, was sie haben . Zumal die Fremden erliegen ihrer Zauberkunst . Los ist noch keiner gekommen . Ein neues Kapitel für die Dämonologie . Wenn es nun je einen Elsässer gab , der einer Priegnitzerin von allem Anbeginn an rettungslos verfallen war , so war es unser Freund Friedrich ; in kürzester Frist waren die bindenden Worte gesprochen , die Ringe getauscht , und nachdem er noch eine kurze Zeitlang am Königstädtischen Theater gedonnert und geblitzt hatte , intervenierte plötzlich die mehr erwähnte Dampfmaschine und hob eines Tages nicht nur sechstausend Tonnen Wasser in das Reservoir hinein , sondern auch noch unsern Theatermaschinisten samt Frau in das Maschinenmeisterhaus auf der Pfaueninsel . Da setzte sie beide nieder und da sitzen sie noch . Da sitzen sie in einem gelben Hause , am Hügelabhang , unter Pfeifenkraut und Geißblattlauben , da sitzen sie seit nahezu fünfzig Jahren , erst mit Kindern , dann mit Enkeln , zuletzt mit Urenkeln gesegnet , und wiewohl als echte Inselbewohner unbekümmert um die Vorgänge des Kontinents , haben sie doch die Potentaten des Festlandes , die großen und die kleinen , ihrerseits empfangen und in langer Reihe an ihrem Hause und ihrer Gartenbank vorüberziehen sehn . Gute , glückliche Leute , loyal und frei . Da liegt ' s. Auf einer ganz eminenten Freiheit , die sich sonderbarerweise auf dem Beschränkungsparagraphen : » Wirts- und Kaffeehäuser sind unzulässig an dieser Stelle « aufbaute , gründete Frau Friedrich ihre Pfaueninselherrschaft . Alles , was hier landete , wenn es seinen Schloßgang hinter sich hatte , hatte das dem norddeutschen Menschen tief innewohnende Bedürfnis des Nachmittagskaffee , und da kein Platz da war , wo dies Bedürfnis regelrecht , nach den alten Traditionen von Angebot und Nachfrage befriedigt werden konnte , so blieb den Durstigen nichts übrig , als um Dinge zu bitten , die nun mal nach Lage der Sache nicht befohlen werden konnten . So wurde das Maschinenmeisterhaus ein Kaffeehaus von Frau Friedrichs Gnaden und aus dieser eigentümlichen Machtstellung entwickelte sich schließlich jener Absolutismus , der wohl gelegentlich , wie alle unumschränkte Herrschergewalt , ein wenig bedrücklich gefunden worden ist . Um keinen Louis-Quatorze ist fünfzig Jahre lang so andauernd geworben worden , wie um diesen l ' état c ' est moi . Die weibliche Trägerin dieses Satzes verkaufte nicht , sie spendete nur . Ein kleinster Verstoß , ein zu sicheres Auftreten , eine zu früh gezeigte Börse , eine Krawatte , deren Farbe mißfiel , und – die Gnade konnte entzogen werden . Man trank hier seinen Kaffee immer mit Augen links , immer lächelnd , immer die Hand am Hut und vielleicht schmeckte er nur deshalb so vorzüglich , weil er wirklich teuer erkauft und errungen war . Dies alles traf nun aber bloß den Namenlosen , den Unbekannten , der führerlos an diese Küste verschlagen , des Vorzugs entbehren mußte , der Frau Friedrich vorgestellt , oder irgendwie empfohlen zu sein . Über alle diese Hazardeurs brach es gelegentlich herein . Die Kugel rollte , rot oder schwarz , und wer wollte sagen , wohin sie fiel . Aber die Billigkeit erzwingt doch gleicherzeit das Anerkenntnis , daß das Gesetz des Introduziertseins nicht mit Strenge gehandhabt wurde und daß im großen und ganzen jeder ein Empfohlener war , der sich – nach den Traditionen des alten Preußens – durch Epaulette oder Orden beglaubigen konnte . Waren es nun gar Personen , die dem Königshause » verwandt oder zugetan « waren , so brach die Loyalität in hellen Flammen siegreich durch . Die Liebenswürdigkeit der Frau Friedrich wetteiferte an solchem Tage mit ihrer Kochkunst , und ihr märkisch-schlagfertiger Witz tat das Weitere , um das Maschinenmeisterhaus bei den hohen Besuchern in gutem Andenken zu erhalten . Traditionell pflanzte sich alsbald die Sitte fort , diesem Andenken einen ganz bestimmten Ausdruck zu leihen : ein Milch- oder Sahnentopf wurde » zur Erinnerung an eine froh verlebte Kaffeestunde « bei Frau Friedrich abgegeben . Daraus entstand denn im Laufe eines Menschenalters ein Porzellankabinett , wie es die Welt wohl nicht zum zweiten Male gesehen hat , eine Topfkollektion , neben der die berühmtesten Pfeifensammlungen verschwinden . Das Aufstellungslokal war und ist natürlich die in ihrer Sauberkeit ein Schmuckkästchen bildende Küche , und allen Borden und Realen hin , in Schränken und Ständern , als Garnierung von Wand und Rauchfang , hängen an Nägeln und Häkchen an zweihundert Töpfe und Töpfchen . Alle ein Souvenir . Jede Form und Farbe , jedes denkbare Material , jede Art der Verzierung ist vertreten . Endlos wechseln weiß und blau , und grün und gold ; Glas , Biskuit , Chausseestaub gesellen sich dem Gros des eigentlichen Porzellans , das wiederum seinerseits zwischen China und Frankreich , zwischen Meißen und Sèvres hin- und herschwankt . Hautrelief und Basrelief , bemalt und gekratzt , so präsentieren sich die Ornamente . Zahlreich sind die Porträts , noch zahlreicher die Schlösser vertreten , und zwischen Prinzen und Prinzessinnen , zwischen Marmor- und Neuem Palais , erscheinen Vater Wrangel und Minister von der Heydt ; der letztere sogar in Begleitung eines Pfauenpaares . Schon in den fünfziger Jahren war die Zahl der Bildnisse so groß , daß König Friedrich Wilhelm IV. , als er in neckischem Geplauder um einen Porträtkopf gebeten wurde , replizieren konnte : » Sie haben hier meine Minister und Generale aufgehängt , nun soll mir dasselbe passieren . Ich werde mich hüten . « Aber die Ablehnung selbst involvierte bereits eine anderweite Zusage und zwei Tage später hatten zwei Souvenirs von Sanssouci die Sammlung vermehrt . Diese Küche , wie wir nur wiederholen können , ist einzig in ihrer Art , und es verlohnt sich eine Viertelstunde lang in dieser eigentümlichsten aller barocken Porträtgalerien zu verweilen . Aber so unterhaltlich ein Aufenthalt an dieser Stelle ist , zumal wenn Frau Friedrich sich herabläßt , einiges aus der Fülle ihres Erinnerungs- und Anekdotenschatzes auszustreuen und die ganze Stätte zu beleben , der eigentlichste Zauber dieses glücklichen Fleckchens