schien ihm gekommen , und indem er in die Hütte zurückkehrte , hieß er den Bojarensohn , sich der Krankenvermummung entledigen und sich dagegen in ein altes Gewand und Tuch Sarscha ' s verhüllen . Dann öffneten sie in der Rückwand der Hütte ein mit getrocknetem Schilf verstopftes Loch und krochen in ' s Freie . Der Nebel und die allgemeine Unruhe erleichterten ihr Entkommen , und zwischen dem hohen Gras der Steppe gelangten sie bald außerhalb der Postenkette . Hier fanden sie Sarscha und alle Drei eilten nun über die öde Fläche einer etwa eine Meile entfernten Stelle zu , wo zwischen zwei Hügeln die halbverfallene steinerne Umfassung eines cisternenartigen Brunnens sich erhob , der gutes Wasser enthielt , dessen Dasein aber der Spion sorgfältig den Franzosen verschwiegen hatte . In der Vertiefung des Bodens ruhten hier fünf jener kleinen Steppenpferde , auf denen der Kosack die Ebenen der Dobrudscha , wie die des Dnjepr und Don durchschweift . Auf der Mauer des Brunnens saß eine dunkle Figur , die lange schlank am Nachthimmel sich abzeichnende Lanze zeigte den Kosacken ; ein zweiter lag schlafend am Boden . » Stoi ! - Wer da ? « » Gutfreund , Brüderchen , « lachte der Zigeuner . » Wecke rasch den Lieutenant , wir bringen Nachricht . Die Franzosen sind in der Falle . « Der Ruhende sprang empor ; es war der junge Kosackenoffizier , der die Meldung des unglücklichen aber tapferen Selwan in der Nacht des großen Ausfalls vor Silistria zu den Schanzen an der Donau hatte bringen sollen . » Gott und die Heiligen mögen Deinen Weg segnen , Bursche . Was bringst Du für Nachricht ? - Du hast mich lange warten lassen ! « Mungo berichtete , während Sarscha und ihr Liebhaber sich an dem Wasser des Brunnens erfrischten . » K tschortu ! « fluchte der Kosack , » es wird unmöglich sein , sie diese Nacht zu überfallen , denn der General ist zurückgegangen und steht über zwanzig Werste von hier entfernt . Gleichviel , er muß die Nachricht erhalten , und wenn Du die Richtung ihres Marsches gut verstanden , sind wir ihnen zur rechten Zeit auf den Fersen . Zu Pferde , Freunde ! zu Pferde ! « Wenige Minuten darauf jagte die kleine Schaar nach Norden zu durch die einsame Steppe . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Es war um Mittagszeit , als die Franzosen und Spahi ' s auf ihrem traurigen Rückzug an einer Hügelkette angelangt waren , die sich nach dem Trajanswall hinzog . Hier ließ der Lieutenant-Colonel die Colonne rasten , denn selbst die Gesunden vermochten in der brennenden Hitze nicht mehr vorwärts zu kommen . Die Krankheit wüthete furchtbar in den Reihen , das heitere Gelächter , der übermüthige Gesang der Zuaven war verstummt , - von den beiden Compagnieen fehlten bereits sechsundsiebenzig Leute , darunter der tapfere Major , der , eine Lieue von dem Halt entfernt , sein aus zehn blutigen Schlachten gerettetes Leben ausgehaucht . Eine tiefe Niedergeschlagenheit , ja Muthlosigkeit hatte sich der französischen Soldaten bemächtigt , während die Moslems jetzt die Zähigkeit ihres Charakters bekundeten und sich gleichgültig in alles Ungemach und alle Leiden des Zuges fügten . Der Vicomte hatte verschiedene kleine Trupps zur Recognoscirung und zu Nachforschungen nach Wasser ausgesandt und sich eben finster und erschöpft auf den Boden gesetzt , um einige Augenblicke auszuruhen , während unsern von ihm mehrere Soldaten eine breite Grube in den dürren Boden schaufelten , bestimmt , die Leichen des Majors und der nach der Ankunft auf dem Lagerplatz gestorbenen Krieger aufzunehmen . Ringsum zeigte die Gegend den eigenthümlichen Charakter dieser Wüste . Auf den uralten Hünenhügeln saßen und flatterten mächtige Adler , gleich als begleiteten sie Tod und Beute witternd den Zug . Zahllose Völker von Rebhühnern stürzten schwirrend unter den Hufen der Pferde aus dem dürren Grase hervor , wenn einzelne Wachen von Hügel zu Hügel ritten . Große Heerden von Trappen strichen durch die Ebene , gleichsam zur Jagd verlockend - aber den Jägern fehlte die Lust und die Kraft , denn auf ihren Fersen saß selbst ein grimmer Feind , - der Tod in seiner furchtbarsten Gestalt ! - Rechts und links und hinter ihm die stummen Gruppen der Soldaten , auf das glühende Erdreich geworfen , in finsterer Apathie erwartend , daß der Drache der Krankheit auch sie erfassen und verschlingen werde ; - nur die Schildwachen , dem Gebote der militairischen Disciplin gehorchend , auf und ab gehend , oder mit bleichem Gesicht , auf das Gewehr gestützt , nach dem Hintergrund des Lagers hinhorchend , von wo der Leidensruf , das Todesstöhnen so manches tapfern Kameraden klang . Und über dies Bild von wilder Natur und menschlichem Elend , menschlicher Schwäche und Ohnmacht , der helle klare Himmel , der glühende , versengende Strahl der Julisonne ! Der Vicomte schauderte bei der Betrachtung dieses seltsam-schrecklichen Bildes , als plötzlich der On-Baschi Jussuf mit zwei Begleitern mit verhängtem Zügel über die wellenförmige Ebene dahersprengte . Zugleich vernahm das scharfe Ohr des Offiziers den entfernten Knall von Pistolenschüssen , und von mehreren Punkten her sah man die einzelnen Patrouillen zurückgejagt kommen . Noch ehe der On-Baschi die Schildwachen der kleinen Lagerstätte erreicht hatte , war der Commandant auf den Füßen und ließ Allarm schlagen . Der Ruf : » Die Russen ! die Russen ! « ging mit Gedankenschnelle durch die Gruppen , und gleich als hätte das Wort , das ihnen einen neuen Feind verkündete , den Bann des Grauens und der verzweifelnden Apathie von Aller Glieder gelöst , kam Bewegung in die Menge , ordneten sich die Reihen rasch auf das Wort der Offiziere . Die Ankunft des Mohren , der vor dem Colonel sein Pferd parirte , brachte die Bestätigung : » Die Kosacken , Bey ! sie sind zahllos wie die