gegangen , um mir Kunde von Dir zu verschaffen und dies neben mir liegende , ungeheure Pack Geschriebenes sicher in Deine Hände zu befördern . Bis dahin muß ich schon fortfahren . Ein günstiges Geschick wird es wohl zu Deinen Händen bringen . O tätest Du doch ein Gleiches ! Ich kann mir das Leben und Treiben in Paris kaum mehr denken , es ist bei uns alles so ganz anders . Kein Schauspiel , keine Maskeraden , wenig kirchliches Gepränge , wenig Musik , aber viel Familienfeste , viel Teezirkel , häufiges Spazierengehen und -fahren . Die Gegend ist schön , der Winter gemäßigt , wie in dem südlichsten Frankreich . Bald wird er ganz von uns scheiden , und dann muß die Landschaft entzückend sein , wenn mit dem ernsten Grün der Zedern und Tannen sich das helle Laub des Platanus und der zahllosen Nußbäume mischt . Als ich hier ankam , hatte das Ganze schon ein falbes und bräunliches Ansehn . Ich freue mich wie ein Kind über das Aufkeimen der jungen Pflanzenwelt , immer war sie es , wohin ich mich flüchtete , wenn das Leben mich zu rauh berührte . Hier duftet mir heilender Balsam für jede Wunde , und der Odem des Friedens haucht durch die zarten Halme und Blüten . Überall in der belebten Natur zeigt sich das widrige Bild der kämpfenden Leidenschaften ; nur die Pflanzen blühen friedlich beisammen , liebend sich zueinander neigend und strebend , sich mit zarten Ranken zu umarmen . Darum sei mir gegrüßt , freundliche Blumenwelt , ihr säuselnden Bäume und ihr zarten Halme des Grases , zwischen welchen ich so oft stundenlang lagerte und mit inniger Lust den Wanderungen kleiner glänzender Käferchen , dem Spiel bunter Schmetterlinge zusah und mich und die übrige Welt vergaß . Nirgend auf dem Erdenrund kann Virginia unglücklich sein , wo sie frei und die Natur nur nicht ganz öde ist . Der Mensch macht so viel Anstalten , um glücklich zu sein , und er bedarf so wenig ! Noch keine Nachricht von Dir , und der Frühling ist schon in seiner vollen Pracht bei uns eingezogen . Man hat um meinetwillen ein sehr malerisch gelegenes Landhaus unweit der Stadt bezogen , und fast bin ich froh wie einst an der Durance . Den größten Teil des Tages bin ich mit meiner Philippine allein , weil der Vater nicht das Comptoir , die geschäftige Mutter nicht das Hauswesen verlassen mag . William besorgt die Befrachtung seines Schiffes , mit welchem er wieder nach Europa zu segeln gedenkt , da der Friede so gut als abgeschlossen ist . Nach Tische aber versammelt sich die ganze Familie , dann und an Feiertagen werden köstliche Spazierfahrten am Delaware oder am Schamuny gemacht und Besuche auf mancher freundlichen Pflanzung . Morgens schwärme ich oft mit Philippinen umher und kehre , wenn wir ermüden , auf dem Meierhofe eines ehrlichen Quäkers oder auf der kleinen Besitzung eines Negers ein , wo wir , ohne Unterschied , mit gleicher Herzlichkeit empfangen werden . Die schwarzen Pflanzer stehen an Betriebsamkeit den Weißen nicht nach und werden ihnen nach fünfzig Jahren vielleicht an Vermögen ziemlich nahekommen , da sie fleißig die Schulen zu besuchen anfangen und ihre Bildung in der Nähe der Städte merklich fortschreitet . Unfern Paris würde es wohl sehr auffallen , zwei junge Mädchen , im Morgenkleide und im Sonnenhute , durch Felder und Gehölze streifen zu sehen ; hier ist dies , Dank sei den schuldlosen Sitten des Landes , gar nichts Ungewöhnliches . Die treuherzigen Pennsylvanier grüßen uns überall mit freundlicher Unbefangenheit und reden uns mit dem vertraulichen Du an , welches ich so gern höre , weil ich es in meiner Kindheit so allgemein vernahm . Philippine hat sich mit leidenschaftlicher Liebe an mich gehängt , und ich umfasse das holde Mädchen mit schwesterlicher Zärtlichkeit , freilich nicht in dem Sinne , wie es die Familie zu erwarten scheint . Überhaupt ist dies die Kehrseite meines sonst so glücklichen Lebens , daß man etwas voraussetzt , wovon ich mich noch weit entfernt fühle . Der Vater ist voll Eifer für die Benutzung meines Vermögens , macht dabei so listige Anmerkungen , nennt mich oft sein liebes Töchterchen und gibt mir zu verstehen , daß ich einst um das Dreifache reich sein würde . Die geschäftige Mutter schürt noch emsiger zu und spricht oft schon weitläufig über künftige häusliche Einrichtungen . Der arme William ist dabei auf Kohlen und wendet all seinen Fleiß an , solche Gespräche abzubrechen , weshalb er manches unwillige Gesicht von der Mutter erhält , wenn er den Fluß ihrer Rede unterbricht . Es ist ein kleiner Sturm zu befürchten . William hat schon erklärt , daß er nächstens in See gehe , aber man rechnet darauf , er werde zuvor noch eine Verbindung mit mir unauflöslich machen . Was wird man aber sagen , wenn man sieht , daß dies nicht der Fall ist ? was , wenn man erfährt , daß ich eine große Reise nach Washington und von da zu den Seen und dem Niagara zu machen gedenke ? William , welcher gern auf alles eingeht , was mir Freude macht , hat zu dieser Reise schon im stillen die besten Anstalten getroffen . Er gibt mir seinen eigenen Bedienten mit , einen treuen und erfahrenen Menschen , welcher schon einen großen Strich jener Gegenden durchreist ist , dann zwei ehrliche Schwarze , auf welche er sich verlassen kann , Vater und Sohn . Der Vater , John , war in seiner früheren Jugend als Sklave in Virginien , entlief damals seinem strengen Herrn und geriet zu den Wilden , welche ihn aufnahmen . Er war sechs Jahr unter ihnen und lernte ihre Sprache und ihre Sitten vollkommen . Im Kriege zog der Stamm , bei welchem er sich befand , den Engländern zu Hülfe , wurde aber in einem Gefechte mit den Amerikanern zerstreut , und John geriet auf seinem Irrwege nach Pennsylvanien , wo