Kaiser zu versöhnen , hinzureißen , wenn sie ihrer Zusage getreu bleibe . Dies schlug durch . » Je jouerai . « Bedenken , die auch jetzt noch von Viertelstunde zu Viertelstunde auftauchten , waren nur wie Wetterleuchten nach dem Gewitter und wurden mit verhältnismäßiger Leichtigkeit beseitigt . Unter diesen kleinen Bedenken war das erste , das laut wurde , die Kostümfrage . Nichts war zur Hand , nichts zu beschaffen . Ihre eigene Gesellschaftsrobe half indessen über diese Verlegenheit am ehesten hinweg . Sie trug ein schwarzes Spitzenkleid . Dies wurde ohne Mühe zu einem spanischen Kostüm hergerichtet . Ein Teil der kostbaren Alençons zu einem aufrecht stehenden Kopfputze arrangiert , barg eine blutrote Rose ; ein schwarzer Schleier , ein irischer Kragen , vollendeten die Toilette . So traf man , nach kurzem Aufenthalte in der Stadt , auf der Pfaueninsel ein . Die Sonne war eben im Untergehen . Noch einmal ein flüchtiges Stutzen , als auf die Frage : » où jouerai-je ? « stumm auf den Rasenfleck hingedeutet wurde , der von rechts her bis dicht an das Schloß herantritt ; – es war indessen die Möglichkeit eines » nein « , nachdem man bereits bis hierher gediehen war , so gut wie abgeschnitten , und zwar um so mehr , als eben jetzt der Hof , in seiner Mitte der Kaiser , erschien und Kreis schließend , links auf dem Kieswege und rechts auf dem Rasenplatze Aufstellung nahm . Nach rechts hin , unter den Ministern und Generalen , stand auch die Rachel . Es war inzwischen dunkel geworden , so dunkel , daß ihr Bruder ein in einer Glasglocke steckendes Licht ergriff und an die Seite der Schwester trat ; späterhin , inmitten der Deklamation , reichte auch das nicht aus und die berühmte Tragödin nahm dem Bruder das Windlicht aus der Hand , um sich selber die Beleuchtung zu geben . Ihr Mienenspiel war ihre Größe . Sie hatte eine Stelle aus der » Athalie « gewählt , jene , fünfter Akt fünfte Szene , wo sie dem hohen Priester das Kind abfordert : Ce que tu m ' as promis , songe à exécuter : Cet enfant , ce trésor , qu ' il faut qu ' on me remette , Où sont-ils ? Sie spielte groß , gewaltig ; es war , als ob das Fehlen alles Apparats die Wirkung steigere . Der Genius , ungehindert durch Flitter und Dekorationen , wirkte ganz als er selbst . Dabei brachen die Schatten des Abends immer mehr herein ; die Luft war lau , und aus der Ferne her klang das Plätschern der Fontänen . Alles war hingerissen . Zumeist der König . Kaum minder sein Gast , der Kaiser . Er trat an die Tragödin heran : J ' espère de vous voir à Petersbourg . Mille remercîments ; mais .. Votre Majesté .. Je vous invite , moi . Die kaiserliche Einladung war ausgesprochen , das Ziel erreicht , der große Preis des Abends gewonnen . Eine Viertelstunde später , in lampiongeschmückten Gondeln , kehrte der Hof , der auf eine kurze Stunde die Pfaueninselstille belebt hatte , wieder in die jenseit der breiten Havelfläche gelegenen Schlösser zurück , nach Glienicke , nach Sanssouci , nach dem Neuen Palais . An der Stelle aber , an der an jenem Abend die Rachel gesprochen und einen ihrer größten Triumphe gefeiert hatte , erhebt sich jetzt , auf schlankem Postament , eine Statuette der Künstlerin , einfach die Inschrift tragend : den 15. Juli 1852 . 5. Frau Friedrich 5. Frau Friedrich Herr Friedrich saß auf Sanssouci , Den Krückstock , den vergaß er nie ; Frau Friedrich findet ' s à propos Und sagt : ich mach ' es ebenso . Demoiselle Rachel ist hinüber , Frau Friedrich lebt noch . Ihre goldene Hochzeit liegt hinter ihr , sie steht vor ihrer diamantnen . Fünfzig Jahre Inselherrschaft haben ihren Namen an den Namen dieses stillen Eilands gekettet . Und welche Herrschaft ! Das absoluteste car tel est notre plaisir , hier hat es seine Stätte . Aber wer ist Frau Friedrich ? In Potsdam kennt sie jeder ; jeder hat ihr gehuldigt , jeder , wenn er auf der Insel landete , hat ihr einen allerfreundlichsten Guten Tag geboten und nach ihren Mienen gesehen , um zu wissen , ob gutes oder schlechtes Wetter sei . Das Schicksal ganzer Landpartien hing an dem Zwinkern dieser Augen ; ein heitres Blinzeln bedeutete den besten Kaffee , eine einzige Krähenpfote strich einen Nachmittag aus dem Leben harmloser Mitmenschen und warf sie der Enttäuschung , unter Umständen dem Hunger in die Arme . Frau Friedrich war eine Macht . Sie ist es noch . Aber noch einmal , wer ist Frau Friedrich ? Sie ist die Frau des gleichnamigen Maschinenmeisters . In einem früheren Abschnitt dieses Pfaueninselkapitels haben wir erzählt , daß um 1822 ein Wasserwerk angelegt wurde , das zunächst ein großes Reservoir speisend , mit Hilfe dieses die Aufgabe hatte , die sandigen Stellen der Insel zu bewässern und fruchtbar zu machen . Dieses Wasserwerk nun bedurfte einer Maschine und die Maschine wiederum eines Maschinenmeisters , wozu ein junger Straßburger Mechaniker , ein Tüftelgenie , einer aus der großen Familie der perpetuum-mobile-Erfinder , ausersehen wurde . Er hieß Friedrich und bekleidete bis zu seiner Ernennung zum Pfaueninsel-Maschinenmeister das Amt eines Maschinisten und Versenkungskünstlers am Königstädtischen Theater . Wie er zu diesem Amt gekommen , was ihn überhaupt an Spree und Havel gekettet und seinem » o Straßburg « ungetreu gemacht hatte , darüber sind nur noch Vermutungen gestattet , die aber schwerlich weit vom Ziele treffen , wenn sie die Lösung des Rätsels in einer quicken , von Lenzen oder Havelberg nach Berlin verzogenen Priegnitzerin suchen , die schon damals die wenigstens partielle Eroberung des Elsaß anstrebte . Und , wie sich von selbst versteht , mit Erfolg . Die märkischen Mädchen setzen durch , was sie wollen , und halten fest