von dieser brotlosen Kunst abzubringen . Aber Berthold hatte das alles voraus gesehen und sprach zu ihr , als er sich an den hochgeschmückten Tisch gesetzt hatte : » Seht Mutter , so ein Mahl habt Ihr mir nie bereiten lassen , wenn ich auch den ganzen Tag zum Besten der Stadt gearbeitet hatte ; so ehret Ihr selbst die brotlosen Künste des Ritters und wollet mich gegen etwas warnen , wozu mein Blut mich bestimmte , und woran mich nur Leibesschwäche so lange hinderte ich habe bisher vor Euch wie ein umgekehrtes Panzerhemde erscheinen müssen , tatenlos und gedankenvoll , den Stahl innerlich , die Polster äußerlich , meine Welt war die Vorzeit , denn was die Gegenwart brachte , konnte mich nur erschrecken , da ich sie in keiner Art zu bestreiten wußte . « - » Ach « , seufzte Frau Hildegard , » gewiß ist der verwünschte Ehrenhalt bei dir gewesen , den ich so oft mit Geld und Gaben von dir fortgekauft habe . « - » Der Ehrenhalt ? « fragte Berthold , » weiß ich doch nichts von dem Manne , was bringt er , was will er mit mir , ist er abgesandt von den Kronenwächtern ? Seid ruhig Mutter , ich diene ihnen nicht , die Tränen der Mutter , der Tod des Vaters , auch Martins Tod , haben mich von ihnen geschieden . Meine Wünsche sind beschränkter , ich will nur als ein guter Bürger gerüstet und wehrhaft gegen Gefahren sein , ich will mich selbst um mein Handelsgeschäft kümmern , denn unser guter Fingerling ist zwar munter , wie ein junger Geselle , aber gar alt , er soll mich in Augsburg mit unsern Handelsfreunden bekannt machen , und darum hindert mich nicht , daß ich mit ihm gen Augsburg reite , wo der ehrwürdige , ritterliche , in allen Künsten versuchte Kaiser Maximilian einen Reichstag ausgeschrieben hat , der alle Handelsleute aus Schwaben zusammenführen wird . « - Frau Hildegard schlug in Verzweiflung die Hände über den Kopf zusammen und rief zu Gott um Rat , wie sie sich benehmen solle , ob sie den jungen Menschen in solche gefährliche , verführerische Stadt hinziehen lassen dürfe . » Die Verführung ist so groß « , sagte sie , » so ein junger Mensch ist zutulich und neugierig und wenn die Leute hören , daß er nicht ohne Mittel , da drängen sich alle an ihn , er wird ausgezogen und noch wohl gar verlacht . « - Da trat Fingerling mit kluger Rede zwischen , versprach die Fahrt mitzumachen , den Herrn Bürgermeister wie seinen Augapfel zu bewachen , versicherte , die Reise sei notwendig , weil sonst alle Webstühle still ständen , und trank auf die glückliche Heimkehr . So war die Erlaubnis zur Reise der sorglichen Mutter über den Kopf weggenommen . Als die Zeit nahete , verwunderte sie sich , daß sie es erlaubt habe , dennoch sorgte sie fleißig für das Reisegerät und packte außer der Wäsche eine ganze Apotheke und eine halbe Küche in die Mantelsäcke , und konnte immer noch nicht mit ihren Anstalten fertig werden , nachdem schon Maximilian mit seinem prachtvollen Einzuge fertig geworden war . Endlich war der Ritt angeordnet , der Bürgermeister hatte einem Ratmann die Geschäfte übertragen , der Buchhalter sorgte für das Haus , die Pferde standen bepackt vor dem Hause , dennoch ließ sich Frau Hildegard nicht abhalten , dem Sohne noch einmal alle Warnungen einzuprägen , die sie in der ganzen Zeit gesammelt hatte , und zum Schluß suchte sie ihn noch mit der Ahndung zu rühren , als ob sie ihn nicht wieder sähe . Obgleich er diese Ahndung schon oft gehört hatte , so beschwerte sie doch sein Herz und er ritt die erste Strecke gar nachdenkend in seinem Reisemantel . Endlich wurde es ihm leichter ums Herz , er genoß der ersten Freiheit seines Lebens , und der keusche Frühling blickte mit tausend Blüten , wie mit neugierigen Augen in die geheime Sehnsucht , die ihm seit der Genesung jedes artige Jüngferchen zu einer Apollonia erhob , daß er jede ehrfurchtsvoll , aber oft anblicken mußte . Die Gesundheit hatte das Samenkorn , das bis dahin in ihm wie im Sarge geruhet , schnell zum Keimen gebracht , es sprengte das Steingewölbe , das ihn bisher umgab ; er war , er fühlte sich frei und zu etwas bestimmt . Und wie herrlich glänzte ihm das Schwabenland , überall Züge von Reisenden ; hier Kaufleute , die neben ihren Frachtwagen einhergingen , dort Landsknechte , die einen Hauptmann suchten ; Pilger , die zu dem wundertätigen Bilde der schönen Maria in Regensburg zogen und Frauen und Männer , wie sie gingen und standen , mit ihrem Gesange fortrissen , denn es war das erste Bild unter den Deutschen , in welchem die geheime Gewalt des Heiligen mit der offenkundigen der Schönheit verbunden war . Hätte Fingerling nicht Einspruch getan , der gute Berthold wäre mit zu dem Bilde gezogen , aber der lebendige Trieb nach lebendiger Schönheit wuchs in dieser Annäherung . In reger Geistestätigkeit , von allem angesprochen , doch ohne sonderbare Reisevorfälle , kamen die beiden Reisenden in die Nähe Augsburgs , hatten schon mit einiger Beklemmung die weite Stadt mit ihren vielen Türmen von einer Anhöhe überschaut , als Kaiser Maximilian bei der Wertachbrücke , der Kurfürst Joachim von Brandenburg auf der einen Seite , auf der andern Markgraf Kasimir , der schöne Verlobte , dessen hoher Braut entgegen ritten und dem Bürgermeister den Weg verrannten . Aus dem Gerede der voreilenden Menschen , mehr noch aus der Ähnlichkeit mit vielen Holzschnitten erkannte Berthold den Kaiser schon in der Ferne und wurde gezwungen , ihn recht in der Nähe zu betrachten , weil er von der Menge , die nicht weichen wollte , an das Geländer der Wertachbrücke angedrängt wurde . Er freute sich , wie viel milder der Kaiser aus des höchsten Weltkünstlers Hand gekommen ,