kommen . Eine Stunde mochte so vergangen sein , als der militairische Blick des Colonels bemerkte , daß ein neuer Impuls unter die Russen zu kommen schien . Reiter sprengten auf dem Hügelrücken hin und her , die Signale riefen die Plänkler zum Sammeln und offenbar bereitete sich ein allgemeiner Angriff vor , der bei der Ueberzahl der Russen vernichtend wirken mußte . Dennoch wollte er Leben und Sieg so lange als möglich vertheidigen und traf alle Anstalten zu einem kräftigen Empfange der Gegner . Das frühere Manöver konnte jetzt nicht mehr glücken und es galt , die Lanzenreiter festen Fußes zu empfangen . Der Colonel ließ die Zuaven die Mitte und die Spitze des Halbkreises einnehmen , und die Spahi ' s die Seiten bilden . Der Sturm kam und das zweite Kosacken-Regiment in vollem Galopp heran , während zwei Sotnien des andern rechts und links angriffen . Der Stoß war rasch und blutig , aber das regelmäßige Feuer , die kecke sichere Haltung der Franzosen schlug noch einmal den Ansturm ab , während an den beiden Flanken der Stellung ein wildes Handgemenge entstand . Hierhin warfen die russischen Offiziere ihre Infanterie und der Vicomte sah , daß in wenigen Momenten der Kampf sich zu seinem Nachtheil entscheiden mußte . In diesem Augenblicke vernahm er den unerwarteten Knall eines Feldgeschützes und das Pfeifen einer Kugel über ihren Köpfen hinweg . Ein zweiter und dritter Schuß folgten rasch dem ersten , bevor er noch Zeit hatte , sich aus dem Kampfgewühl los zu machen und von einer freien Stelle sich umzuschauen . Die Kugeln waren gegen die vier Sotnien der Russen gerichtet , welche als Reserve vor den jenseitigen Anhöhen aufgestellt waren . Von der Hügelwand über und hinter ihnen in einiger Entfernung qualmte der Rauch der Geschütze und blitzte das Feuer aus dem Pulverdampf , und auf den Anhöhen entlang jagten türkische Spahi ' s. Hilfe in der Noth - das konnten nur französische Feldgeschütze , die Avantgarde des Generals Yussuf mußte in der Nähe sein - die Russen wußten davon und hatten einen letzten Coup versucht ! » Haltet Euch ! Haltet Euch , meine Braven ! Französische Hilfe rückt an ! « Aber es war zu spät - in demselben Augenblick durchbrach die russische Infanterie die gedehnte schwache Vertheidigungslinie , die Kosacken folgten , und einige Minuten lang war das ganze so tapfer vertheidigte Gelände eine wirre Masse von Kämpfenden , so dicht gedrängt , daß oft nur der Stoß des Säbelgriffs gegen den Feind gebraucht werden konnte . Pferde stürzten und traten ihre Herren unter die Hufe , über Kranke und Sterbende ging das Gewühl schonungslos hinweg , Reiter und Infanteristen kämpften neben- und miteinander , oft nicht den Freund vom Feind unterscheidend , Weh- und Wuthgeschrei , der donnernde Siegesruf der Russen , das herausfordernde Kampfgeschrei der Franzosen , der Jammer der Sterbenden und Zertretenen , dazwischen die zum Rückzug rufenden russischen Signale - - Mit Mühe gelang es endlich den russischen Offizieren , ihre Mannschaften aus dem Gewirr zu lösen und sie zurückzuführen . Aber der Rückzug löste sich bald in wilde Flucht , denn in Masse schwärmten jetzt die Spahi ' s des französischen Generals heran und von den näher gekommenen Geschützen hagelten Kartätschen und Granaten über den Steppengrund . Erst auf den jenseitigen Höhen , wo die vier Sotnien die Reserve bildeten , sammelten sich die Regimenter und traten , von der türkischen Reiterei umschwärmt , einen langsamen Rückzug an . Auf der Stätte des kurzen aber blutigen Kampfes lagen die Leichen , Verwundeten und Kranken wüst durcheinander , Menschen und Pferde , die verstümmelten , von den Hufen der Pferde zertretenen Opfer der Seuche neben den Opfern des Säbels und der Lanze , Zuaven , Spahi ' s und Russen . Wer verschont geblieben von dem blutigen Gemetzel , selbst die Verwundeten und Kranken , schleppte sich jubelnd den Rettern entgegen , die jetzt in geschlossenen Colonnen , den General mit seinem Stabe voran , über die Hügel daherkamen . Der Säbelhieb eines Kosacken hatte den Colonel über die Stirn getroffen und eine blutende , wenn auch nicht gefährliche Wunde zurückgelassen . Der starke Arm des On-Baschi Jussuf hieb einen Zweiten vom Pferde , dessen Lanze den Vicomte im Rücken bedrohte . Von dem Mohren und einigen Offizieren begleitet , sprengte der Vicomte jetzt dem berühmten Namensvetter seines Lebensretters entgegen . » Ah ciel , Monsieur le Colonel ! Sie bluten , die Russen haben Ihnen scharf zugesetzt ; wir kamen , von dem Schießen geleitet , zur rechten Zeit ! « Der Vicomte rapportirte das Geschehene . Der weltberühmte kühne Abenteurer , der frühere Gouverneur von Constantine und französische Brigade-General , der einst der Kabburha , der Tochter des Bey von Tunis Zunge , Hand und Auge des verrätherischen Mohren sandte , der ihre Schäferstunde belauscht , war , obgleich über die erste Blüthe des Mannesalters hinaus , doch noch immer ein Mann von kühner schöner Haltung , klein und zierlich von Wuchs , aber ein vollendeter Reiter . Sein scharf und ausdrucksvoll geschnittenes Gesicht verdüsterte sich merklich , als er von dem Ausbruch der Cholera in dem Detachement vernahm . » Das ändert meinen Vorsatz , « sagte er , » und läßt diese Spitzbuben da drüben ungeschoren entkommen , deren Gros bei Babadagh ich mit einem Nachtmarsch überfallen wollte . Ich kann es nicht mißbilligen , Lieutenant-Colonel , daß Sie Ihre kranken Leute nicht im Stich gelassen , und scheere mich selbst den Henker wenig um die unmenschliche Ordre des Marschalls . Mit unserm Vordringen aber ist ' s vorbei und wir müssen unsere nächsten Lazarethe oder wenigstens bewohnte Gegenden wieder zu erreichen suchen . Sir folgen uns , Vicomte , mit dem Rest Ihrer Leute ; ich werde ihnen sogleich Aerzte senden . Die Kranken und Verwundeten müssen auf die Bagagewagen vertheilt werden . « Ehe eine Stunde verging , waren die Gräber zur Beerdigung der Gefallenen gegraben und das Corps auf dem Rückmarsch . Es ist