die Lotterie , heidnischer Sanitätsrath ? Geben Sie mir doch Ihren Rath ! Warum ? Weil Ihnen das Anbringen der Loose von einer vortheilhaften diätetischen Wirksamkeit sein wird . Wenn der Hof das Gethsemane nicht ankauft , ersparen Sie eine Badereise . Frau von Trompetta hielt den allo-homöopathischen Sanitätsrath fest . Es ist eine Intrigue gegen mich im Werke - sagte sie , ich weiß es - die Altenwyl - gestehen Sie mir ' s , Drommeldey ! O behüte , kein Mensch intriguirt , als ich , sagte dieser . Beruhigen Sie sich , Frau von Trompetta ! Sie haben den Titel Gethsemane ganz in meinem Sinne gewählt . Es sind in dem Ölgarten Thränen geflossen und von der Angst der Jünger ist viel daselbst gewehklagt worden . Das Schweißtuch der heiligen Veronika muß Ihre nächste Sammlung heißen . Aus diätetischen Gründen und zur Beruhigung für Ihre Freunde dürfen diese Lotterien und die Mühen des Absatzes der Loose für Sie nicht aufhören . Adieu , liebe Missionairin ! Mit diesen für Frau von Trompetta mannichfach verletzenden Worten fuhr Sanitätsrath Drommeldey , ein kluger Mann , der sich vortrefflich in seine Welt zu schicken wußte und nicht Jeden nach seiner eigenen materialistischen Seelenstimmung behandelte ( doch von Frau von Trompetta wußte er , daß ihr der Ärger und Streit über ihre erheuchelte Religiosität von größerem physischen Nutzen war ) , mit einer freundlichen Handbewegung zu Prinz Egon , rasch davon . Frau von Trompetta hörte glücklicherweise diesen Spottreden auch schon nur halb zu . Ihre kleinen neugierigen Augen verschlangen den Prinzen Egon und Dankmar Wildungen . Einer von beiden war Prinz Egon und einer Dankmar Wildungen , der Bruder Siegbert Wildungen ' s ... Das hatte sie schon durch die Bedienten herausgebracht - Aber welcher war der Eine und welcher der Andere ? Der Fürst war - Fürst , und Dankmar ein Referendar , der seines Processes wegen das allgemeine Gespräch der Stadt , die Aufmerksamkeit aller Mütter und jungen Mädchen geworden war ... Friederike Wilhelmine von Flottwitz entschied sich für Dankmar und hielt Dankmar für den Prinzen , die Trompetta meinte Dasselbe , drückte Dies aber so aus , daß sie den Prinzen für Dankmar hielt . Sie flüsterten sich , indem sie sehr umständlich in ihren Wagen stiegen , ihre gegenseitigen Vermuthungen mit lebhaften Gestikulationen zu und befahlen dem Kutscher zu halten , als er eben abfahren wollte und sie Siegbert bemerkten , der mit den Wäsämskoi ' s eben aus der Allee heraustrat . Das war ein Nicken , war ein Grüßen und Winken mit der Hand ! Die muthigen oder vielleicht nur ungeduldigen Rosse wollten weiter , aber die Trompetta richtete sich im Wagen hoch auf und gerieth so in ein taumelndes Schwanken , daß die Flottwitz sie halten mußte . Siegbert , artig wie immer , sprang hinzu , um vielleicht noch einen Befehl zu vernehmen . Adieu ! Adieu ! Adieu ! rief sie und als Siegbert am Wagenschlage stand , flüsterte sie : Welches ist denn der Prinz ? Und Ihr Herr Bruder ? ließ sich sogar die Flottwitz herab , zu forschen . Egon und Dankmar standen nahe genug am Wagen , um näher zu treten . Sie hatten die neugierige Frage fast gehört , den nach ihnen schielenden Blick bemerkt , sie ließen sich vorstellen . Frau von Trompetta - Prinz Egon von Hohenberg - Fräulein von Flottwitz - Mein Bruder Dankmar - Durchlaucht , o Durchlaucht - begann die Trompetta und weinte fast . Gnädige Frau - sagte Egon betroffen . Ach ! Ach ! Ach ! Ich kannte Ihre Mutter - sie war ein Engel ; sie war meine Freundin ! Wissen Sie denn Das nicht ... Wie liebt ' ich sie ! Und diese Ähnlichkeit , Durchlaucht ! Zum Erstaunen und dem Generalfeldmarschall wie aus den Augen geschnitten ! Die königlichen Herrschaften hatten die Huld , Sie nach Ihrer Genesung zu begrüßen ! Das Auge der Königin ... Arme Trompetta ! Die Ungeduld deiner Pferde brach dies rührende Waldgespräch gerade an solcher Stelle ab ! Die Füchse waren wie ihre Herrin von den Sechsspännern angesteckt und liefen ihnen ohne Aufhaltens nach , mitten in einem Dankgebete , das die Sammlerin des Gethsemane eben unter den grünen Wipfeln der Eichen für Egon ' s Genesung anstimmen wollte - und nun kein Wort an Olga Wäsämskoi , kein Gruß , keine Frage mehr an Siegbert , und da jener Dankmar - und das Alles abgebrochen durch die wilden Rosse ! Es war geschehen , die Pferde zogen an und der ärgerliche Kutscher ließ sie laufen . Von Wilhelminen von Flottwitz blieb ein Blick an Dankmarn hängen , der Manches sagen konnte . Die rasche Wendung war der Wirkung dieses Blickes außerordentlich günstig gewesen . Weil er ganz links zur Seite ging , bekam dieser Blick eine Kraft , so zu sagen eine Emaille , die ihm so blendend in die Augen widerblitzte , daß er lachend sagte : Himmel ! War denn das Die ? Sie ? Die ? die Retterin des Vaterlandes ! Sie ... die Eine , Einzige ! Und als Siegbert sagte : Die vielbesprochene Flottwitz ! rief er : » Es blieb an mir nur noch ihr Abschiedsblick , Ein Sommerfaden an der Trauerweide hängen ! « Die wilden jungen Männer empfahlen sich den jungen Wäsämskoi ' s. Olga , entzückt von dieser Männerwelt , schlug den blauen Schleier ihres Hutes so dicht vor ihr Antlitz , daß man nichts von ihr sehen konnte als die zierliche Gestalt . Sie schien mit Siegbert zwar etwas zu schmollen , kehrte Allen den Rücken , beantwortete keine Höflichkeit Dankmar ' s , wich jeder Absicht Egon ' s , sich ihr vorstellen zu lassen , aus , saß aber im Wagen so sicher , so fertig , als wäre sie schon neunzehn Jahre , während sie doch nur fünfzehn zählte . Was hat denn Olga ? sagte Dankmar . Sie weinte ja vorhin ... Sie soll heirathen ?