Neuhof hingen ! Dort vielleicht auch die Gründe bekannt , warum seit Jahren der Dechant nur mit dem Ausdruck des größten Mismuths seines alten Freundes , des Kronsyndikus gedachte ! Dort auch vielleicht - ein Zusammenhang - es durchzuckte ihn das so - mit jenen Drohungen , die Lucinde gegen ihn selbst auszustoßen gewagt ? Der junge Mönch entfaltete kostbare Meßgewänder , warf sich sogar eine » Kasel « um und zeigte mit wohlgemuther Freude , wie schwer sie an echtem Golde war ... Die ist noch nicht zu alt ! sagte er . Die verstorbene Frau von Wittekind hat die köstliche Arbeit , die in Paris gemacht wurde , vor vierzig Jahren gestiftet ... Das war die Schwiegermutter seiner Mutter ... Pater Ivo ging leise singend vorüber , huschte mit dem Weihwedel und jagte die Geister fort ... Pater Quirinus sah ihm lachend nach , während Bonaventura in Rührung stand ... Beim Oeffnen der übrigen Schränke und dem wiederholten Anlegen der kostbaren Gewänder durch den jungen Pater erkannte Bonaventura einen oft vorkommenden Fehler seiner geistlichen Brüder , Eitelkeit auf ihren malerischen äußern Schmuck beim Cultus . Die Mönche von Kloster Himmelpfort lasen ringsum in kleinen Kapellen die Messe ... Rom hält die Menschheit doch an tausend Fäden ! sagte sich Bonaventura ... Als der junge Mönch eine Anzahl Gefäße aus dem Verschluß doppelter und dreifacher Schlösser hervorholte , fragte er ihn : Warum traten Sie in den Orden ? Es war mir die beste Versorgung ! erwiderte der junge Mann ... Ich bin armer Aeltern Kind , wollte studiren , brachte mich kümmerlich durch und hatte keinen Muth , auf die Universität zu gehen . Ich wollte ins Postfach , meldete mich und wurde wegen Ueberfluß von Meldungen nicht angenommen . Eine Braut , die ich hatte , wollte nicht länger warten und heirathete mir vor der Nase weg einen andern . Das verdroß mich . Ich wußte nicht , was anfangen , und ging ins Kloster . Zwei Jahre war ich Novize . Jetzt hab ' ich die Weihen und bin versorgt . Sie wollen nicht höher hinauf ? Haben keinen Ehrgeiz ? fragte Bonaventura , erstaunt über diesen Mangel an Empfindung bei einem doch so traurigen Geschick ... Nein ! war die unbefangene Antwort ... Also gibt Ihnen der Schmerz über die Täuschung durch Ihre Liebe diese Kraft , so zu entbehren und zu entsagen ? ... Meine Braut handelte vernünftig ! Ich hätte erst zehn Jahre auf eine Anstellung bei der Post oder im Steuerfach warten müssen ! Jetzt hab ' ich mein Brot ; für mich freilich nur allein , aber das kann man ertragen ... Währenddessen schloß der junge wohlgenährte Pater einen Schrank nach dem andern auf und zu , knixte erst vor jedem geweihten Gegenstande , zeigte ihn dann , schloß ihn wieder mit einem Knix ein , alles nach derselben Cadenz und mit der größten innern Befriedigung . Bonaventura konnte sich in eine solche Weihelosigkeit nicht finden . Er mochte noch immer glauben , daß hier ein Schmerz überwunden und für die Zufriedenheit an diesem Berufe vielleicht auch Pater Hubertus ' Abrichtung gesorgt hätte ... Auch Ihnen hat zu dieser wohlgemuthen Ergebung in manche Entbehrung gewiß der » Bruder Abtödter « verholfen ? fragte er ... Pater Quirin lachte ... Na ja ! sagte er . So kennen Sie also auch den alten Knaben ? Er konnte sich lange nicht in den Frieden finden , den die Kirche mit seinem alten Feinde schloß , mit dem Kronsyndikus ! Allen ist aufgefallen , daß er doch gerade heute zurückkehrte und sogar für Ordnung sorgte . Knochen hat er wie Eisen - aber mich brauchte er nicht zu bändigen ! Ich thue hier , was ich muß . Wir haben alle unsere leidliche Bequemlichkeit . Ich zeige Ihnen das Refectorium ... Entbehren Sie gar nichts ? fragte Bonaventura im Weitergehen ... Gewiß nichts ! antwortete Pater Quirinus und küßte mit gemachter Andacht eine Monstranz , die über und über mit Edelsteinen besetzt war und nur bei den höchsten Veranlassungen aus diesen wohlverwahrten Schränken genommen wurde . Diese gleichbleibende Gelassenheit streifte in Bonaventura wiederum alle Blüten ab . Er konnte sich nicht finden und erinnerte wenigstens an den Zauber der Freundschaft und des Zusammenlebens in einem Kloster ... Aber auch dem erwiderte der junge Mann : O nein ! Wir sind hier zusammen keine Freunde ! Es ist auch gut so ! So wie wir uns aneinander anschließen , fangen wir an über unsere Verhältnisse Gedanken zu haben ; dann verbittern wir uns vieles , worüber wir jetzt nicht grübeln . Jeder ist besser für sich ! Diese Freundschaften kommen also doch vor ? Selten ! lautete die Antwort , während sich der Mönch umsah und jetzt leiser sprach . Sowie sich zwei Brüder allzu sehr aneinander schließen , im Garten zu oft zusammen spazieren gehen , sowie man bemerkt , daß sie bei Tisch zusammensitzen wollen oder auch auf der an der Thür des Guardians hängenden Tafel über unsere Wochenverrichtungen zu häufig zusammenzukommen suchen , so werden die Leute getrennt . Das ist ja eine Grausamkeit , wallte es in Bonaventura auf ... Der einzige Trost der Einsamkeit - der freundschaftliche Austausch der Gedanken und Gefühle ! Der Rückblick auf ein vergangenes Leben ! Die gemeinschaftlichen Tröstungen an den Quellen des Wissens und des Denkens ! ... Aber er durfte alles das nur durch Seufzen ausdrücken und sagte sich im stillen : O die Menschennatur ist doch im Durchschnitt ganz so wie bei diesem jungen Manne ! Was ist bei Tausenden ihre geistige Meinung ? Ihr Bedürfniß nach Erhaltung , Ernährung , Unterkunft ! Solche Institutionen wie die Klöster glaubt ' ich auf Felsen gebaut und ich sehe : Einen Beutel mit Geld in der Hand und sie lassen sich wie Kartenhäuser umblasen ! Durch einen Seitengang kam man aus der Sakristei in das Kloster . Ein Kreuzgang von allein , morschem Holz führte zu ihm hinüber . An der Wand der Kirche hingen