unglücklich bin ich ! « Das Mädchen aber schob den Grafen , ohne sich weiter auf Erklärungen einzulassen , eiligst aus dem Zimmer und dem Hause und schloß die Tür hinter ihm ab . Draußen auf der Straße , die leer und öde war , begegnete er bald zwei männlichen , in dunkle Mäntel dicht verhüllten Gestalten , die durch die neblige Nacht an den Häusern vorbeistrichen . Der eine von ihnen zog einen Schlüssel hervor , eröffnete leise Mariens Haustür und schlüpfte hinein . Desselben Stimme , die er jetzt im Vorbeigehen flüchtig gehört hatte , glaubte er vom heutigen Maskenballe auffallend wiederzuerkennen . Da hierauf alles auf der Gasse ruhig wurde , eilte er endlich voller Gedanken seiner Wohnung zu . Oben in seiner Stube fand er Erwin , den Kopf auf den Arm gestützt , eingeschlummert . Die Lampe auf dem Tische war fast ausgebrannt und dämmerte nur noch schwach über das Zimmer . Der gute Junge hatte durchaus seinen Herrn erwarten wollen , und sprang verwirrt auf , als Friedrich hereintrat . Draußen rasselten die Wagen noch immerfort , Läufer schweiften mit ihren Windlichtern an den dunklen Häusern vorüber , in Osten standen schon Morgenstreifen am Himmel . Erwin sagte , daß er sich in der großen Stadt fürchte ; das Gerassel der Wagen wäre ihm vorgekommen wie ein unaufhörlicher Sturmwind , die nächtliche Stadt wie ein dunkler eingeschlafener Riese . Er hat wohl recht , es ist manchmal fürchterlich , dachte Friedrich , denn ihm war bei diesen Worten , als hätte dieser Riese Marie und seine Rosa erdrückt , und der Sturmwind ginge über ihre Gräber . » Bete « , sagte er zu dem Knaben , » und leg dich ruhig schlafen ! « Erwin gehorchte , Friedrich aber blieb noch auf . Seine Seele war von den buntwechselnden Erscheinungen dieser Nacht mit einer unbeschreiblichen Wehmut erfüllt , und er schrieb heute noch folgendes Gedicht auf : Der armen Schönheit Lebenslauf Die arme Schönheit irrt auf Erden , So lieblich Wetter draußen ist , Möcht gern recht viel gesehen werden , Weil jeder sie so freundlich grüßt . Und wer die arme Schönheit schauet , Sich wie auf großes Glück besinnt , Die Seele fühlt sich recht erbauet , Wie wenn der Frühling neu beginnt . Da sieht sie viele schöne Knaben , Die reiten unten durch den Wind , Möcht manchen gern im Arme haben , Hüt dich , hüt dich , du armes Kind ! Da ziehn manch redliche Gesellen , Die sagen : » Hast nicht Geld noch Haus , Wir fürchten deine Augen helle , Wir haben nichts zum Hochzeitsschmaus . « Von andern tut sie sich wegdrehen , Weil keiner ihr so wohl gefällt , Die müssen traurig weitergehen , Und zögen gern ans End der Welt . Da sagt sie : » Was hilft mir mein Sehen , Ich wünscht , ich wäre lieber blind , Da alle furchtsam von mir gehen , Weil gar so schön mein Augen sind . « - Nun sitzt sie hoch auf lichtem Schlosse , In schöne Kleider putzt sie sich , Die Fenster glühn , sie winkt vom Schlosse , Die Sonne blinkt , das blendet dich . Die Augen , die so furchtsam waren , Die haben jetzt so freien Lauf , Fort ist das Kränzlein aus den Haaren , Und hohe Federn stehn darauf . Das Kränzlein ist herausgerissen , Ganz ohne Scheu sie mich anlacht ; Geh du vorbei : sie wird dich grüßen , Winkt dir zu einer schönen Nacht . - Da sieht sie die Gesellen wieder , Die fahren unten auf dem Fluß , Es singen laut die lust ' gen Brüder ; So furchtbar schallt des einen Gruß : » Was bist du für ' ne schöne Leiche ! So wüste ist mir meine Brust , Wie bist du nun so arm , du Reiche , Ich hab an dir nicht weiter Lust ! « Der Wilde hat ihr so gefallen , Laut schrie sie auf bei seinem Gruß , Vom Schloß möcht sie hinunterfallen Und unten ruhn im kühlen Fluß . - Sie blieb nicht länger mehr da oben , Weil alles anders worden war , Von Schmerz ist ihr das Herz erhoben , Da ward ' s so kalt , doch himmlisch klar ; Da legt sie ab die goldnen Spangen , Den falschen Putz und Ziererei , Aus dem verstockten Herzen drangen Die alten Tränen wieder frei . Kein Stern wollt nicht die Nacht erhellen , Da mußte die Verliebte gehn , Wie rauscht der Fluß ! die Hunde bellen , Die Fenster fern erleuchtet stehn . Nun bist du frei von deinen Sünden , Die Lieb zog triumphierend ein , Du wirst noch hohe Gnade finden , Die Seele geht in Hafen ein . - Der Liebste war ein Jäger worden , Der Morgen schien so rosenrot , Da blies er lustig auf dem Horne , Blies immerfort in seiner Not . Zwölftes Kapitel Rosa saß des Morgens an der Toilette ; ihr Kammermädchen mußte ihr weitläufig von dem fremden Herrn erzählen , der gestern nach ihr gefragt hatte . Sie zerbrach sich vergebens den Kopf , wer es wohl gewesen sein möchte , denn Friedrich erwartete sie nicht so schnell . Vielmehr glaubte sie , er werde darauf bestehen , daß sie die Residenz verlasse und das machte ihr manchen Kummer . Die junge Gräfin Romana , eine Verwandte von ihr , in deren Hause sie wohnte , saß neben ihr am Flügel und schwelgte tosend in den Tänzen von der gestrigen Redoute . » Wie ihr andern nur « , sagte sie , » alle Lust so gelassen ertragen und aus dem Tanze schnurstracks ins Bett springen könnt und der schönen Welt so auf einmal ein Ende machen ! Ich bin immer so ganz durchklungen , als sollte die Musik niemals aufhören . « Bald darauf fand sie Rosas Augen so süß verschlafen , daß sie schnell