, allemal einer Oeffnung an der andern , in einen mit Schnee bedeckten Garten hinausgehenden Seite gegenüber , Bilder , die von einem Tüncher verfertigt schienen und Wunder des heiligen Franciscus vorstellten . Jedes derselben war geistlos . Schon aus der Jahreszahl 1707 konnte man den Geschmack sowol der Malerei , wie den Stil der Unterschriften erkennen . An die Poesie eines winterlich romantischen Klosterkreuzgangs , wie ihn unser Lessing gemalt hat , war hier nicht zu denken . Eine hölzerne Gitterthür führte ins Kloster . Pater Ivo schlenderte leise singend in einem der langen Gänge und Quirinus sprang fast wie ein Tänzer mit seiner langen Kutte voraus , um dem Provinzial-Guardian Maurus die Meldung zu machen ... Einstweilen trat Bonaventura in das Refectorium . Es ähnelte einem Wirthshauszimmer auf dem Lande mit alten Holzpfeilern , mächtigem Ofen , Stellagen zum Aufschichten der Eßgeräthschaften . Von hier aus sah man durch kleine Scheiben in den innern , strohbedeckten Garten ... Bonaventura sehnte sich , ein Wort der Ermunterung mit Sebastus zu sprechen ... Aus Lucindens Beichte wußte er ja , daß er hatte nach Belgien entfliehen wollen ... Sie hatte ihm sogar die Ueberredung , daß Sebastus zu den Jesuiten hatte entfliehen wollen , nicht verschwiegen ... Daran nun zu erinnern war Bonaventura freilich verboten ... Alles , was er etwa Lehrreiches , Warnendes oder Ermunterndes gerade über diesen Punkt mit dem Convertiten hätte sprechen können , mußte ausdrücklich unterbleiben ... Als Beichtvater durfte er nicht mehr von ihm wissen , als was Sebastus selbst voraussetzen konnte ... Er mußte unwahr sein . Die in Reihe und Glied aufgestellten steinernen Bierkrüge der Mönche musternd , hörte er Quirinus ' Rückkehr ... Dieser kam bestürzt . Er sagte , der Pater Sebastus hätte eine Pön verwirkt und sollte niemanden sprechen ; der Provinzial würde sogleich selbst erscheinen und sich dem Herrn Domherrn entschuldigen ... Bald auch kam Pater Maurus . Aeußerlich war er nicht zu unterscheiden von allen andern Mönchen . Man kann in Rom auf der Via Appia in einem Omnibus mit Bauern aus Tivoli fahren , hat neben sich einen einfachen Mönch in weißem Kleide sitzen und weiß nicht , daß es der großmächtige General der Dominicaner ist ... Pater Maurus war ein hoher , starkknochiger Mann . Seine buschigen und schwarzen Brauen lagen trotzig über den funkelnden Augen , die sich den Ausdruck der Unterwürfigkeit gaben . Immer erstarb sein Lächeln ebenso rasch wie es kam . Eher glich dieser Mönch einem Gefängnißwärter als einem Boten des Friedens . Pater Quirinus zog sich zurück ... Der Provinzial und der Domherr setzten sich auf die nächsten Holzschemel ... Vergebung , Herr Domherr , sagte der Provinzial , wir haben mit dem Pater Sebastus einen schweren Stand ! Die Regierung lieferte ihn uns aus der Residenz des Kirchenfürsten zurück mit dem Bedeuten , ihm jede schriftstellerische Thätigkeit zu untersagen , jede Theilnahme an unserm gegenwärtigen traurigen Kampfe . Die Weisung war überflüssig , da der Pater ohnehin erkrankte und uns eine Zeit lang ernste Besorgnisse einflößte . Seit einiger Zeit geht es ihm besser ; doch ließen wir ihn in der Krankenstube , weil er , in seine Zelle zurückgekehrt , seine Pflicht , Nachts zwölf Uhr aufzustehen und in den Chor zu gehen , um zu singen , wie jeder andere hätte erfüllen müssen . Heute in aller Frühe besuchten ihn zwei Fremde , ein Jude und jener Mensch , dem wir vor wenig Stunden den frechen Auftritt im Düsternbrook verdankten . Ich nehme Ihr Vertrauen in Anspruch , Herr Domherr ! Denken Sie sich die Verabredung ! Jenes Stück Tuch , das der Störenfried auf den Sarg zu legen wagte , bekam er von unserm Pater , dem Sohne des damals unglücklich , wie man jetzt sicher weiß , nur im Wortwechsel und nach offener Gegenwehr Gefallenen . Dafür verlangte er von jenem Juden , wie von dem Küfer - Stephan Lengenich ist sein Name - die Mittel zur Flucht ... Wie erfuhren Sie das ? war eine Frage , die Bonaventura mehr aus Schreck aussprach , als in Voraussetzung , daß die Gespräche , die im Krankenzimmer gehalten wurden , belauscht werden konnten ... Erst als er Pater Quirinus an der zufällig aufgehenden Thür des Refectoriums stehen sah , kam ihm die Vorstellung , daß seine Frage ohne Beantwortung bleiben konnte ... Wir wissen es , Herr Domherr ! sagte der Provinzial mit verdrossenem Blick auf die Thür . Wir wußten es schon in der Frühe . Ich hatte mir eine ernste Ermahnung als einzige Buße vorgenommen . Seitdem jedoch durch des Paters Mitwirkung eine heilige Handlung gestört , eine ganze Familie , der er selbst früher so oft bekannt hat Dank schuldig zu sein , durch sein Zuthun unverantwortlich compromittirt worden ist , hab ' ich ihm statt des Krankenzimmers die Strafzelle angewiesen . Ich kann nicht wünschen , daß Sie ihn in seinem gegenwärtigen Zustande sehen . In welchem Zustande ? fragte Bonaventura mit gesteigertem Bangen und folgte der Bewegung des Provinzials , der sein Ohr spitzte , als vernähme er irgendwoher einen Ruf ... In der That hörte man in dumpfer weiter Ferne einen Ton wie einen Schrei um Hülfe ... Bonaventura mußte aufspringen und sich an dem Schemel halten ... Das ist er ? sagte er und deutete auf das Fenster , von wo der gellende Schrei gekommen war . Er ist es ! Ja ! sprach der Provinzial mit kalter Ruhe ... So tobt er in seiner Strafzelle und spricht wild durcheinander ... Ich lass ' ihn binden , wenn er nicht schweigt ... Lassen Sie mich zu ihm ! bat Bonaventura ... Herr Domherr , diese Wohlthat wäre unverdient ... Er würde auch Sie anfahren wie ein wildes Thier ... Nein , nein , wir kennen uns ! Sie würden uns die Züchtigung stören , die ein Pater verdient , der aus seinem Kloster entfliehen will ! Bonaventura stand mit schwindendem Bewußtsein . Er sah Abgrund und Nacht um sich her