Julius Brief zeigend . Ja , ach ja , erwiederte Luise . Und soll ich - fragte er weiter , soll ich - Nein , unterbrach sie ihn , ich will selbst schreiben , diesen Abend noch , gleich . Das ist recht , fiel Carl ein , das kann vieles wieder gut machen ! O ! ich hoffte es immer . Hm - sagte der Doktor kopfschüttelnd , und wandte sich ab . Der Riß ist einmal geschehn . Alle Theile sind aus ihren Fugen gesprengt , es hält schwer , so etwas wieder einzurichten . Ich weiß nicht , hub der Prediger an , was Ihre Worte bewirken sollen ; aber rufen Sie einen stillen Sinn ans Licht , und den Willen , der zugleich demüthig ist und kühn , so machen Sie vieles gut . Luise drückte ihm schweigend die Hand . Bald darauf äußerte sie den Wunsch , allein zu sein , worauf sie Carl dringend bat , ihm ihre Aufträge nach dem Falkenstein mitzugeben , da er noch diese Nacht den Weg dahin antrete , und alsdann zum Onkel gehe , um dort den Klugen die Köpfe zurecht zu setzen . Die Baronin , setzte er hinzu , habe ihm gleich nach des Malers Rückkehr den fatalen Vorfall gemeldet . Ihre Worte haben wohl traurig , aber doch spitz und vornehm geklungen , weshalb er auch gleich hingewollt , zuerst aber doch zusehen müssen , wie die Dinge eigentlich stehen . Nun werde er wohl Rede und Antwort geben und die Seitenhiebe pariren können . Er ermahnte Luisen noch einmal , alles anzuwenden , das Geschehene ungeschehen zu machen und die Dinge ins vorige Geleis zu bringen . Was mich anbetrifft , setzte er treuherzig hinzu , ich werde keine Mühe sparen , wobei er ihr zuversichtlich die Hand schüttelte und den Andren folgte . Sie war nicht so bald allein , als sie mit möglichster Anstrengung das Bett verließ und zum Schreibtisch eilte . Ihr Herz klopfte ängstlich , als sie die Feder ergriff . Voll Reue und Vertrauen wollte sie sich dem einzigen Wesen hingeben , das sie auf dieser Welt über alles liebte . Wahr , wie vor Gott , im Bekenntniß ihrer Schuld an die treueste Brust sinken und den verhaltnen Schmerz und die Kämpfe der zagenden Seele laut werden lassen . Demüthig barg sie ihr Gesicht in die gefaltnen Hände und betete noch einmal still . Als sie aufsah , fielen ihre Augen zufällig auf ein Packet ineinander geworfener Papiere . Die Worte zogen sie unwillkührlich an . Es war ihr Tagebuch , welches Mariane in der Nacht ihrer Abreise vom Falkenstein gedankenlos mit andern Sachen zusammengerafft und hier in den offen gefundnen Schreibtisch geworfen hatte . Ach ! jene Blätter , die Julius den Todesstoß gaben , lagen obenauf . Der bange Ruf aus jener Zeit riß sie fort . Sie las gleich zuerst : » Was bedeutet die Angst , die mich bei des Fremden Anblick , ja bei seinem Nahmen , befällt ! Alte Sagen sprechen viel vom Basilisken , dessen Blick vergiftend die fremde Brust berührt . Ich spüre etwas Aehnliches . Der seine zieht mein Herz zusammen . Und warum ? Julius liebt ihn , er ist sein Freund . Was geht mich alles andre an ! Und dennoch ! Mir ist so bang , so wehmüthig ! Ich möchte weinen über die schöne stille Zeit , die so rasch verflossen und so widrig gestört ist ! Kann die Natur auch lügen , oder sich in sich selbst widersprechen ? Wozu all die Schönheit und Fülle und Herrlichkeit des Geistes , wenn alles ein Gaukelspiel ist und die Sünde und Arglist im Hinterhalt lauern ! Ich war auch wohl nur eine Thörin ! Das Fremde berührte mich vielleicht nur fremd . Ich werde mich versöhnen lernen . Nein , nein , es ist vergebens ! Ich finde nirgend Ruhe . Es peinigt mich die innre Unsicherheit und die wechselnden Eindrücke , die mich hin und her werfen zwischen Haß und Wohlwollen . Zuweilen besänftigt mich die leise , schmeichelnde Stimme , es wird still in mir , ich vergesse mich selbst und höre aufmerksam auf die Begebenheiten eines reichen Lebens . Dann fährt das Lächeln , das höhnende Lächeln , schneidend durch mich hin ; ich erschrecke und fliehe wie vor dem bösen Feind . Haß und Liebe ! - O hätte die erfahrne Frau doch nie gesprochen ! Dies also , dies war die Todesangst ? Und er weiß es , was mich quält und sieht vornehm darüber hin ! Ich wußt ' es nicht , ach nein , ich wußt ' es nicht , darum mein Gott laß mich ' s auch bald vergessen ! Ich glaubte , es solle besser werden , die vielen Menschen um mich her werden mich zerstreuen ; Ja wohl zerstreuen ! das haben sie gethan . Weniger gesammelt als je , verliere ich mich in bangen unsichern Ahndungen . Anfangs war mir leichter , ich konnte freier reden zu allen denen die nicht wußten wie mir zu Sinne ist . Jetzt aber , jetzt - ! O Gott im Himmel , du siehst die Angst die mich aus allen Sinnen drängt . Fremd , verlegen , sitze ich in dem bunten Kreise , ohne Muth mich selbst zu behaupten , ohne Kraft , heimlichen Angriffen zu widerstehn . Wie gebannt liege ich in den Schlingen , die eine freche Hand über mich zusammenzieht . Zuweilen mahnt mich noch ein innrer Ruf , ich reiße mich aus der eignen Erniedrigung empor , ich stemme mich gegen die Gewalt , die auf mich eindringt , ach , und wenn dann mein scheuer Blick den seinen streift , der so kalt und hoch über mich hinfährt , dann sinke ich wie ein Kind zusammen , und beweine mein Elend und meine Thorheit . Es ist gewiß , seit er mich haßt , fühl ' ich doppelt was mir ewig ein