wir . Sie riefen auch hier die Wirkungen hervor , die von Bonaventuras Auftreten unzertrennlich scheinen . Der Kreis von Bekanntschaften , der ihn schon wie gefangen nahm , wuchs . Seine Oberaufsicht über den Gang der kirchlichen Angelegenheiten in diesem Sprengel war mehr eine formelle Pflicht . Bonaventura erkannte dann auch zu sehr die Heftigkeit seines untergebenen Pfarrers , um mit einem Naturell zu streiten , das nicht zu ändern war und sogleich auch für seine Unarten als Vorwand heilige Namen hatte . Ironie half ihm gegen Uebertreibungen . » Denken Sie das ? « » Ziehen Sie das also wirklich vor ? « Von Witoborn ' s Geistlichen und Mönchen kam Bonaventura regelmäßig heim wie aus einem Kriegslager . Die stillen Abendstunden auf Schloß Westerhof waren dann glückselige Momente . Terschka , Benno und Thiebold theilten sie , und da Armgart nicht immer zugegen war , blieb Paula der alleinige Mittelpunkt . Armgart wurde allerdings auch für Bonaventura mit der Zeit befremdend . Sie wanderte zwischen Westerhof und Heiligenkreuz , oft ganz allein , ohne die mindeste Furcht , selbst wenn sie durch einen ansehnlichen Wald gehen mußte . Bonaventura sprach von ihrer Mutter und von ihrem Vater mit gleicher Unbefangenheit . Eine Parteilichkeit für Benno entdeckte er nicht , mehr noch für Thiebold , am meisten für Terschka , der ihm gleichfalls neu und nicht sogleich erklärbar war . Terschka nannte Armgart eine Cactusblume . Der Onkel erläuterte : » Brennendroth und von einer schönen Zeichnung , aber gewachsen auf einem gefahrvoll stachlichten Stamm ! « ... Nun geht es so , daß Menschen , die gerade das Bedürfniß haben , sich aneinander anzuschließen und sich einen hohen Werth einzugestehen , doch nur durch Reibung und Aneinanderstreifen sich nähern . Bonaventura hatte noch nichts von Thiebold ' s Buße vernommen und nur ewig Terschka und Terschka hört ' er - ? Wäre das möglich ! sagte er sich . Armgart , ein Mädchen wie ein Thautropfe , und dennoch , dennoch eine so schnelle Wandelung - ? Hier lag ein Räthsel vor und er erklärte sich ' s aus der Schwäche des weiblichen Gemüths und zürnte ihr und strafte sie schon oft oder » trumpfte sie ab « , » duckte « sie , wie es die Tante Benigna mit wahrer Genugthuung nannte ... freilich nur durch ein Lächeln oder eine kurze ironische Zwischenfrage . Ehe hier tiefere Blicke und Verständigungen folgten , kam dann die bange Fahrt zum Schlosse Neuhof , an dem Tage , als es hieß , der Kronsyndikus ist im Arm seines plötzlich angekommenen Sohnes , des Präsidenten , verschieden . Die schuldige Rücksicht verlangte , daß Bonaventura den zweiten Gatten seiner Mutter auf diese Nachricht sofort besuchte . Daß die Mutter nicht mitgekommen , wußte er . Er traf am Montag den Präsidenten in der ganzen Erregung , die ein längst vorausgesehener Fall , dessen endliches Eintreten man sogar den Umständen nach wünschen mußte , zuletzt doch hervorzubringen pflegt . Sein Stiefvater war auffallend gealtert . Er begrüßte Bonaventura mit all der scheinbaren Herzlichkeit , die ihm zu Gebote stand . Seine Gesundheit erklärte er nicht für die beste , sprach von Reisen nach dem Süden , von seinem Abschied , den er nehmen wollte , von den Schwierigkeiten , die sich bei Abwickelung seiner Erbschaft ergäben , von dem Mistrauen , das ihm infolge des Kirchenstreits hier um seiner amtlichen Stellung willen entgegentreten würde . Er brachte Nachrichten vom Kirchenfürsten , der in seiner Gefangenschaft sich mit Ruhe in sein Schicksal ergäbe , wäre er sich doch bewußt , Anlaß einer Aufregung gewesen zu sein , die seinen Grundsätzen jetzt zugute kam ; er rauche seine Pfeife , ginge auf den Wällen der Festung spazieren und wünsche nicht einmal die politischen Demonstrationen , die der Adel der diesseit und jenseit des großen Stromes gelegenen Provinzen beim Landesfürsten unternähme - » sie könnten ja nur in jenem revolutionären Sinne gedeutet werden , den er nie befürwortet hatte ; denn die Kirche hätte nichts mit der neuen Richtung des Lamennais gemein , sie wäre alt genug und könne immer noch warten und warten bis ihr die geistige Hülfe käme « ... Von der Mutter sagte der Präsident , sie würde auf dem Schlosse , das sie nie besucht hatte , gleich nach dem Begräbniß eintreffen . Der Präsident war kälter , wortkarger und verschlossener denn je geworden . Am Begräbnißtage saß Bonaventura in dem Trauerwagen neben dem Stiefvater . Wohl sah er , daß selbst diese starren Züge erregter wurden , als sich der Zug dem Düsternbrook näherte . Als die Scene an der Eiche vorfiel , erblaßte der Präsident ; das Wort erstarb auf seinen Lippen ; in eine Ecke gedrückt wartete er ab , bis sich der Zug wieder in Bewegung setzte . Ein tiefer Seufzer entrang sich seiner Brust , als die Störung vorüber war und ihm Bonaventura zu seiner Beruhigung die leisen Worte sprach : » Paulus sagt : Der Tod ist der letzte Feind ! Nun wird ja Friede sein ! « ... Zum Kloster Himmelpfort gehörte eine große , nicht ungefällige , lichthelle Kirche . Sie lag an der Spitze eines der Winkel , die durch ein großes Viereck gebildet wurden ; durch eine Mauer gebildet , die das Kloster einschloß . Das Kloster selbst , ein zweistöckig Gebäude , mit einem Thürmchen versehen , gehörte dem siebzehnten Jahrhundert an , die Kirche dem achtzehnten . Ringsum standen Obstbäume ; im Innern des Klostergartens waren die Beete mit Stroh belegt und deuteten eine freundliche Vegetation für den Sommer an . Hinter einem dieser kleinen Fenster , die ringsum das viereckige Gebäude erhellten , wohnte Klingsohr . Ihn sah man nicht unter den Franciscanern , die den Sarg begleiteten . Auch den Bruder Hubertus , auf den Bonaventura nach allem , was er über den » Abtödter « durch Klingsohr und Jodocus Hammaker wußte , begierig sein mußte , konnte er weder beim Beginn des Zuges noch jetzt