verlebte , deren größter Reiz in deinem heitern geistvollen Umgang bestand . Er hat mir Nachricht von lieben Entfernten gegeben , deren Andenken mir unvergeßlich bleiben wird ; und endlich hat er mir das erhebende Gefühl gewährt , mich von einer edlen Seele mit Achtung und Zutrauen behandelt zu sehen . Innig danke ich dir für jede dieser angenehmen Empfindungen , vorzüglich aber für die letzte , die zu verdienen und zu rechtfertigen mein thätigstes Bestreben seyn soll . Du weißt , meine Freundin ! du wiederholst es sogar in deinem Briefe , daß die Verbindung zwischen Sulpicien und dem Prinzen mir nie , weder vernünftig , noch rechtmäßig schien . Indessen , so dachte ich mir den Ausgang nicht , obwohl ich Tiridates ziemlich genau zu kennen glaubte . Seit wir in Asien sind , haben wir uns beinahe nicht mehr gesehen , die Reise und ein paar Tage nach unserer Ankunft in Nikomedien ausgenommen . Wir schreiben uns zuweilen , aber meistens nur über Angelegenheiten des Kriegs , oder andere Geschäfte . Ich weiß also nichts Bestimmtes über seine Lebensweise und seinen Umgang . Gerüchte , Sagen laufen freilich hin und her , über auf sie kann ich kein Urtheil bauen . Auch würdest du , meine Freundin ! nicht mit dem zufrieden seyn , was ich dir vom Hörensagen berichten könnte . Sey aber versichert , daß ich Alles thun werde , was in meiner Macht steht , um hierüber Gewißheit zu erlangen , und daß ich dann so handeln werde , wie es mein bester Wille , die Umstände , dein edles Zutrauen und Sulpiciens Lage nur immer von mir fordern können . Uebrigens bitte ich dich zu bedenken , daß Tiridates sich durch Geburt , Schicksal und persönliche Annehmlichkeiten genug auszeichnet , um von der müßigen Menge bemerkt , besprochen , beneidet , getadelt zu werden ; wie auch , daß ein liebenswürdiger Prinz an einem üppigen Hofe manchen Versuchungen und Fallstricken ausgesetzt seyn muß . Vieles , was geschehen konnte , wird dann als gethan vorausgesetzt , und erzählt ; Vieles , was verworfenen Menschen wahrscheinlich ist , von ihnen als wahr verkündet , und die Welt urtheilt schnell , leichtsinnig und lieblos . Schon , daß er immer in Nikomedien seyn soll , ist Verläumdung . Er befindet sich größtentheils bei dem Heere des Cäsar Galerius , wo er sich durch persönliche Tapferkeit und Feldherrn-Talente gleich rühmlich auszeichnet . Glaube nicht , daß ich Tiridates hierdurch entschuldigen will . Ich weiß nichts , und kann also nichts , weder für noch wider ihn , behaupten ; bis ich aber etwas mit Gewißheit erfahre , könnten diese Betrachtungen vielleicht beitragen , Sulpicien zu beruhigen , und zu verhüten , daß diese unglückliche Frau sich nicht vergeblich in Gram verzehre . Wenn sie wissen darf , daß du mir geschrieben hast , so sage ihr , daß mein Herz innig mit ihr fühlt , sie tief betrauert , und , selbst unglücklich , ihr Leiden wohl zu begreifen , und zu theilen versteht . Marcus Alpinus ist mir übrigens aus früheren Zeiten als ein Mann bekannt , der mit einem durchdringenden Verstande , durch den Umgang der großen verderbten Welt , durch Wollüste aller Art und eine herzlose Kälte endlich dahin gekommen ist , an keine Tugend mehr zu glauben , und nichts für würdig und schätzbar zu halten , als was unsere Sinne auf irgend eine Art in angenehme Bewegung zu setzen vermag . Sein Urtheil wird immer richtig seyn , denn er ist sehr verständig ; seine Ansichten aber sind es gewiß selten . Noch habe ich einen Punkt zu berühren , den ich , so ungerne ich über dergleichen Dinge spreche , unmöglich übergehen kann . Du scheinst , meine edle Freundin ! von meinem Schicksale unterrichtet zu seyn ; aber ich fürchte , es war nieder nur der Ruf , oder etwas dem ähnliches , der dir nicht ganz getreu berichtet hat . Ja , ich habe Larissen , die Freundin , die Geliebte meiner Jugend gefunden . Ein seltsames Verhängniß hat sie als die Gemahlin meines Feldherrn mir wieder gezeigt . Es würde thöricht seyn , und deines Verstandes spotten heissen , wenn ich behaupten wollte , sie sey mir gleichgültig . Nein , Calpurnia ich liebe sie noch , wie ich sie in meiner ersten Jugend liebte . Aber diese Neigung ist nicht , wie bei Sulpicien und Tiridates , hoffnungsvoll und gegenseitig . Larissa behandelt den Freund ihrer Jugend , der ihr Zutrauen nicht verwirkt hat , mit Achtung und Freundschaft ; aber Larissa und Demetrius sind Christen , ihre Religion weiht die Ehe zu einem unauflöslichen Bande , das nichts als der Tod trennen kann . Du siehst also , daß ich keine Hoffnung nähren darf . Bedaure mich , meine Freundin ! aber spotte meiner nicht . Nur der Glückliche kann dies ertragen . Deinen nächsten Brief , wenn du mir die Freude gönnen willst , mich etwas von dir , den Deinigen und unserer unglücklichen Freundin wissen zu lassen , sende nach Nikomedien an meinen Vater . Er weiß immer am ersten und zuverläßigsten , wo ich mich befinde . Vielleicht bin ich sogar bis dahin selbst dort . Der heiße Wunsch , einem Verhältnisse zu entfliehen , das sich weder mit meiner Ruhe , noch meiner Ueberzeugung verträgt , und die Nothwendigkeit , selbst mit Tiridates zu sprechen , wird mich ohne Zweifel bald dahin rufen . Nimm noch einmal den wärmsten Dank für dein Vertrauen , und die Versicherung , und die Versicherung , daß an jedem Orte , und in allen Verhältnissen Nachrichten von dir und den Deinigen meinem Herzen eine höchst willkommene Erscheinung seyn werden . 28. Larissa an Junia Marcella . Nisibis , im Oct . 301 . So ist denn keine irdische Freude von Bestand , und der Himmel , der sie uns , kaum empfunden , wieder entzieht , scheint uns immerfort zu ermahnen , daß wir hier