ganze Lust schien ihm ein mattes Spiel , die armen Sinne zu betrügen , die beim hellen Licht den engen Kreis bald wieder erkennen , und befangener als je darin athmen würden . Gedankenvoll lauschte er vorüberziehenden Klängen , die endlich vor dem eintönigen Treiben der nahen Werkstätte schwiegen , und mit ihrem Verschwinden fast jeden Zauber der Phantasie lösten . Rodrich blickte auf sich und seinen Freund , der ihm in gewohnter herkömmlicher Tracht nichts als den wohlgebildeten Jüngling dieser Welt zeigte . Der lange Sängermantel hing mit dem weißen Barte und der bleichen Larve neben ihm auf einem Sessel ; er spielte nachlässig mit dem reichen Faltenwurf des altväterischen Gewandes , als es unversehens herunterfiel , und wie ein Vorhang zusammenrollte . In dem Augenblick war es Rodrich , als wären alle Träume dieser Nacht versunken . Vergebens suchte er die erwachten Bilder der Kindheit , vergebens die Geliebte in seiner Brust . Miranda war wieder die große herrliche Fürstin , zu der er kaum aufzublicken wagte . Jener einzige unbegreifliche Moment des Entzückens lag weit , weit hinter ihm . Wie ein Blitz hatte ihn diese Seligkeit berührt . Jetzt war alles anders . Die gewohnte Ordnung behauptete ihr Recht . Der gemeßne Gang des Lebens schritt langsam fort , und er stand wie gestern und alle vorhergehende Tage , in den beschränkten , durch fremde Güte erschaffnen Umgebungen , Mirandas Pallast gegenüber . Kaum wagte er es , die schöne Erinnerung festzuhalten , die so unschuldig zu ihm herübersah . Er hatte sich dem Zauber hingeben , er hatte die Welt einen Augenblick vergessen können , ach , und er würde gern gestorben seyn , um noch einmal so selig zu leben , aber der Wahn zerrann , wie leise er ihn auch anfaßte . Was war er , und was konnte er wollen ? Das süße Geheimniß seines Glückes war ihm ein kränkender Vorwurf . Frei und festgestaltet sollte es in vollem Glanze des Tages leuchten , in jedem Auge wollte er den Wiederschein desselben lesen . Miranda ' s Name sollte nicht blos wie ein geistiger Hauch durch sein Innres ziehen , er wollte ihn laut aussprechen , allen Lüften zurufen können ! O , er fühlte sich gedrückter als je , seit ihn die heiligste Liebe einen Augenblick über sich selbst erhob . Wie er sich nun immer fester und fester an jede Widerwärtigkeit seines Lebens hing , und sie so lange betrachtete , bis er , aufs höchste gereizt , die Augen vor den Erscheinungen des wiederkehrenden Tages schloß , rauschte noch der letzte Trupp herumschwärmender Masken die Gasse herauf . Unter tollen Gaukeleien schwirrten sie an den Häusern vorüber , und ehe es Rodrich bemerken konnte , hatte ihm eine derselben ein zusammengerolltes Blättchen in die Hand gesteckt . Er öffnete es schnell , und Florio , der wie ein gutes Kind in des Freundes Hoffnungen und Wünschen lebte , und schon längst die getrübten Augen mit Wehmuth betrachtete , sah zutraulich über seine Schulter , und beide lasen folgende Worte : » Ich wünsche Ihnen Glück . Der Krieg ist entschieden . In wenigen Tagen ist alles aufgebrochen . Ein neues Licht geht über Ihnen auf , denn eine reiche Natur fodert gewaltsam große und mannigfache Gegenstände , um die immer brennende Frage zu beantworten , sonst erschöpft sich der gereizte Wille in zwecklosen Ausbrüchen , die oft den werdenden Helden in ihren engen Schranken begraben . Lösen Sie die Fesseln . Das Schicksal gab Ihnen viel , machen Sie sich alles zu eigen . Es ist Weisheit , das Höchste aufs Spiel zu setzen , um das Höchste zu gewinnen . Das Schwerdt werde eine Flamme in Ihrer Hand , vor der sich Freund und Feind beuge . Schwanken Sie nie , denn es giebt auf Erden nichts Herrlicheres , als einen Thron frei zu machen und das erkannte Recht behaupten . « Rodrich faltete das Blatt , ohne etwas Bestimmtes zu denken . Der ernste Zuruf erschütterte ihn ! Es war , als dränge ihn das Schicksal mit Gewalt zu einem unbekannten Ziele . Tausend verworrene Ahnungen trieben ihn unsicher umher . Endlich lösten sich die innern Nebel . Er glaubte Miranda ' s Stimme in jenen Worten , ohnerachtet ihrer strengen Heftigkeit , nicht zu verkennen . Durch sie ward ihm des Himmels Wille kund , und seine früheren stolzen Hoffnungen gerechtfertigt . Zu sich hinauf wollte sie ihn heben , durch die innere Kraft seines Willens ! Was lag darin auch Unerhörtes ? Sagt nicht die Geschichte aller Völker , daß von jeher ein kühner Flug die armselige Stufenleiter zwerghafter Wünsche hinter sich ließ ? Das Außerordentliche tritt die gemeine Ordnung nieder , und eine neue Folgereihe beginnt von dem lichten Punkt , den ein kräftiger Geist über der Erde heraufführt . Der Krieg bahnt dahin den Weg . Hier verschwinden hergebrachte Verhältnisse vor der überwiegenden Gewalt einer großen Seele , die sich in Feuerströmen ergießend , alles wie Gottes Zorn mit sich fortreißt . Darauf deuteten auch die Worte des Briefes , und doppelt war der Sinn zu nehmen , in welchem der Thron befreit werden sollte . Mußte die königliche Natur nicht fühlen , daß sie zum Herrschen geboren , daß sie bestimmt sey , das Wohl der Menschen , wenigstens über die zu verbreiten , die ihr so nahe gerückt waren ? Und sagte ihm jene Umarmung nicht , daß er es sey , den sie würdig hielt , ihr zur Seite zu stehen ? Er schlug das Blatt noch einmal auseinander , und las immer und immer wieder , was ein leidenschaftliches Verlangen schon bei weitem früher in sein Inneres grub . Während dieser Betrachtungen hatte er Miranda oftmals laut genannt . Wie , sagte endlich Florio , jene Heilige , zu deren Füßen ich dich gestern fand , hätte diese Worte zu dir geredet ? Warum nicht , fiel Rodrich schnell ein , glaubst du , sie sey nicht reich genug