Erde liegt doch draußen , auf dem schmalen Gartenstreifen zwischen Haus und Fluß . Ulmen und Linden stellen sich zu natürlichen Lauben zusammen und zwischen Apfelbäumen und Blumenbeeten hin führt ein schmaler Gang zu einer weinumlaubten Wassertreppe . Hier sitzt man , während der Wind über die Levkojenbeete fährt , und genießt die Stunde des Sonnenunterganges , dessen reflektiertes Licht eben jetzt die Spitzen der gegenübergelegenen Kiefern rötet . Das Haveltreiben zieht beinah geräuschlos an uns vorüber ; Dampfschiffe , unter glückverheißendem Namen : Fortuna und Viktoria , schießen auf und ab ; Segelschiffe , schwer und langsam , dazwischen . Und nun Gondeln mit Musik , und drüben schweigend der Wald , aus dem die Hirsche treten . Der Abend kommt , die Nebel steigen , die Kühle mahnt zur Rückfahrt und unser Boot schiebt sich durch das Rohr hin und in die freie Wasserfläche hinaus . Hinter uns , die verschleierte Mondsichel über den Bäumen , versinkt das Eiland . Mehr eine Feen- als eine Pfaueninsel jetzt ! Groß-Glienicke Groß-Glienicke In dunkler Gruft Das Gebein ; In Licht und Luft Der aufgerichtete Marmelstein . Was ungemessen Vielleicht gestrebt , Es ist vergessen , – Nur das Bild noch lebt . Die Havelufer links und rechts des Flusses weisen strichweise einen guten Lehmboden ( im Wendischen : Glin , der Lehm ) auf , weshalb wir in allen hier in Betracht kommenden Landesteilen , also in Havelland , Zauche , Teltow , vielfach den Ortsbezeichnungen : Glien , Glindow , Glienicke begegnen . In unmittelbarer Nähe von Potsdam , zu Füßen von Babelsberg , liegt Klein-Glienicke mit seinen Schlössern und seiner Brücke ; weiter nördlich , halben Wegs zwischen Potsdam und Spandau , treffen wir Groß-Glienicke , Rittergut , Filiale von Kladow , zweihundertneunundsiebzig Einwohner . Darunter , wie die Nachschlagebücher gewissenhaft bemerken , zwei Katholiken . Diese werden es schwer haben , sich paritätisch zu behaupten . Groß-Glienicke wird 1300 zuerst genannt . Um die Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts finden wir die Bammes hier , eine alte , westhavelländische Familie . In Groß-Glienicke saßen sie nicht allzulange . Schon 1572 erscheinen die Ribbecks , zuerst Oberhofmeister Jürgen von Ribbeck ; dann folgen zweihundert Jahre später die Winnings . Jetzt gehört das Gut der Familie Berger . Es soll hier manches erlebt worden sein , namentlich unter den Winnings . Die Kirche aber erzählt nur von den Ribbecks . Beim Eintreten in dieselbe überrascht die verhältnismäßig große Zahl von Bildwerken , namentlich in Stein . An der Wand uns gegenüber bemerken wir , dicht nebeneinander , die Epitaphien zweier Hans Georg von Ribbeck , Vater und Sohn . Der Vater , noch der Schwedenzeit angehörig , der Sohn aus der höfischen , französierten Zeit Friedrichs I. Eben diesen Unterschied zeigen auch die hautreliefartigen Steinbilder . Der ältere Hans Georg , in Brustharnisch und Beinschienen , wie ein Derfflingerscher Reiterführer ; der jüngere in einem Roquelaure mit mächtigen Aufschlägen und Seitentaschen , auf dem Haupt eine ziemlich seltsame Kappe , fast in Form einer Bischofsmütze . Das Ganze in einem bestimmten , künstlich gegebenen Farbenton : die Kappe rot gemalt . Dieser jüngere Hans Georg war ein brandenburgischer Domherr , vielleicht auch – wenn ich das Bild richtig interpretiere – ein Mann der Wissenschaft . Er tritt , einen Vorhang zurückschlagend , aus diesem hervor und legt seine Rechte auf einen Schädel . Das Ganze eine vortreffliche Arbeit , und in Auffassung wie technischer Durchführung an das berühmte Sparrdenkmal in unsrer Berliner Marienkirche erinnernd . Beide Hans Georg von Ribbeck finden wir auch in der Gruft der Kirche wieder . Wie sie im Schiff , in bildlicher Darstellung , nebeneinander stehen , so liegen sie hier nebeneinander . Wohlerhalten . Denn die Groß-Glienicker Gruft gehört zu den vielen in der Mark , in denen die beigesetzten Leichen zu Mumien werden . Wir steigen hinab . Der Sargdeckel des zuvorderst stehenden Hans Georg ( des Domherrn ) ließ sich ohne Mühe aufheben . Da lag er , in Roquelaure und roter Samtkappe , in allem Äußerlichen von beinahe gespenstischer Ähnlichkeit mit dem Hautreliefbilde , das ich eben im Schiff der Kirche gesehen hatte . Ganz ersichtlich hat man , bei einer erst kürzlich stattgehabten Übermalung , die Gruft zu Rate gezogen und das Mumienbild , wenn dieser Ausdruck gestattet ist , bei Restaurierung des Steinbildes benutzt . Kirche und Gruft enthalten übrigens der Epitaphien und Särge mehr , beispielsweise einer Frau von Ribbeck , geb . Brand von Lindau , einer Frau von Lattorff , geb . von Grävenitz , die alle dem vorigen Jahrhundert angehören , aber weder künstlerisch noch historisch eine besondere Aufmerksamkeit verdienen , Ein Interesse erweckt nur noch das Altarbild , richtiger die Predella desselben , die , wie so oft , ein Abendmahl darstellt . Christus in der Mitte , Johannes neben ihm ; neben diesem aber , statt des Petrus , der Große Kurfürst . Er trägt Allongenperücke , dunkles , enganschließendes Samtkleid , Spitzenmanschetten und Feldbinde . Die wunderlichste Art von Huldigung , die mir der Art vorgekommen ist . Was wollen die anbetenden Donatoren auf den Madonnenbildern des Mittelalters daneben sagen ! Sie knien doch immer zu Füßen der Madonna , oder verdrängen wenigstens niemand ; hier aber wird Petrus , wie eine Schildwacht , einfach abgelöst , und der Große Kurfürst zieht statt seiner auf . Fahrland Die Nedlitzer Fähre Die Nedlitzer Fähre In Höhe von Nedlitz geben sich an einer Schmalung drei Seen ein Rendezvous ; die Krampnitz , der Fahrlandsche- und der Jungfernsee treffen an einer Schmalung zusammen und ein viaduktartiger Bau , mit Brückentoren und Brückenhaus , führt von einem Ufer zum andern . Ein so stattliches Bild präsentierte sich hier nicht immer . Dies war vordem die bescheidene Wirkungsstätte der Nedlitzer Fähre . Jahrhundertelang fuhr hier ein schlichter Kahn über die Schmalung , erst von Vater und Sohn , dann vom Enkel und zuletzt vom Ur-Urenkel geführt . Immer desselben Namens . Die Nedlitzer Fährstelle war eine Erbstelle