entdecken und an der verhängnißvollen Eiche war gerade ihm der Anblick entzogen gewesen , den die andern Wagen ungehinderter hatten , der Anblick , wie plötzlich unerwartet auftauchend Hubertus mehr der Störung durch den Musikanten , als der Anrede des Sarges durch einen andern Störer der Todtenruhe , durch den Küfer , ein Ende machte ... Die Kirche diente als Erbbegräbniß vieler ringsum wohnenden Adelsfamilien . Bilder sah man , Seitenaltäre und Beichtstühle , keine Säulen oder Bogen . Der Hochaltar war im Stil der Franciscanerkirchen ; jeder Orden hat seine eigene Weise , seine eigene geistige und physische Farbe sogar , die er seinen Kirchen anhaucht . Bei den Franciscanern ist alles braun , mäßig vergoldet , hier und da ein blaues Band etwa an einer Maria , ein weißer Schimmer etwa von der Taube , die über dem Tabernakel schwebt ; regelmäßig steht der Ordensstifter vor dem Crucifix mit dem bekannten ekstatischen Liebesblick der Ergebenheit , mit seiner auf das Herz gelegten linken Hand ; der Fußboden ist von Stein , die Wände sind weiß , nur hier und da vom Ruß der Lichter angeschwärzt ; das Ganze einer solchen Franciscanerkirche ist dem Volk eingehend durch eine gewisse altfränkische Einfachheit wie die Heimlichkeit alter , von Großältern ererbter , braungebeizter Möbeln mit geschweiften Bogen und bronzenen Schlüssellöchern und Ringen an den Schubläden ... Hier war es , wo der Kronsyndikus in die Gewölbe gesenkt wurde ... Das über ihn Unausgesprochene , doch von allen Gefühlte verklang in dem Brausen einer stattlichen Orgel ... Der Provinzial- Guardian fand auf dem bereits auf dem Schlosse von Weihduft überräucherten Sarg auch jenes Stückchen Tuch nicht mehr , das wol in den Schnee gefallen sein und im Schmelzen desselben an der Frühlingssonne vermodern wird ... Da Bonaventura Klingsohr besuchen wollte , behielt er eine der Trauerkutschen zurück ... Der Präsident versprach , bald auf Westerhof zu erscheinen und dann auch sogleich in Begleitung der bis dahin vielleicht angekommenen Mutter Bonaventura ' s. Der ehemalige Graf von Zeesen , der jetzige Pater Ivo , wurde von Bonaventura bald entdeckt ... Klingsohr hatte ihm ja im vorigen Jahre seine Geschichte erzählt ... Er wußte , daß seine ehemalige Verlobte als Schwester Therese bei den Karmeliterinnen wohnte ... Ein hagerer , blasser Mönch kam mit einem Weihwedel daher und wehte durch die Luft , als stäubte er auch diese rein ... Die Gäste , das Gesinde , die nachdrängenden Landbewohner hatten die Kirche verlassen ; nur einige Arbeiter blieben , die über die Oeffnung , in die der Sarg des Kronsyndikus hinuntergelassen , wieder die Steinplatte zu legen hatten ... Nach drei Uhr war es ... Die Brüder hatten auf dem Schlosse eine Art » Frühstück im Stehen « eingenommen ... Ob wol da noch Pater Ivo das Brustbild seines alten Freundes Jérôme erkannt hatte ? ... Dort summte er , ohne aufzusehen , Lieder zum Lobe Mariä ; auch hier that er es ... Niemanden blickte er dabei an , niemanden gab er Antwort ... Er lebte nur sich und Maria ... Sein Eigenthum war an die Landschaft gegeben worden für eine Irrenanstalt , deren die Provinz - immer dringender bedürftig wurde ... An der Oeffnung , in deren Tiefe der silberbeschlagene Sarg blinkte , mußten eine Menge Melusinen sitzen ... wie huschte er dahin daher mit seinem Wedel und jagte die Unheiligen fort ! Es ist Pater Ivo ! sagte ein junger Mönch , auf Bonaventura zutretend . Er ist irr ' , wie Sie wol sehen , Herr Domherr ! Der junge Mönch nannte sich Pater Quirinus ... Er hatte ein Bund Schlüssel in der Hand , wollte erst die Schränke schließen , in welche der Guardian seine Meßopferkleider , die Mönche die Requisiten der Räucherung des Sarges und die Tücher gelegt hatten , auf denen er ausgestellt gestanden hatte ; dann galt es , das Hauptportal der Kirche zu schließen - für die Arbeiter und Betbedürftigen gab es einen allen Bewohnern der Gegend bekannten kleinen , versteckten Nebenausgang . Bonaventura sah sich erkannt , sprach sein Verlangen aus , den Pater Sebastus zu besuchen , und willigte gern ein , die Erlaubniß dazu so lange abzuwarten , bis Pater Quirinus sein Amt beendet hatte ... Er begleitete ihn auf seinem Rundgange hinter der Sakristei ... Mit der größten Unbefangenheit sagte der junge , frisch und blühend aussehende Mann und mit einer ganz gewöhnlichen Sprechweise : Unser Bruder Hubertus ist nicht zugegen ! Er kam gerade recht von einer Reise , um die unverschämte Störung durch den Musikanten abzutrumpfen ! Viel lügt man auch über den Kronsyndikus ! Wir hier müssen ihn schätzen ! Manches , was Sie hier an Gold und Silber sehen , haben wir in seinen letzten Tagen von ihm bekommen ! Dem für einen Geistlichen fast zu resoluten jungen Mann erwiderte Bonaventura : Als sich der Verstorbene vor einigen Jahren sein Erbbegräbniß neu herrichten ließ , widersprach , hör ' ich , der selige Provinzial Henricus und schrieb deshalb nach Rom ... Ganz recht ! erwiderte der junge Mönch . Cardinal Ceccone schickte durch Vermittelung des Ministeriums den Spruch der heiligen Pönitentiarie . Der Kronsyndikus legte eine Generalbeichte ab , die an unsern Ordensgeneral nach Rom gegangen ist . Seitdem kam der Befehl , ihm keine der geistlichen Wohlthaten zu entziehen ... Der junge Mönch machte Anstalt , Bonaventura alles zu zeigen , was die Kirche an alten Bildern , kostbaren Gefäßen und gestickten Gewändern besaß ... Bonaventura ließ es geschehen ... Konnte er sich doch indeß in die Vorstellung finden , diesen abgerissenen Fußboden dort im Zusammenhang mit Rom zu wissen ! Cardinal Ceccone , der politische Lenker der Geschicke des Kirchenstaats - der Großpönitentiar und Oberinquisitor der ganzen katholischen Welt - der General der Franciscaner - drei höchste Würdenträger der Kirche betheiligt an dem aufgedeckten Leben des Kronsyndikus ! Dort vielleicht alles enthüllt , was hier der Welt ewig unbekannt blieb ! Dort vielleicht alle Schleier hinweggezogen , die seit Jahren über dem Leben auf Schloß