wußte nicht , was ich that , als ich , der inneren Stimme folgend , so schnell ich konnte , ihm entgegeneilte . Sonst , wenn ich , noch ein halbes Kind , so im Laufe von der Höhe zu ihm heruntergeflogen war , hatten seine Arme sich mir entgegengebreitet und ich hatte mich an seine Brust geworfen mit dem Glücksgefühle , daß ich im Hafen sei . Jetzt , als ich athemlos vor Freude und Erregung vor ihm stand , mußte ich beschämt die Augen niederschlagen , um es nicht zu sehen , wie wenig die unerwartete Begegnung ihn erfreute . Wo kommst Du her ? fragte er mich , ohne mir auch nur die Hand zu reichen . Ich habe Dich gesucht , gab ich ihm zur Antwort ; ich befürchte , daß Du keine gute Verhandlung mit dem Amtmann hattest , daß es zu keinem Abschlusse gekommen ist ! - Und als ich das ausgesprochen hatte , fiel mir ' s auf das Herz , daß zwischen mir und ihm schon seit lange immer nur von seinen Geschäften die Rede gewesen war . Obschon die Mittagssonne heiß herniederbrannte , wollte ich über die Wiese den Rückweg nehmen , weil es uns am schnellsten nach dem Schlosse gebracht hätte , und ich scheute mich , mit ihm allein zu sein , weil es mir dann immer am schmerzlichsten fühlbar wurde , wie er mir gar nichts mehr zu sagen hatte . Wider mein Erwarten äußerte er die Absicht , über die Höhe nach Hause zu gehen . Als wir hinaufstiegen , bot er mir den Arm . Ich wollte fragen , mich erkundigen ; er hieß mich schweigen , meine Brust zu schonen ; aber auch er sprach nicht zu mir . Die Sonne erwärmte das Laub und die Stämme , daß uns aus den dicht verschatteten Gängen überall ein warmer Blätterduft ntgegenquoll . Von Zweig zu Zweig huschten die Vögel an uns vorüber , es sang und zwitscherte rund um uns her , es blühte , wohin man sah , und dazwischen zuckte und flammte das Sonnenlicht bald hier , bald dort zwischen der dichten Blätterfülle hervor und streute seinen glühenden Wiederschein über das grasige Erdreich hin , daß man wie auf dunkelrothen Blumen ging . Mitten in der Traurigkeit , die sich während dieses schweigenden Ganges immer lähmender auf mich herniedersenkte , wirkte die Herrlichkeit des Tages doch noch auf mich ein , und um nur die Stille zu unterbrechen , um nur nicht zu merken , wie einsam ich an seiner Seite sei , sagte ich : Siehst Du denn nicht , wie schön es hier ist ? Gewiß ! entgegnete er mir , es wird mir schwer genug werden , es wieder zu entbehren . Ich war nicht gleich im Stande , ihm auszudrücken , wie unerwartet mir seine Antwort kam , aber er mochte mein Erstaunen in meinen Mienen lesen , und ehe ich noch ein Wort gesprochen hatte , sagte er : Mein Urlaub geht zu Ende , unser Regiment kommt in den nächsten Wochen über den Rhein zurück . Ich muß es zu erreichen suchen , um meine Compagnie doch selbst in die Hauptstadt einführen zu können . Er sprach das so einfach , so natürlich - und welche Grausamkeit wäre einem treulos gewordenen Herzen nicht natürlich ? - daß er mich täuschte . Ich war es schon gewohnt worden , ihn nur an seine eigenen Wünsche denken zu sehen , und das Verlangen , mit den Tapfern , in deren Mitte er gekämpft hatte , unter unseres geliebten Königs Augen in die Hauptstadt einzuziehen , war ja ein berechtigtes . Ich selbst sehnte mich danach , ihn an der Seinen Spitze , im Siegesschmucke , im deutschen Eichenkranze zu erblicken . Indeß ich unterdrückte diesen Wunsch , und nur die Frage that ich , wann er gehen wolle . Sobald ich hier mit dem Amtmann abgeschlossen habe ! Du denkst also , ihn zu behalten ? erkundigte ich mich . Ja , als Pächter ! entgegnete er kurz . Mein Erschrecken war groß , indeß ich hatte seit lange die Erfahrung gemacht , daß meine Bitten , meine Vorstellungen ihn nicht bestimmten . Du hast also Deine Absichten geändert , Du willst die Güter nicht selbst bewirthschaften , wie Du es noch vor wenig Tagen vorgehabt hast ? erkundigte ich mich . Nein ! sprach er sehr bestimmt . Ich wußte mir nicht zu erklären , was geschehen sein konnte , ich schwieg also ; aber das reizte seine Ungeduld , und heftiger , als es zu verantworten war , rief er : Sprich es doch aus , was Du denkst , und hülle Deine Unzufriedenheit nicht in dieses Schweigen , das mich verdammt , weil ich endlich , endlich einmal von den Sorgen freizukommen wünsche , die mein Erbtheil gewesen sind von Jugend auf ! Was habe ich denn bis jetzt von meinem Leben , von diesen Gütern anders gehabt , als Sorgen ? Von unseren übeln Vermögensumständen habe ich den Caplan sprechen hören , als ich mich , ein Knabe , noch an Märchen zu ergötzen wünschte ! Um unserer Vermögensverhältnisse willen schickte man mich in das Heer , in einem Alter , in welchem mein Vater in wahrhaft königlicher Freiheit mit seinem Erzieher die halbe Welt durchreiste ! Als ich nach längerer Zeit ins Vaterhaus zurückkam , empfing mich die Kunde , daß unsere Lage es für meinen Vater nöthig mache , auf mein mütterliches Erbe zurückzugreifen , und ich gab es hin ! Im Feldlager , am Vorabende der größten Schlacht , erreichten mich mit der Nachricht von meines Vaters Tode die Berichte über unseren sich entwerthenden Besitz ! Am Beiwachtfeuer , auf dem Siechbette im Lazareth , in den Sälen von Paris , bei dem Wiedersehen des Onkels , in dem Bureau von jenem Tremann und hier in meinem Hause höre ich immer und ewig nur dasselbe alte Lied ! Und wenn einmal der Schatten