heiligen Willen zu folgen , und ich könnte nicht einmal sechs Jahre aufopfern ; der Mensch kann sehr viel , was unsrem weichlichen Zeitalter unmöglich scheint ; der Krieg hat gar manchem diese Wahrheit bewiesen und die Bekanntschaft mit Indien , die sich jetzt so allgemein verbreitet , führt denselben Beweis für die mögliche Aufopferung aller Kräfte zu einem heilig verpflichteten Dienste . Kinder fehlen mir nicht , ich habe deren viele , ohne die gute Sitte zu verletzen ; mir ist eine wunderbare Kraft verliehen , die mir ganz bewußt ist ; wo ich glückliche Ehen sehe , die der Kinder ermangeln , da blicke ich die Frauen an und erfülle sie mit guter Hoffnung ; diese Wirkung ist in mir ohne alle sündliche Neigung ; ja meist mir ganz unbewußt geschieht diese geistige Durchdringung . Lachen Sie nicht gnädige Gräfin , wer weiß , ob Sie selbst mir nicht Zeugnis ablegen müssen . « - Der Graf fand den Scherz nicht ganz angenehm ; die Gräfin dagegen ließ sich in lustige Betrachtungen über die wunderlichen Verwandtschaften ein , die aus solchen geistigen Blicken entständen ; sie erklärte Leidenschaften und Freundschaften , die oft eben so plötzlich als überraschend sind , aus solcher geistigen Verwandtschaft . Der Prediger gab ihr recht und fügte noch hinzu , daß gerade darin das tief Ergreifende dieser gleichen Liebe in Unschuld und Jahren , und dieses Wunsches liege , der sicher jedem bei Hollins Schicksale erwacht , ihn retten zu können , wenn wir auch seine Unbesonnenheit tadeln , daß in so seltenen Fällen diese gleiche Unschuld sich begegnet und ganz froh macht ; in den meisten Liebschaften ist die geistige Verwandtschaft von dem Verlangen der Natur ganz geschieden , und sucht sich nur in Täuschungen zu verbinden . - » Sie scheinen viele sonderbare Erfahrungen gemacht zu haben , erzählen Sie uns noch etwas davon ; wenn ich so ins lässige Zuhören gekommen , da mag ich den ganzen Abend nicht mehr reden ; auch schloß Karls letzte Liebeshistorie gar zu ernsthaft ; Sie müssen es durch etwas Lustiges aus Ihrem eignen Leben wieder gut machen . « Zehntes Kapitel Geschichten aus dem Leben des Prediger Frank » Der Wunsch einer schönen Gräfin ist einem armen Landprediger Befehl « , sagte Frank , setzte sich , und erzählte recht lebhaft nach einer Pause . - » Ganz flüchtig muß ich Ihnen den Umriß meines früheren Lebens zeichnen ; Sie werden sich meine Eigentümlichkeit in ein paar Vorfällen daraus besser erklären . Mein Vater war Landprediger , meine Mutter eine Adlige und im strengsten Sinne Beherrscherin des Hauses , welches sie an mir , ihrem einzigen Kinde , bis an ihr Lebensende bewährte . Mein Vater starb , nachdem er mich durch guten Unterricht zur Universität wohl vorbereitet hatte ; diesen einzigen Einfluß auf mich gestattete ihm meine Mutter , sonst durfte ich ihn nie im Dorfe oder in der Gegend umher begleiten ; immer fürchtete sie , ich möchte verführt werden . Noch ist es mir unerklärlich , was ich unter dem Worte verführen mir gedacht habe ; es schauderte mir aber dabei und davor , als wäre es ein Spießen und Brandmarken zu gleicher Zeit . Mein Vater starb , als ich zur Universität abgehen wollte , und meine Mutter , die bis dahin nicht über ihren Garten hinausgekommen und immer mit verbundenem Kopfe umher geschlichen war , entschloß sich aus Sorge vor meiner Verführung , sich reisefertig zu machen und mich dahin zu begleiten ; ich hatte keine Vermutung , welches Aufsehen das auf der Universität machen könnte ; ich meinte , das sei der regelmäßige Gebrauch , und war daher nicht wenig überrascht , als ich das unglaubliche Schreien hinter mir her hörte , da meine Mutter mich bis an die Türe des Kollegiums brachte und mich wieder von da abholte . Nichts konnte sie von dieser Lieblingsidee , mich zu begleiten , abbringen , als die Furcht , daß ich mich deswegen mit einigen der alten Spottvögel schlagen müsse ; deswegen allein blieb sie zu Hause , doch ihre Leidenschaft zu mir verwandelte sich in dem einsamen Warten , in der Besorgnis um mich in Wahnsinn , oft warf sie sich Nachts über mein Bette , ob ich auch nicht heimlich ausgegangen sei . In solchem Kummer verging sie wie ein Schatten und ließ mich nach einem halben Jahre ganz selbst überlassen auf einer der lustigsten Universitäten . Doch konnte erst allmählich meinem Wesen jene Rückhaltung genommen werden ; ich tat alles dazu , besuchte Fechtboden und Gesellschaften , nur vor dem Verführen blieb mir der eingeprägte Schauder , der mich jedesmal ergriff , so oft ich aus einer gewöhnlichen jugendlichen Eitelkeit mir vornahm , mit meinen Kameraden gleiche Schuld zu übernehmen . Ich bin fest überzeugt , wenn ein Mensch unter drei Augenblicken nur zweie tugendhaft ist , so kann er ein Heiliger werden , denn alles Laster hat eine eigene Umständlichkeit , daß die beiden tugendhaften Augenblicke notwendig zwischentreten müssen . Sie haben mich gekannt , Herr Graf ; ich war in allen übrigen Verhältnissen ein ganz fertiger Student . « ... » Viel mehr als ich « , sagte der Graf . ... » Eine Verbindung mit einem Frauenzimmer schien mir indessen ganz notwendig zu meiner Ausbildung ; ich wollte also gleich mein Glück bei der Frau eines Professors versuchen , weil es die einzige angesehene Frau in der Stadt , mit der ich bekannt geworden , und die für leichtsinnig ausgeschrien war . Es schwärmte damals ein wunderlicher Glücksritter umher , der für Männer und Frauen eine sehr lächerliche Verbindung stiftete , weil keiner recht wußte warum , oder wozu sie dienen sollte ; ein paar symbolische Zeichen machten das ganze Geheimnis ; an unserm Orte förderte er physikalische Versuche aller Art , insbesondre die sogenannte Phantasmagorie , wodurch in einem dunklen Zimmer allerlei Gegenstände , vermöge einer sehr vollkommnen Zauberlaterne , in überraschender Abwechselung dargestellt wurden . Ich benutzte schüchtern diese Gelegenheit vollkommener