von den Weggelaufenen kamen nie wieder zum Vorschein . Das war für Goldenthal kein Unglück . Andere wurden , als Bettler , von den Polizeibedienten des Landes aufgefangen und wieder zurückgebracht . Die besuchten zuerst das finstere Loch , und dann kamen sie wieder an die gemeine Arbeit , wie zuvor . - Binnen drei Vierteljahren war es mit allen Widerspenstigen in der Ordnung , und es gab keinen bettelnden Goldenthaler mehr , außer einige Weggelaufene in fremden Ländern . Die Häuslerfamilien wollten sich anfangs auch auf die Hinterfüße stellen , und den Dreck und Unflath vertheidigen , worin sie zu leben gewohnt waren . Und sie klagten und schrien bitterlich über die Hartherzigkeit der Goldenthaler , die ihnen nicht mehr unentgeltlich wollten zu essen und zu trinken , und ihnen nicht einmal Geld in die Hände geben . Allein der Hunger und das finstere Loch machten zuletzt auch die Sprödesten geschmeidig , und die Goldenthaler blieben dabei : wer essen will , soll arbeiten ; wer es gut haben will , soll gut thun . Die Verwaltung des Spitals war vorzeiten kostbarer gewesen . Jetzt kostete sie nichts . Nicht der Pfarrer , nicht Oswald , nicht Elsbeth wollten sich am Armengut bereichern . Die Spittler selbst mußten die angewiesenen Haus- und Unteraufsichtsgeschäfte verrichten . Ward ihnen solch ein Aemtlein vertraut , war es Belohnung ihres Wohlverhaltens ; ward es ihnen genommen , war es Strafe . Einer lauerte dem Andern dabei auf den Dienst . Die Spital-Gärten und Güter gaben Nahrung genug , und auch was die armen Familien am ehemaligen Weidland zum Antheil empfangen hatten , wurde abträglicher , weil es gemeinschaftlich angebaut und besorgt ward . Die Unfleißigen bezahlten dem Spital mit dem , was sie auf dem Pachtland ärnteten , ihre Kost und Kleidung , und was sie noch erübrigten , ward in Geld verwandelt und für sie ein Schatz in der Ersparnißkasse . Die Männer im Spital stellten sich anfangs zum Hobeln und Sägen , zum Wollekrämpeln und Weben ungeschickt genug an . Aber sie mußten lernen . Ein Meister aus der Stadt brachte das Ding bald ins Geleis ; der war ein verständiger Mann und großer Verehrer und Freund des Herrn Pfarrers . So kostete die Bekleidung der Armen dem Spitalgut wenig , und die Anschaffung von Bänken , Stühlen , Bettgestellen , Schränken und andern Geräthschaften , wie auch Ausbesserung am Hause , fast nichts . Die Spittler mußten auch für die Häusler Geräth machen ; so ward jede Familie damit wohl versehen und gewöhnte sich an einige Bequemlichkeiten . So wie das Armengut und Spital dabei gewann , weil so viele Hände nur für Kost und Kleidung arbeiteten , so gewannen auch die Häusler und Spittler dabei an Vermögen und Eigenthum . Denn was sie außer den acht üblichen Stunden mehr arbeiteten , konnten sie zu ihrem Nutzen in Geld verwandeln und in der Ersparnißkasse an Zins legen ; eben so , was sie von den Erzeugnissen ihres Pachtlandes erübrigen und verkaufen lassen konnten . Das war kein geringer Vortheil . Die Menschen wurden arbeitslustig und bekamen Freude am Sparen und Vermehren ihres Eigentums , weil sie die Zeit voraussahen , da sie ganz unabhängig leben und einen gewissen Wohlstand zu genießen im Stande waren . Am besten hatten es die Spitalmeister und die Aufseher , welche selbst Spittler waren . Denn Alles , was sie neben ihren Amtsverrichtungen arbeiten konnten und verkaufbar war , das wurde zu ihrem Nutzen verkauft . Darum war Jedermann beflissen , sich wohl zu halten , um zu einer solchen Stelle zu gelangen . Und diejenigen , welche das Aemtlein hatten , nahmen sich wohl in Acht , etwas von den ihnen übertragenen Pflichten zu versäumen . Der kleinste Fehler konnte sie um den vorteilhaften Dienst bringen , auf welchen Viele hofften . Es gab zuletzt in der Armenanstalt Goldenthals recht geschickte Arbeiter . Nicht nur die Bauern im Dorfe , sondern selbst viele Leute aus der Stadt kauften von den hier verfertigten Waaren , oder ließen hier arbeiten . Und wenn so ein geschickter Arbeiter spürte , er verdiene mehr , wenn er für sich allein arbeite , verließ er das Spital und miethete sich Wohnung im Dorf oder in der Stadt und lebte für sich selber . Das feuerte nun wieder die Andern an , ebenfalls recht geschickt zu werden . Im Dorfe war natürlich Jedermann froh , nicht mehr vom Bettelgesindel geplagt oder in Häusern und Gärten nächtlicher Weise bestohlen zu sein . Jeder schickte mit Freuden , statt der Almosen , etwas ins Spital , wenn es irgend in demselben an etwas fehlte . Allein es zeigte sich noch ein anderer Vortheil für das Dorf , an den vorher Niemand gedacht hatte . Nämlich , hatte es im Sommer an Feldarbeit gemangelt , so waren andere Arbeiten im Freien vorgenommen worden . Und so war ' s gekommen , daß alle Gassen des Dorfes , wo man sonst bei schlechtem Wetter im Koth bis über die Knöchel waten mußte , mit Steinen besetzt wurden ; daß der Bach im Dorfe , der sonst überlief und große Pfützen bildete , mit Gemäuer eingefaßt stand ; daß die Feldwege und Fußstege ohne Löcher waren ; daß die Gemeindswaldungen keine Stelle mehr hatten , die nicht mit jungen Setzlingen den erfreulichsten Nachwuchs zeigte . Weit umher im Lande sah man keinen Wald in besserer Ordnung , und kein säuberlicheres Dorf als Goldenthal . Es kamen sogar große Herren von der Regierung und besichtigten die Goldenthaler Anstalten und Einrichtungen , und hätten dergleichen gern überall gehabt . Allein sie sahen sich in andern Dörfern oft vergebens nach dem edeln Pfarrer Roderich , nach dem menschenfreundlichen Oswald und seiner eifrigen Gehülfin Elsbeth um . Dennoch ward es auch anderswo mit Abänderungen und mit Glück versucht . Und daran that man Recht . Probiren geht über Studieren . Und wo man mit eifriger Menschenliebe was Rechtes will , da geschieht auch was Rechtes . 29. Wieder etwas