sagte die Hofagentin Neupeter . Er zog die Ansätze und Mittelstücke aus der Tasche und wies alles vor . Ihre beiden häßlichen Töchter und fremde schöne baten um einige Stücke und Griffe . Er steckte aber die Ansätze kalt ein und verwies bittend auf sein Konzert . » Sie geben wohl Stunden ? « fragte die Agentin . » Nur schriftliche « , versetzt ' er , » da ich bald da , bald dort bin . Denn längst ließ ich in den Reichs-Anzeiger folgendes setzen : Endes Unterschriebener kündigt an , daß er in portofreien Briefen - die ausgenommen , die er selber schreibt - allen , die sich darin an ihn wenden , Unterricht auf der herrlichen Flûte traversière ( sie hier zu loben , ist wohl unnötig ) zu geben verspricht . Wie die Finger zu setzen , die Löcher zu greifen , die Noten zu lesen , die Töne zu halten , will er brieflich posttäglich mitteilen . Fehler , die man ihm schreibt , wird er im nächsten Briefe verbessern . Unten stand mein Name . Gleicherweise kegle ich auch in Briefen mit einem sehr eingezognen Bischof ( ich wollt ' , ich könnt ' ihn nennen ) ; wir schreiben uns , redlicher vielleicht als Forstbeamte , wieviel Holz jeder gemacht ; der andere stellt und legte seine Kegel genau nach dem Briefe und schiebt dann seinerseits . « Die Haßlauer mußten lachen , ob sie gleich ihm glaubten ; aber die Agentin strich sich mit innerer Hand so rot als einen Postwagen , dessen Stöße Hr . Peter Neupeter am besten kannte , an und fragte die Töchter nach Tee . Das Kirwanentee-Kästchen war vergessen . Flitte war froh , sagte , er sitze auf nach dem Kästchen , hoffe es in fünf Minuten aus der Stadt herzureiten , und sollte sein Gaul fallen - d.h. der geborgte , denn sein Zutritt in allen Häusern war auch einer in allen Ställen - und er denke sogar noch dem Hrn . van der Harnisch eine bewährte Starbrille mitzubringen . Vult behandelte , glaubte Walt , das Anerbieten und das Männchen etwas zu stolz . Wirklich kam Flitte nach 7 Minuten zurückgesprengt , ohne Starbrille - denn er hatte sie nur versprochen - aber mit dem Neupeterischen Tee-Kästchen von Mahagoni , dessen Deckel einen Spiegel mit der Tee-Doublette aufschlug . Plötzlich fuhr Vult , als aus dem sogenannten Poetengange des Rosentals eine reiche rote Uniform mit rundem Hut heraustrat , auf den spazierenden Notarius los - tat kurzsichtig , als glaub ' er ihn zu kennen - fragte ihn unter vielen Komplimenten leise , ob jener rote Bediente des Grafen von Klothar der bewußte sei - entschuldigte sich nach dem Kopfschütteln des bestürzten Notars laut mit seinem Kurzblicke , der jetzt Bekannte und Unbekannte durcheinanderwerfe , und setzte hinzu : » Verzeihen Sie einem Halbblinden , ich hielt Sie für den Herrn Waldherrn Pamsen aus Hamburg , meinen Intimen « - und ließ ihn im Bewußtsein einer Verlegenheit , deren Quelle der redliche Notar nicht in seiner Wahrhaftigkeit suchte , sondern in seinem Mangel an Reisen , die immer das Hölzerne aus den Menschen wegnehmen , wie die Versetzungen das Holzige aus den Kohlrüben . Jetzt trat nach dem dienerischen Abendrote der Aurora , hinter welcher der Notar seine Lebens-Sonne finden wollte , wirklich der Reiter des Morgens im blauen Überrock , aber mit Federbusch und Ordensstern aus dem dichten Laubholze heraus samt Gesprächen mit einem fremden Herrn . Der Flötenspieler brauchte bloß auf einen brennenden Blick des Notars seinen kalten zu werfen , um fest zu wissen , daß der Morgen-Mann dem Feuerherzen des Bruders wieder erschiene , den er nur aus Ironie mit der Verwechslung des roten Bedienten mit dem blauen Herrn geneckt . Walt ging ihm entgegen ; in der Nähe erschien diesem der Musengott seiner Gefühle noch länger , blühender , edler . Unwillkürlich nahm er den Hut ab ; der vornehme Jüngling dankte stumm fragend und setzte sich ans erste beste Tischchen , ohne durch den sprungfertigen Rot-Rock etwas zu fodern . Der Notar ging auf und ab , um , wie er hoffte , vielleicht unter das Füllhorn der Reden zu kommen , das der schöne Jüngling über den Begleiter goß . » Wenn auch .... ( fing der Jüngling an , und der Wind wehte das Hauptwort Bücher weg ) nicht gut oder schlecht machen , besser oder schlechter machen sie doch . « Wie rührend und nur aus dem Innersten in das Innerste dringend klang ihm diese Stimme ' welche des schönen wehmütigen Flors um das Angesicht würdig war ! - Darauf versetzte der andere Herr : » Die Dichtkunst führt ihre Inhaber zu keinem bestimmten menschlichen Charakter ; wie Kunstpferde machen sie Küssen und Totstellen und Komplimentieren und andere fremde Künste nach ; sind aber nicht die dauerhaftesten Pferde zum Marsch . « - Das Gespräch war offenbar im Poetengange aufgewachsen . » Ich bin gar nicht in Abrede « , versetzte der blaue Jüngling ruhig ohne alle Gestus , und Gottwalt ging immer schneller und öfter vorüber , um ihn zu hören , » sondern vielmehr in der Meinung , daß jede , auch willkürliche Wissenschaft , dergleichen Theologie , Jurisprudenz , Wappenkunde und andere sind , eine ganz neue , aber feste Seite an den Menschen oder der Menschheit nicht nur zeige , auch wirklich hervorbringe . Aber desto besser ! Der Staat macht den Menschen nur einseitig und folglich einförmig . Der Dichter sollte also , wenn er könnte , alle Wissenschaften d.h. alle Einseitigkeiten in sich senden ; alle sind dann Vielseitigkeit ; denn er allein ist ja der einzige im Staat , der die Einseitigkeiten unter einen Gesichtspunkt zu fassen Ruf und Kräfte hat und sie höher verknüpfen und durch loses Schweben alles überblicken kann . « » Ganz evident « , sagte der Fremde , » ist mir das nicht . « - » Ich will ein Beispiel geben «