ihre Tätigkeit zu beginnen . Im ganzen eine reizlose Landschaft , gleich arm an charakteristischen wie an Schönheitspunkten . Nicht viel günstiger wirkt Fahrland selbst . Von dem dichterischen Reiz , mit dem unser märkischer Poet par excellence dasselbe zu umkleiden wußte , ist wenig zu entdecken . Wir passieren es also , um jenseits desselben den » Sipunt « kennenzulernen , der , in einem gleichnamigen Gedichte » Der Sipunt bei Fahrland « , noch über die Dorfesherrlichkeit hinaus , eine poetische Glorifikation gefunden hat . Dieser Schilderung nach mußten wir eine Wolfsschlucht oder irgendeine Lieblingsstätte des wilden Jägers erwarten , 25 aber eine mit Kropfweiden bepflanzte Niederung , die im Sommer den Charakter einer Wiese , im Herbst und Frühjahr den eines Luches hat , war alles , was sich unsrem Auge bot . Prosaische Tristheit anstelle poetischer Gruslichkeit . Wir wählten deshalb von zwei Übeln das kleinere und kehrten in das Dorf zurück , das immerhin drei bemerkenswerte Stätten hat : das Amtshaus , die Kirche und die Pfarre . Das Amtshaus , ein relativ moderner Bau , auf dessen Entstehung wir zurückkommen , wirkt so nüchtern wie möglich . Die Stelle , auf der es steht , ist aber alter historischer Boden . Hier ging die Grenzscheide , hier stand das feste Schloß » Vorland « , ein Name , der sich erst um die Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts in Fahrland umwandelte . Um eben diese Zeit , nachdem » Schloß Vorland « bis dahin landesherrliche Vogtei gewesen war , saßen hier die Stechows , die damals in verschiedenen Zweigen blühten und im Havellande reich begütert waren . Sie besaßen zunächst Stechow selbst , dann Satzkorn , Dyrotz , Groß-Glienicke , Heinenholz und Fahrland . Hier in Fahrland hatten sie drei Rittergüter . Im allgemeinen wird wenig von ihnen gemeldet , doch erfahren wir aus den Kirchenbüchern , daß um die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts einer von der Familie lutherischer Prediger zu Fahrland war . Er hieß Hans von Stechow und starb 1558 . 26 Beinahe hundert Jahre später erfolgte dann ein Rückschlag und wir finden um das Jahr 1646 folgende Aufzeichnung : » Christoph von Stechow bekennt sich zur römisch-katholischen Lehre . Seine Mutter hält noch lutherisch aus . Gott kräftige sie . « Es ist also ersichtlich , daß ein Zweig der Stechows ebenso wie der Rochows und anderer märkischer Familien , während des Dreißigjährigen Krieges wieder katholisch wurde . Es wäre gewiß interessant , zu erforschen , was diese Wandlung herbeiführte . War es einfach ein religiöser Zug , der in der einen Kirche keine Befriedigung fand und sie bei der andern suchte , oder war es deutsch-nationales Gefühl , Hinneigung zum Kaiser und Haß gegen Schweden , dessen bloß ehrgeizige Absichten damals bereits klar zutage lagen ? Die Fahrlander Stechows waren sehr wahrscheinlich noch 1699 katholisch , wenigstens einige von ihnen , wie aus folgendem Schreiben hervorgeht , das 1788 in Fahrland eintraf und den Kirchenakten einverleibt wurde . Das Schreiben lautete : » Herr Christoph von Stechow besaß mit seinem Bruder Johann Wolfgang von Stechow , Domherrn und nachherigem Domdechant zu Halberstadt , das Lehngut Fahrland in der Mittelmark , und verkaufte solches für fünfzigtausend Taler an den damaligen Kurfürsten zu Brandenburg , nachherigen König von Preußen Friedrich I. Anno 1699 . Herr Christoph von Stechow zog darauf nach Schlesien , kaufte daselbst Güter und ward vom Kaiser Leopold nebst seiner männlichen und weiblichen Descendenz in den alten Freiherrnstand des Königreichs Böhmen erhoben . Seine Gemahlin war Thekla Margaretha von Mönster , mit welcher er in Fahrland zwei Kinder erzeugt hat : Maria Josepha von Stechow , welche 1690 , und Franz Wolfgang von Stechow , welcher 1694 geboren wurde . Da diese Kinder in Fahrland das Licht der Welt erblickten und vermutlich in der dortigen Kirche getauft wurden , so wird um deren Taufschein ergebenst gebeten . « ( Diesem Wunsche konnte willfahrt werden . Man fand beide Kinder im alten Kirchenbuch verzeichnet und ihre Taufscheine wurden ausgestellt . ) Von 1699 ab war Fahrland kurfürstlich bzw. königlich . Kurfürst Friedrich III. ließ das alte Schloß abtragen und dafür » ein neues Schloß oder Lusthaus von zwei Etagen mit sieben Logamenten « , welches zugleich als Amtshaus dienen sollte , erbauen . Bei Herstellung desselben wurde die alte Kirche auf dem Kirchberg als Steinbruch benutzt und die schönen Gewölbe und Spitzbogen fielen , um als » Amtshaus im Kasernenstil « wieder aufzustehn . Die Kirche in Fahrland wirkt nicht besser . Sie präsentiert sich als schmuckloser Bau , in dem direkte Überreste alter Gotik so geschickt bekalkt und bemörtelt sind , daß nichts übriggeblieben ist als Wand und Fenster und der Unterbau eines Turms . Auch das Innere wirkt nüchtern . Aber der Kirchhof ist nicht ohne Interesse , besonders an der schattigen Stelle , wo er seinen Rasen in einen durch Kirche und Sakristei gebildeten Winkel einschiebt . Hier wurden die Geistlichen bestattet ; die Grabsteine erzählen davon . In Dörfern , in denen die adligen Geschlechter wegsterben , treten die Pfarrherren in gewissem Sinne an die Stelle derselben ; sie werden die Herren , jedenfalls die Repräsentanten des Dorfs , alle entsprechenden Ehren fallen ihnen zu und ihre Grabsteine fangen an , die bevorzugten Stellen innerhalb und außerhalb der Kirche einzunehmen . So auch hier . Das Pfarrhaus . Einer der Grabsteine , hochaufgemauert , gönnt , wie ein kleines Kastell , einen Überblick und zwischen schrägstehenden , dickstämmigen Maulbeerbäumen hindurch , über die alte Kirchhofsmauer hinweg , trifft unser Auge auf das still und ab gelegen daliegende Predigerhaus . Ein märkisches Haus , so einfach wie möglich , einstöckig , zwei mächtige Linden vor der Tür , die Front des Hauses von wildem Wein umrankt ; die Fensterpfeiler so schmal , daß das Ganze wie ein Glashaus aussieht , oder wie die Predigerhäuser auf alten holländischen Bildern . Über der Tür ein kurzes : Friede sei mit euch . Wir treten ein . Es ist ein historisches