesen Gipfeln eines langen Gebirgsrücken erkennt das Auge Schlösser und Burgen ohne Zahl , die wie Wächter auf diese Höhen sich lagern und über das Land hinschauen . Jetzt sind ihre Türme zerfallen , ihre stattlichen Tore sind gebrochen , den tiefen Burggraben füllen Trümmer und Moos , und die Hallen , in welchen sonst laute Freude erscholl , sind verstummt , aber damals , als Georg auf dem Felsen von Beuren stand , ragten sie noch fest und herrlich ; sie breiteten sich wie eine undurchbrochene Schar gewaltiger Männer zwischen den Heldengestalten von Staufen und Hohenzollern aus . » Ein herrliches Land dieses Württemberg « , rief Georg , indem sein Auge von Hügel zu Hügel schweifte ; » wie kühn , wie erhaben diese Gipfel und Bergwände , diese Felsen und ihre Burgen ; und wenn ich mich dorthin wende gegen die Täler des Neckars wie lieblich jene sanften Hügel , jene Berge mit Obst und Wein besetzt , jene fruchtbaren Täler mit schönen Bächen und Flüssen , dazu ein milder Himmel und ein guter , kräftiger Schlag von Menschen . « » Ja « , fiel der Bauer ein , » es ist ein schönes Land ; doch hier oben will es noch nicht viel sagen , aber was so unter Stuttgart ist , das wahre Unterland , Herr ! da ist es eine Freude im Sommer oder Herbst , am Neckar hinabzuwandeln ; wie da die Felder so schön und reich stehen , wie der Weinstock so dicht und grün die Berge überzieht , und wie Nachen und Flöße den Neckar hinauf- und hinabfahren , wie die Leute so fröhlich an der Arbeit sind , und die schönen Mädchen singen wie die jungen Lerchen ! « » Wohl sind jene Täler an der Rems und dem Neckar schöner « , entgegnete Georg , » aber auch dieses Tal zu unsern Füßen , auch diese Höhen um uns her haben eigenen , stillen Reiz ; wie heißen jene Burgen auf den Hügeln ? sage , wie heißen jene fernen Berge ? « Der Bauer überblickte sinnend die Gegend , und zeigte auf die hinterste Bergwand , die dem Auge kaum noch sichtbar aus den Nebeln ragte . » Dort hinten zwischen Morgen und Mittag ist der Roßberg , in gleicher Richtung herwärts , jene vielen Felsenzacken sind die Höhen von Urach . Dort , mehr gegen Abend ist Achalm , nicht weit davon , doch könnt Ihr ihn hier nicht sehen , liegt der Felsen von Lichtenstein . « » Dort also « , sagte Georg stille vor sich hin , und sein Auge tauchte tief in die Nebel des Abends , » dort wo jenes Wölkchen in der Abendröte schwebt , dort schlägt ein treues Herz für mich ; jetzt auch steht sie vielleicht auf der Zinne ihres Felsens und sieht herüber in diese Welt von Bergen , vielleicht nach diesem Felsen hin . O daß die Abendlüfte dir meine Grüße brächten , und jene rosigen Wolken dir meine Nähe verkündeten ! « » Weiter hin , Ihr sehet doch jene scharfe Ecke , das ist die Teck ; unsere Herzoge nennen sich Herzoge von Teck , es ist eine gute feste Burg ; wendet Eure Blicke hier zur Rechten ,