aufs neue gefesselt von irdischen Banden , sie wieder zusammen legen muß ? « fragte Fräulein Silberhain ; » ach ! wir wissen vielleicht nicht , welch ein Unrecht wir thun , « fuhr sie fort , » wenn wir uns der anscheinenden Genesung unsrer Freunde freuen ! Was ist denn längeres Leben anders als längeres Harren . « » Liebe Silberhain , « fiel Eugenia ein , » Gabriele und wahrscheinlich die mehresten Leute harren doch recht gern , so lange als möglich , denn in den himmlischen Freudensaal kommen wir alle zeitig genug . Aber einer Reise nach Italien entsagen zu müssen , wenn schon beinahe der Wagen vor der Thüre steht , das ist ein Unglück , von dem ich gar nicht begreife , wie man es überlebt , ohne wenigstens vor Verdruß darüber den Verstand zu verlieren . Armes , armes Kind ! warum mußten Sie auch so ganz zur unrechten Zeit von dem bösen Fieber befallen werden ! Sie dauern mich ungeheuer , ach ! und hätten Sie nur , wie ich , die Glücklichen abfahren gesehen ! Ehegestern ging es fort , gleich am frühen Morgen nach dem Hochzeittage . Das junge Ehepaar fuhr allein , in einem ganz neuen , delizieusen , englischen Wagen ; den Platz in der Batarde der Gräfin , der Ihnen bestimmt war , nahm Aureliens Bella ein . Das ist pikant , nicht wahr ? gewiß niemand darf es Ihnen verdenken , wenn sie ein wenig mit dem Schicksal grollen , es spielt Ihnen warlich dießmal übel mit . « » Soll ich dich nicht auf dein Zimmer führen ? « fragte ängstlich Auguste ; aber Gabriele bestand darauf , da zu bleiben , versicherte , sich sehr wohl zu befinden , und bat die Gräfin Eugenia um nähere Nachricht von der Tante und Aurelien . » Von beiden bringe ich Ihnen tausend Abschiedsgrüße , « sprach Eugenia , » ich kam erst gestern Abend von Rosenhain wieder zu Hause , denn einem alten gegenseitigen Versprechen zu Folge , mußte ich Aurelien als Brautführerin zum Altar geleiten . Es war recht gut , daß ich gleich mitreisen konnte , da Sie zu Hause bleiben mußten , liebe Gabriele ! Die Gräfin und Aurelia hätten sich sonst in Rosenhain vielleicht zu oft allein gefühlt , denn Ottokar machte sich sehr selten . Geschäfte und Reiseanstalten hielten ihn fern von uns , sagte man . Ueberhaupt hat er , meiner Meinung nach , als Bräutigam an Amabilität nicht gewonnen ; vielleicht kommt das im Ehestande nach . So lange ich jetzt in Rosenhain mit ihm zusammen lebte , war er wenigstens - maussader als je - möchte ich sagen , wenn ich mich nicht hier vor den strafenden Blicken der Mamma Willnangen fürchtete , die von jeher diesem ihrem lieben Schooßkinde in allen seinen Arten und Unarten gefälligst nachzusehen gewohnt ist . « » Schelten Sie den Grafen nicht , weil er nicht leichtsinnig den wichtigsten Schritt seines Lebens vollbrachte , « sprach Fräulein Silberhain . » Ach ! wer müßte nicht in einem solchen Zeitpunkte sich und sein Gemüth in der tiefsten Stille zu heiligen suchen ! Lehrt uns nicht die schöne Geschichte vom jungen Tobias « - - - » Ob Ottokar so fromm ist , wie der junge Tobias , oder wie Sie , liebe Silberhain , ihn sich denken , weiß ich nicht ; « unterbrach Eugenia das Fräulein ! » aber langweilig genug war er wenigstens . Ich schiebe alles dieß einzig auf die Luft , die um jene Zeit im Rosenbergschen Hause höchst perniziö ' s gewesen seyn muß . Unsre liebe kleine Gabriele erkrankte ja auch am Verlobungs-Abend , und Ottokar muß ebenfalls zur nehmlichen Stunde von einem besondern Schwindel ergriffen worden seyn ; denn er plantirte beim Soupé nicht nur die Gesellschaft , - das hätte noch hingehen mögen , aber auch die zärtliche Braut , die neben einem leeren Stuhl sitzen mußte . Sein Lorenz erschien zwar , wie wir uns schon an der Tafel rangirten , mit einer sehr lahmen Entschuldigung seines Herrn , der plötzlich höchstwichtige Briefe erhalten haben sollte , aber der naseweise Mensch schnitt zu dieser Entschuldigung ein so pfiffig hämisches Gesicht , daß alle merken mußten , woran sie waren ; selbst die , welche nicht wie ich daran dachten , daß Mittwochs keine einzige Post hier eintrifft . « Frau von Willnangen verging fast vor Angst um Gabrielen bei diesem Gespräch , vergebens bemühte sie sich , ihm eine andere Wendung zu geben , oder doch wenigstens Gabrielen zum Fortgehen zu bewegen . Diese wollte keinen ihrer sie dazu einladenden Winke verstehen , und sowohl Fräulein Silberhains Lust am Fragen , als Eugeniens Lust am Antworten ließen die Unterhaltung nicht fallen , welcher Gabriele mit der gespanntesten Aufmerksamkeit zuhörte . » Nie in meinem Leben habe ich eine einer wandelnden Leiche so ähnliche Gestalt gesehen , als Ottokar beim Antritt der Reise nach Rosenhain , « sprach Eugenia weiter . » Gewiß ! er war sehr krank , denn solche Todtenblässe , solche trübe , zugeschwollne Augen , solche Veränderung in allen Zügen finden sich über Nacht bei keinem Gesunden ein . Auch in Rosenhain wankte er so schattenähnlich umher , daß ich jeden Morgen zu hören fürchtete , er sey in der Nacht zum Tode erkrankt . Die Gräfin war deshalb in nicht geringerer Besorgniß als ich , allein er hielt sich aufrecht . Uebrigens , wie gesagt , war er am Tage kaum sichtbar , wichtige Arbeiten fesselten ihn in seinem Kabinete , wie es hieß , obgleich ich nicht begreife , was sein Hof jetzt gerade mit Italien , wohin er gesendet wird , so wichtiges zu verhandeln haben kann . Auch die Gräfin wunderte sich gewiß im Stillen darüber , aber sie kennen ihre Art , sich zu verbergen , und immer dasselbe Gesicht zu behalten . Mir schien es , die Wahrheit zu sagen , als ob die Depeschen ,