sie sich , vor dem Anblick der Sonde erschreckend , die er aus seiner Instrumententasche hervorzog . Sie warf , als sie , von Linovsky begleitet , hinweg ging , noch einen Blick so voll innigem Mitleids und rührender Theilnahme auf Alexander , daß dieser wie durch Tropfen eines himmlischen Elixirs seine gesunkenen Kräfte gehoben fühlte , und es ihm ein freudiges Spiel ward , sich nun den schmerzhaften Untersuchungen des Arztes zu unterwerfen . Der Wechsel so stürmender , die innerste Lebenskraft aufreibender Gemüthsbewegungen machte mehr noch als seine Wunden seinen körperlichen Zustand bedenklich . Ein heftiges Fieber wüthete in seinem Blute , und der Arzt erklärte , daß einige Tage der tiefsten Ruhe durchaus erst dem Versuch vorausgehen müßten , ihn nach einem anderen Aufenthalt zu bringen . Nicht gern ließ sich Alexander dies gefallen . Die widerwärtige Ueberzeugung , Linovsky unwillkommen zu seyn , die sein abstoßendes Betragen ihm aufgedrungen hatte , beleidigte seinen Stolz , und machte , daß er trotz Erna ' s wohlthuender Nähe sich hinweg sehnte . Und selbst diese Nähe , die ihm den Pfeil des Schmerzes nur immer tiefer in die gespaltene Brust drückte , mußte sie ihm nicht , den Eindruck ihrer Liebenswürdigkeit immer unauslöschlicher machend , das Loos der Mücke , die das Licht umflattert , in seinem Schimmer sich wärmen will , und , von der gefährlichen Flamme in Asche verwandelt , dahin sinkt , als Sinnbild seines eigenen Schicksals , im Spiegel der Zukunft zeigen ? Alle seine Einwendungen wurden jedoch durch den Ausspruch des Arztes , daß er ohne Gefahr der Verschlimmerung seines Zustandes nicht hinweg gebracht werden könne , widerlegt , und da Erna ihn mit der ihr eigenen , lieblichen , herzgewinnenden Weise bat , sich doch zu gedulden , und ihr die Freude zu gönnen , durch ihre Pflege zu seiner Erholung beitragen zu dürfen , auch Linovsky , nachdem er sich etwas gesammelt hatte , eine etwas wohlwollendere Außenseite zeigte , als vorher , so ergab er sich , wiewohl ein unglückweissagendes Gefühl in seiner Seele ihn mahnte , daß schleunige Flucht heilsamer für ihn als Bleiben sei . Denn immer neue , immer achtungswerthere und anziehendere Eigenschaften entfalteten sich in ihrem stillen Thun und Wirken , das er als Hausgenosse unbeobachtet übersehen konnte , und zwar nicht um dadurch glänzen zu wollen , sondern unwillkührlich wie die Blume ihren Duft ausströmt , verbreitete sie allenthalben , wohin ihr milder Einfluß drang , Ruhe , Anmuth und den Zauber gefälliger Ordnung . Es war ihm immer höchst lächerlich und widerlich gewesen , wenn er ein weibliches Geschöpf die häuslichen Geschäfte mit Geräusch und Anmaßung verrichten , und sich etwas darauf einbilden sah , eine gute Hausfrau zu seyn . Die meisten dieser dahin gehörigen Dinge sind denn auch so mechanisch , daß selbst der gewöhnlichste Verstand sie begreifen kann - warum sollte es der Eigenliebe schmeicheln , sie zu wissen ? Sie sind ferner so nothwendig , daß sie sich als materielle Basis des Lebens nicht entbehren lassen , und es gereicht den Frauen entweder zur Schande , oder doch gewiß zum Nachtheil , unerfahren in ihnen zu seyn . Aber die Fertigkeit , ihr Haus und die ihnen anvertraute Einnahme gut zu verwalten , giebt ihnen noch keinen Anspruch auf Bewunderung ; denn sie ist nur die Ausübung einer untergeordneten , wiewohl unerläßlichen Pflicht , der vor Allem der Schleier sanfter Bescheidenheit ziemt . Wie ganz anders als so viele Frauen , die er in dieser Hinsicht beobachtet hatte , erschien das leise , anspruchlose Walten Erna ' s , die die Seele ihres Hauses war . Mit ernster Güte wußte sie ein zahlreiches Dienstpersonal zur Punktlichkeit und Ordnung anzuhalten . Sie war geliebt von allen , und zugleich gefürchtet , weil die Achtung , die sie einflößte , jeden nichts so sehr als die Möglichkeit , ihr zu misfallen , scheuen ließ . Mit sicherm , aber ruhigem Blick ging sie in jedes Detail der Haushaltung ein , sorgte für alles , dachte an alles , und fand auch die geringste Kleinigkeit ihrer Aufmerksamkeit nicht unwerth , weil alles nützen kann , scheint es auch noch so unbedeutend . Dabei war sie stets gleicher Laune , seufzte und klagte nie über viele Geschäfte , oder gab durch Klirren der Schlüssel , Thürenzuwerfen und eine bis zum ängstlichen Abmühen getriebene Thätigkeit zu erkennen , wie viel auf ihr laste . Immer gut und sorgsam angezogen , immer aufgelegt zu interessanter Unterhaltung , immer ruhig und Zeit habend , obgleich nichts versäumt ward , schien eine weise , jedoch nicht pedantische Ueberlegung alle ihre Handlungen zu ordnen , so daß wie Glieder einer Kette , eine regelmäßig und still in die andere griff . Auch als Mutter , ein Verhältnis , das er nicht ohne den herbsten Schmerz sich auszudenken vermochte , stand sie ausgezeichnet vor tausend Frauen , die er kannte , und selbst vor denen , die er vorzüglich in dieser Würde ehrte , da , die himmlische , sich selbst vergessende Liebe , mit der sie die Kinder ihres Herzens umsing , mit jenem Ernst verbindend , der aus der Festigkeit des Willens : nur ihr wahres Wohl als Zweck sich vorsetzend , und sie eben deshalb keineswegs verziehend , hervorgeht . Otto , der älteste Knabe , war nicht allein von der Natur begünstigt , sondern durch den reinen Einfluß des mütterlichen Wirkens bereits zu einer Höhe der Liebenswürdigkeit und Ausbildung gebracht , die selten schon in diesem zarten Alter sich zeigt . Gehorsam , als die Hauptbasis aller guten Kinderzucht , Bescheidenheit Genügsamkeit , Selbstbeherrschung - alle jene Tugenden , die den , der sie besitzt , um so lieblicher zieren , je öfterer der Mensch sie in sich und Anderen vermißt , waren die sorgsam gepflegten Keime , die Erna in seine junge Seele gepflanzt hatte , und jede Beschäftigung mit ihm , der sie stets wie ihr Schatten umgab , entwickelte seine noch mit Nacht