nicht unsere Aufgabe , die schrecklichen Leiden der einzelnen Abtheilung der Expedition weiter zu verfolgen . Der Tod , der in ihren Reihen wüthete , verbreitete sich bald auch unter die Truppen des Generals . Um 8 Uhr Abends hatte man bereits 150 Todte und 350 Sterbende . Es war ein schreckliches Schauspiel , das die muthigsten Herzen mit Grauen erfüllte . Es handelte sich nicht mehr darum , einen Feind zu verfolgen , der stets vor den Blicken am unermeßlichen Horizont der Steppe verschwand , sondern einer Geißel Gottes zu entrinnen . Nur die Energie des tapfern Afrikaners trieb die Truppen auf dem Wege nach der Küste vorwärts , wo man hoffen konnte , Schiffe zu finden und durch die frische Seeluft die Krankheit gemildert zu sehen . Die Colonne des Generals Espinasse war bis Kergeluk vorgedrungen , und der Todesengel hatte sie mit gleicher Wuth getroffen . Das brave Infanterie-Regiment , das die Kranken aus dem brennenden Lazareth in Varna getragen , hatte den Giftstoff der Ansteckung in seinen Adern mit in die Wüste gebracht und die Anstrengungen des Steppenmarsches ließen ihn bald zur vollen Wuth ausbrechen . Todte und Sterbende lagen haufenweise unter den Zelten . Man hatte keinen Feind gesehen und dennoch bedeckten Leichen den Boden , wie nach einer Schlacht ; man grub Gräber , um die gestorbenen Gefährten zu begraben , aber bei dem Aufwerfen der Schollen entquollen pestilenzialische Dünste dem Boden ; so Mancher , der dem Kameraden ein Grab grub , legte die Schaufel nieder , ehe das Werk vollendet war , und warf sich schweigend an , den Rand der halboffenen Gruft , um nicht mehr aufzustehen . Die noch Lebenden wurden auf die Pferde gehoben oder von den Kameraden getragen , sogar auf die Fahrzeuge der Artillerie mußte man die Kranken laden . Diese verhängnißvolle Nacht war die zum 30. Juli . An dem andern Tage vereinigten sich die Colonnen der beiden Generale , und man konnte deutlich sehen , wie die Furcht vor einem ruhmlosen Ende auch die Häupter der Unerschrockensten zu Boden drückte . Da gegenseitige Hülfe nicht denkbar war , so galt es , jede größere Anhäufung von Menschen zu vermeiden . Die Yussuf ' sche Colonne ging ohne Aufenthalt an den Kampfgefährten vorüber und bewegte sich gegen Mangalia , indem sie auf ihrem Wege als verhängnißvolle Etappen zahlreiche Gräber zurückließ , die den Pfad anzeigten , den sie gewandert . Bei diesem Marsch war es , daß der Vicomte durch ein kurzes Wiedersehen des deutschen Arztes die erste Nachricht von seiner Rettung erhielt . Doctor Welland war in voller Thätigkeit und lohnte mit energischer Aufopferung das edelherzige Einschreiten des Generals . So schrecklich die Verhältnisse waren , unter denen man sich wiederfand , so herzlich war die Begrüßung im Leben von beiden Seiten , und mit Vergnügen hörte der Vicomte , daß , wenn der schwarze Tod sie verschonte , sie bei seinem eigenen Regiment sich wiederfinden sollten . Die Espinasse ' sche Division erreichte mittlerweile ihr ehemaliges Bivouac bei Pallas , wo sie ein Bataillon mit den Tornistern der Infanterie , eine Section der Ambulancen und ihr anderes Gepäck zurückgelassen hatte . Da es unmöglich wurde , alle Kranken noch weiter zu schaffen und die Führer darüber einig waren , der grausamen Anweisung des Marschalls so lange als möglich keine Folge zu geben , so ließ man hier bei der Ambulance einen Theil der Kranken zurück und zugleich zwei Bataillone zu ihrem Schutze . Die Seuche wuchs an Heftigkeit und jede Minute vermehrte sich die Chiffre der Sterblichkeit . Am 31. war die Division vereinigt und entledigte sich ihrer Kranken nach Küstendsche , wo der » Pluto « sie aufnahm . Bisher waren die Zuaven am meisten heimgesucht , obwohl alle Corps ohne Ausnahme viel zu leiden hatten . Warten war hier gleichbedeutend mit Sterben . Der General bestimmte daher , daß den anderen Morgen um halb 5 Uhr der weitere Rückmarsch nach Varna angetreten werden sollte - aber noch denselben Abend um 10 Uhr traf unerwartet der General Canrobert von seiner Argonautenfahrt vor Küstendsche auf dem » Cazique « ein . Von allen Seiten erhoben sich bei dem Anblicke des geliebten Führers in diesem durch die schrecklichste aller Krankheiten decimirten Lager die lebhaftesten Zurufe , Aller Arme streckten sich ihm entgegen ; die Sterbenden erhoben sich , um ihrem General entgegen zu gehen ; denn dem Unglücklichen erscheint jede Veränderung seiner Lage als eine Besserung , und nicht bald war ein General so von den Seinigen geliebt , wie Canrobert . Welches Schauspiel entrollte sich aber seinen Blicken . Auf allen Seiten lagen unter dem Schutze der Zeltdächer die Fieberkranken ausgestreckt . Ueberall hörte man Gestöhne , und der Tod mähte mit unbarmherziger Sichel in den Reihen der erschöpften Krieger . So fand Canrobert seinen schönen , stolzen , kriegslustigen Heerhaufen wieder , den er voll Leben und Kampfesdurst verlassen hatte . Ohne ein Wort zu sagen , reichte er seiner Umgebung die Hände und man sah Thränen seinen Wangen entrollen . Dann durchschritt er die Zeltgassen , hatte ein Wort des Trostes für alle Leidenden , belebte den Muth der Gesunden durch die Hoffnung auf nahen ruhmvollen Kampf , und beugte sich mitfühlend über jene herab , die im Begriffe waren , eine Beute des Todes zu werden . Mittlerweile wuchs die Sterblichkeit in der schreckbarsten Weise . In der Nacht und an dem folgenden Morgen wurden alle disponiblen Pferde der Artillerie , so wie die Packmaulthiere der Offiziere , requirirt , um 800 Neuerkrankte nach Küstendsche zu schaffen . Am 1. August verließ man Pallas und am 2. war die Zahl der Erkrankungen wieder so groß , daß die Sänften und Araba ' s nicht mehr genügten , um die von der Seuche Ergriffenen fortzuschaffen ; man mußte endlich zu den Pferden der Offiziere und Generale seine Zuflucht nehmen . Zu allem Ueberflusse begannen unbegreiflicherweise die Lebensmittel zu fehlen . Canrobert gab einem von Küstendsche mit Cholerakranken abgehenden Schiffe die Weisung mit