Wer weiß , wenn es wieder einem Hauptverbrecher gefällt , sich von mir einfangen zu lassen ! « In diesem Augenblicke meldete der Bediente einen herrschaftlichen Jäger , welcher Seine Excellenz zu sprechen wünsche . Auf ein Kopfnicken des Letzteren trat Franz ein und übergab einen Brief , indem er sagte : » Von dem Herrn Baron von Brand . « Man kann sich denken , wie der Präsident bei dieser Meldung zurückfuhr und daß er mit zitternden Fingern das Couvert abriß . Auch schien ihn die Einlage desselben nicht zu beruhigen ; es war ein einfaches Blatt , auf welchem die Worte standen : » Der Baron von Brand gibt sich die Ehre , Seine Excellenz den Herrn Polizeipräsidenten daran zu erinnern , daß er heute Abend erwartet wird und zwar zu einem Whist à trois mit dem todten Mann . « - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Im Hause des Kommerzienrathes Erichsen hatte man in diesen Tagen ebenfalls eine Verlobung gefeiert , nicht so geräuschvoll wie bei Seiner Excellenz dem Kriegsminister , aber darum nicht minder herzlich . Zwar saß die Räthin auch bei dieser Veranlassung steif wie immer in ihrer Sophaecke , doch lag über ihren Zügen eine angenehme Weichheit , ihre Augen blickten freundlich und sie wandte den Kopf häufig nach der rechten Seite , wo Herr Staiger saß , an dem die alte Dame ihr besonderes Wohlgefallen zu finden schien . Der Mann hatte so ein gutes warmes Herz und ein ehrliches Gemüth , das sich bei jedem seiner Worte kund gab ; dabei konnte er so angenehm erzählen , und bei dem , was er am heutigen Tage vorbrachte , kam es denn heraus , daß seine Eltern mit denen der Kommerzienräthin vor langen Jahren in einem sehr freundschaftlichen Verhältniß gestanden , was zu vernehmen der Madame Erichsen nicht gerade unlieb war . Marianne hatte sich der Verlobten ihres Bruders herzlich und innig angenommen und liebte sie schon nach den ersten Tagen ihrer Bekanntschaft wie eine Schwester . Ja , sie hatte der Kommerzienräthin erklärt , da sie selbst keine Kinder habe , so wolle sie sich des guten armen Mädchens annehmen und mache sich ein wahres Vergnügen daraus , derselben eine glänzende Aussteuer zu geben . Der Kommerzienrath hatte sich wie immer Diner und Champagner wohl schmecken lassen und war glückselig , daß die verdrießlichen Geschichten in seinem Hause sich wieder anfingen aufzuklären und daß er Hoffnung hatte , nächstens wieder ein stilles und harmloses Leben führen zu können . Wenn auch leider alle Bemühungen gescheitert waren , um seine Schwiegertochter Bertha wieder in das Haus ihres Mannes zurück zu bringen , obgleich bis jetzt noch keine Scheidung erfolgt war , so hatte er dagegen einen Brief von seinem Schwiegersohn Herrn Alfons in der Tasche , worin sich dieser an seine Frau wandte , sein Unrecht vollkommen einsah und versprach , bei seiner Rückkunft - er hatte nämlich zu seiner Zerstreuung eine kleine Reise unternommen - so viel in seinen Kräften stände , Alles wieder gut machen zu wollen . Auch bei diesem Diner fielen Toaste , und als das Dessert aufgesetzt wurde , ergriff sogar die Kommerzienräthin ihr Glas , nachdem sie vorher , diesmal mit beiden Händen , auf den Tisch getrommelt , und brachte die letzten Tropfen ihres Champagnerkelches allen denen zu , welche ihre Nebenmenschen ohne Neid und Mißgunst liebten , die statt gehässig die Fehler Anderer aufzudecken , lieber deren gute Seiten hervorheben , die dabei Freunde der Wahrheit und Feinde jeglicher Verleumdung seien . Ein Trinkspruch , zu welchem aus vollem Herzen Amen zu sagen auch wir uns gedrängt fühlen und mit uns gewiß der größte Theil unserer verehrlichen Leser . Sechsundachtzigstes Kapitel . Schluß . Es ist sehr schwer , von dem Schluß einer Geschichte wie die vorliegende zu sprechen . Eine solche Geschichte schließt sich eigentlich nie ab . Die Wenigen ausgenommen , über deren Lebensende berichten zu müssen wir so unglücklich waren , befinden sich alle Uebrigen in Fülle der Gesundheit , und wenn es unsere Zeit und die Geduld des Lesers erlaubten , so könnten wir aus dem ferneren Leben und Treiben der aufgetretenen Personen noch eine Menge der allerschönsten , zur Mittheilung geeigneten Sklavengeschichten auffinden . Ein Erzähler darf aber nicht gegen die Nachsicht seines Publikums sündigen , und es ist seine Schuldigkeit , so bald er glaubt , er habe sein Mögliches gethan , eine hübsche Gelegenheit zu ergreifen , um sich dem Leser zu empfehlen und sein Buch zu beschließen . Wir glauben dies in keinem passenderen Zeitpunkt thun zu können , als jetzt und wollen nur mit wenigen Worten hinzufügen , was in der nächsten Zukunft sich mit einigen der Personen zugetragen , die in unserer sehr wahrhaftigen Geschichte aufgetreten . Wir können dies um so weniger unterlassen , da hierbei noch ein paar kleine Sklavengeschichten zu Tag kommen , deren Details sich der Leser , wenn er gleiche Verhältnisse bei sich oder Andern sieht , am besten selbst auszumalen im Stande sein wird . Gewöhnlich folgt auf eine Verlobung die Hochzeit . So war es auch bei dem Grafen Fohrbach und Arthur Erichsen der Fall . Obgleich die Freundschaft dieser Beiden in gleicher Stärke fortdauerte , so hatten sie sich doch in letzter Zeit nicht so häufig gesehen wie früher . Zufällig aber war die Hochzeit beider Paare an demselben Tage , und fast zur gleichen Stunde verließen sie die Stadt , um eine längere Reise anzutreten . Graf Fohrbach zog gen Norden , wo seine Familie weitläufige Güter besaß , Arthur aber nach Italien , nach dem herrlichen Lande , das er schon lange zu sehen gewünscht . Der Abschied Clara ' s von ihrem Vater war ziemlich schmerzlich gewesen , denn Herr Staiger meinte , bei seinem Alter könne die Trennung von einem halben Jahre wohl zu einer ewigen werden . Doch bestätigte sich diesmal